Samstag, 2. November 2013

Heute fährt die 18 bis nach Istanbul

Laut meinen Xing Profil sind Reisen und Geschichte zwei meiner "Interessen". Da habe ich mir gedacht, dass es doch mal wieder Zeit wäre, die beiden zu vereinen. Und welches bessere Ziel kann es da geben, als die Hauptstadt des Osmanischen Reiches VOR der Eroberung Konstantinopels? (Hihihi, da steckt Opel drin.) Der geneigte Leser weiß sofort; es geht um Bursa. Klingt komisch, ist aber so.

2 Millionen Menschen, gelegen zwischen Gebirge und dem Meer, Hauptstadt eines der größten Reiche, die es jemals gab… das klingt schon spannend. Ist es aber leider nicht. Ansonsten hätte Bosch dort ja auch nie ein Werk hingestellt. Ach was sage ich, es sind wohl 4 an der Zahl. Ich hätte gewarnt sein müssen, als eine Kollegin meinte, dass ihr Highlight in Bursa das Frühstück unterm Baum war.
Ganz so hart möchte ich da nicht sein. Es gibt auch eine Moschee, die 12 Kuppeln hat, weil der Sultan Gott (wir haben ja alle den gleichen, nur etwas andere Auffassungen, wer zuletzt in seinem Namen gesprochen hat) 12 Moscheen im Falle eines Sieges versprochen hatte, dann aber nur Geld für eine hatten. Trickreich die Osmanen. Dann gibt es eine Moschee, wo einer eine Plantane gepflanzt hat, der auf einem Hirsch in die Schlacht geritten ist… und dann gab es noch 10000000 andere Moscheen. Vielleicht habe ich jetzt auch die ein oder andere vergessen. Kein Sultanspalast, kein Harem, keine Lustgärten… einfach nichts. Und die Bergbahn auf den höchsten Berg war geschlossen, weil wohl ein Kind dort gestorben ist. Wie kann man bei einer Gondelfahrt sterben? Das Highlight meiner Begleiterin auf der Stadttour war in Folge dessen ein Schaf, das am Baum angebunden im Stadtpark gegrast hat. Ich denke das beschreibt den touristischen Wert der Stadt sehr gut.
Das Frühstück unterm Baum war hingegen wirklich klasse!



Das sieht jetzt zwar eher nach Mittagessen aus, aber es hat hervorragend geschmeckt und war dafür noch echt günstig. Das besondere an dem Ort ist, dass man unter einem Baum sitzt, der 920 Meter Umfang haben soll. Ich habe jetzt nicht nachgemessen, aber er war auf jeden Fall riesig und hat jede Menge Schatten gespendet. Im Sommer ist das sicher prima, im Herbst hätte es hingegen auch gerne etwas Sonne sein dürfen.
Wie auch immer, essentechnisch ist die Türkei schon mal ein prima Land. Trinktechnisch wird es da schon etwas schwieriger. Nicht, dass man keinen Alkohol bekommt, nur halt nicht überall. Vor allem nicht in Clubs, was aber daran liegt, dass es in Bursa gar keine gibt. Das macht die Abendplanung auf jeden Fall etwas einfacher. So kann man gleich in der Ausländersiedlung bleiben, die aber wirklich alles bietet, was man so braucht. Ein 50 Meter Pool in der Mitte und da das nicht reicht auch gleich noch einen 25 Meter Pool am Rand. Leider nicht geheizt, weswegen das Bad bei 20 Grad Außentemperatur doch sehr, sehr kurz wurde. Wieso macht man das überhaupt? Um nicht als Weichei zu gelten! Vielleicht werde ich mit 30 dann ja ein bisschen reifer.

Womit wir schon beim Kern der Reise sind. Es ging nicht um Bursa, sondern darum mit guten Freunden, die zum Teil nicht mehr im Block erwähnt werden wollen (Spaaaaaß, jeder freut sich), eine gute Zeit zu haben. Das hat auf jeden Fall geklappt. Verglichen mit so manch anderem Bosch/Rexroth Standort ist Bursa auch wirklich attraktiv… wenn die nur ein bisschen Englisch verstehen würden. Ich glaube ich habe mich sprachlich noch nie so verloren gefühlt. Zum Glück hatte ich eine Synchronübersetzerin dabei, die mit in Summe vielleicht 5 Worten Türkisch zumindest alles hinbekommen hat.

Kommen wir aber zurück zur Linie 18. Da wir die Clubszene von Bursa ja in einer Nacht durch hatten, waren wir das Wochenende in Istanbul. Ich weiß nicht, wie toll die Stadt vor Erdogan war, aber sie hat mich auch so schon sehr gut gefallen. Gut, die Anzahl seiner Bilder erinnert schon ein bisschen an eine Diktatur, aber es sind auch nicht mehr Bilder, als von Seehofer in Bayern hängen.
Die Hagia Sophia war ein Traum, das Wetter fabelhaft, das Essen sehr lecker und die Nacht sehr lang. Die machen dort noch um 3 Uhr morgens Livemusik im offenen Kaffee in einer Lautstärke, dass man eigentlich Oropax bräuchte. Respekt!
Ich würde ja gerne, aber ich kann eigentlich nichts Schlechtes erzählen. Ok, im Bad hing noch die Boxershorts vom Vorgänger und das Bett stand so vor dem Schrank, dass man ihn nicht aufmachen konnte… aber wen interessiert's? Würde ich den Macho raushängen lassen wollen, würde ich natürlich noch anmerken, dass es toll ist, dass die Frauen in der Türkei kaum was zu sagen haben… das hat aber eigentlich nur Nachteile, da alle automatisch erwarten, dass der Mann zahlt… und das ist bei 4 Frauen doch relativ teuer. Außerdem wäre ich ohne die Damen zugegebener Maßen relativ aufgeschmissen gewesen.
Wo wir gerade bei Frauen und Bezahlen sind. Ich habe mir an Halloween eine Currywurst gekauft und ein paar Mädels haben sich überlegt statt "trick or treat" einfach "Worscht oder Pommes" zu sagen. Und wisst ihr was? Sie haben zwei Portionen Pommes geschenkt  bekommen, während ich dafür zahlen musste. Soweit ok, aber dass sie dann auch noch vor mir bedient wurden, obwohl sie danach kommen, fand ich dann etwas zu viel des Guten. Ich sage es ja immer… im meinem nächsten Leben werde ich eine gut aussehende Frau!

Kommen wir zurück zur Geschichte. Wusstet ihr, dass Konstantinopel verloren wurde, weil der Schutzengel einfach 5 Tage vorher seinen Platz in der Hagia Sofia verlassen hat? Unverschämt, oder? An der selben Stelle hat dann der Sultan seinen Daumen in eine Loch gesteckt und damit die Kirche neu ausgerichtet, so dass sie nun nach Mekka zeigt. Krasser Typ der Sultan. Hat aber nicht gereicht... sie mussten den Altarraum dann doch etwas umbauen, damit dieses zentrale Ding (keine Ahnung wie es heißt) nach Mekka zeigt. Sie jetzt etwas unsymmetrisch aus. Trotzdem stehen da jetzt jeden Tag Touristen und stecken ihren Daumen in das Loch, um sich etwas zu wünschen. Ich habe das lieber gelassen, da es sicher komisch gekommen wäre, wenn ich laut "72 Jungfrauen im Paradies" als Wunsch gerufen hätte. Ich glaube, da verstehen die keinen Spaß.
Das Foto ist übrigens die blaue Moschee, die direkt neben der Hagia Sofia liegt.



Was gibt es noch zu erzählen? Auf dem Rückflug waren wir zu dritt und ich dachte erst, dass wir die schlechteste Check-In-Schalter-Bedienung aller Zeiten hatten, da sie etwa 15 Minuten für die Aufgabe gebraucht hat. Sie kam wohl nicht damit klar, dass sie die Meilen noch gutschreiben sollte, wollte das aber auch nicht zugeben und saß einfach 5 Minuten stumm vor ihrem Bildschirm. Ihre außerordentlichen Fähigkeiten sorgten aber dafür, dass keiner von uns den ursprünglich reservierten Platz bekommen hat. Das war aber aus Sicht von 2/3 unserer Reisegruppe gut. Nein, nicht weil sie nicht mehr neben mir sitzen mussten, sondern weil beide in der Business Klasse landeten und ich in Economy blieb. Es gibt Tage da verliert man und es gibt Tage da gewinnen die anderen. Ok, im Prinzip saßen sie dann auch nicht neben mir, aber das war nicht der Gewinn... glaube ich zumindest.

Sonntag, 1. September 2013

Aber schei* drauf, Malle ist nur einmal im Jahr

Wenn man um Mallorca herum segelt, lässt es sich natürlich auch nicht vermeiden, dass man auf Mallorca drauf ist; schon alleine wegen des Transports vom Flughafen zum Hafen.  Dann liegt es natürlich nahe, dass man auch noch ein wenig den mallorcinischen Strand und das hervorragende Essen genießt. Und wo sollte das besser gehen, als in El Arenal? Also haben wir unseren Urlaub noch mit drei Tagen Ballermann abgeschlossen. Außerdem ist es ja ernsthaft so, dass man nach dem Segeln noch ein paar Tage auch an Land das Gefühl hat, dass sich alles bewegt. Damit fällt man dort sicher am wenigsten auf. Um das gleich festzuhalten: Wenn irgendeiner von uns gewankt ist, dann sicher nur, weil das Innenohr noch gesponnen hat! 




Wir sind dann morgens vom Boot runter und direkt ins Hotel, wo unser Zimmer natürlich noch nicht fertig war. Kein Thema, zum Glück gibt es ja im Mega-Park schon um 11:30 -siehe oben - Freibier. (Mega-Park könnt ihr noch vom letzten Malle-Wanderurlaub aus diesem Jahr kennen. Ansonsten zitiere ich Konrad "der beste Platz, um sich schon tagsüber zu betrinken".) Um es mit Solveigs Worten zu sagen: zu der Zeit sieht es auch noch ziemlich human aus. Nach dem Freibier sind wir dann aus dem VIP-Bereich - yeaaaaah - in den normalen Bereich umgezogen und haben erst einmal... ja was eigentlich?... weiter getrunken bis das Hotel unser Zimmer fertig hatte. Also Gepäck ins Zimmer gestellt und wieder... es wiederholt sich alles. 
Kleiner Exkurs an dieser Stelle. Ich hatte schon auf dem Hinflug bemerkt, dass ich große Mengen Bier nicht mehr vertrage und daher lieber eine Säule Cuba Libre als Bier bestellen würde. Meine Aussage "Cuba Libre vertrage ich besser" wurde zum running gag, da ich es an dem Nachmittag nach einem Cuba Libre geschafft habe, im Mega-Park einzuschlafen. Einige meiner Kollegen werden vielleicht auch noch wissen, dass ich mit dem Zeug mal einen schrecklichen Abend in Würzburg hatte. Aber nur, weil er viel schneller gemischt ist, als so ein Mojito. 
Zurück zum Thema. Der Schlafmangel vom Boot führte also dazu, dass ich während der Bundesligaübertragung eingeschlafen bin. Das war ein klares Signal ins Bett zu gehen. Um es mit den Worten von Murtaugh (Lethal Weapon) zu sagen: Ich bin zu alt für den schei*. Zum Glück ging es den anderen nicht besser, so dass wir einen ruhigen Abend verbrachten.



Der ursprüngliche Plan sah dann für den nächsten Tag Strand vor. Der Wetterbericht hatte aber irgendwie etwas anderes im Sinn. Egal, wir haben uns mit einer Männerhandtasche (na, klingelt es?) in den Sand gelegt und uns von den Wolken bräunen lassen. So attrakti... also so drei Typen sehen für die weiblichen Promoter (oder auch Promoterinnen) natürlich wie leichte Opfer aus, was für einige Unterhaltung sorgte. Ok, männliche Promoter hielten uns wohl auch für verzweifelt und sprachen uns an, aber zurück zum Thema: Die Promoterin war natürlich aus dem Pott, nicht zu stark bekleidet, blond und hatte eine etwas schweigsamere Kollegin dabei, die allerdings die Getränkeliste auswendig aufsagen konnte. Dass sie auch intellektuell beschlagen war, wollten sie uns gleich beweisen, indem sie auf Marcs Buch (Illuminate) schaute und sagte: "Ach Steve Brown, das habe ich auch gelesen." Nicht, dass der Name des Autors nicht auch korrekt auf dem Buch gestanden hätte... Egal, sie wollten Tickets für ein Partyboat verkaufen und Marc wollte unterhalten werden. Marc hat im Gegensatz zu den Mädels sein Ziel erreicht und ich muss sagen, dass ich mich auch prächtig amüsiert habe. Nicht nur, dass sie persönlich der Kapitän des Boots war, nein sie hat es sogar selbst gebaut und rosa angemalt. Was das Wetter anging, konnten sie uns versichern, dass es erst am Abend regnet und sie auch ständig im Kontakt mit dem Wetterdienst in Palma wäre. Nur was hilft das, bei Regen auf der See? Ansonsten stach das Boot durch seine "familiäre" Atmosphäre hervor. So 126 Leute lernt man ja in 4 Stunden schnell kennen. Es gäbe Boote mit 400, das wäre ja viel zu viel. Ich will gar nicht wissen, was die für einen Aufwand getrieben haben, um die optimale Gruppengröße von 126 zu ermitteln. Länger als zwei Minuten will man ja eh mit niemanden reden. 
Man muss aber sagen, dass sie das wirklich nett gemacht haben, im Gegensatz zu den Sonnenbrillen-, Hut-, Uhren-, Massage- und Früchte-Verkäufern... oder den Jungs aus diesem komischen Club, dessen Name mir entfallen ist. Da gab es bei einer all-you-can-drink-Jacky-Party 4 Jacky-Shots inklusive. Say what? 

Pünktlich zum Spiel der Eintracht (egal ob Braunschweig oder Trier, Eintracht sind nur wir!) haben wir uns dann wieder in dem Mega-Park eingefunden. Auch hier hat sich wieder gezeigt, dass Malle fest in der Hand der Schwaben und des Potts ist. In dem riesen Ding gab es mit uns dreien vielleicht 10 Eintracht-Fans. Wobei der Rest eigentlich alles Offenbacher sein müssten, da die alle bei "Wer nicht springt ist Offenbacher" stehen geblieben sind. Wie auch immer, ganz wichtiger Auswärtssieg und im Hoch der Gefühle, lässt man sich da schon eher irgendeinen Mist andrehen. Bei uns ist dabei dieses Foto rausgekommen. Und nein, das Trikot ist keine Kindergröße sonder L. 




Wenn man allerdings Eintracht-Fans trifft, dann sind es auch echte. Als ich meinen Cuba Libre (und das ohne einzuschlafen) weggebracht habe, hat sich in der Nebenkabine gerade jemand den Mittag durch den Kopf gehen lassen. Das hielt ihn aber nicht davon ab, nach dem Spülen gleich wieder ein schönes "schwarz (und) weiß wie Schnee, ist nur die SGE, wir holen den DFB-Pokal und wir werden deutscher Meister, Meister!" anzustimmen. Ich sage nur "Europa, wir kommen!". Und das sollte man als Drohung verstehen. 

Mittlerweile hatte es dann angefangen zu regnen und daher haben wir uns an die Hotelbar am Pool gesetzt. Die Logik dahinter erschließt sich mir in der Retroperspektive auch nicht vollständig, ich bin mir aber sicher, dass es eine gab. Hinter der Bar stand eine junge Lettin, die angestrengt versuchte, irgendwelche Tätigkeiten zu finden, um nicht mit uns reden zu müssen, aber da wir die einzigen Gäste waren (und das bei so schönen Regengüssen), kam sie nicht ganz darum herum. Immerhin hat sie eine Runde Vodka mit uns mitgetrunken (bzw. Vodka + das komische grüne Zeug, was sie sich dazu geschüttet hat) und uns noch eine Runde ausgegeben. 

Am Abend waren wir dann in einem echt guten Restaurant und sind von da ins Riu Palace zu einem DJ-Battle. Ich habe es so noch nicht erlebt, dass ein Hip-Hop-DJ-Duo gegen ein House-DJ-Duo angetreten ist, so gab es aber wenigstens genügend Abwechslung. Ich musste nur auch hier wieder feststellen, dass wir ganz schön alt geworden sind. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden (geschätzt) 14jährigen Mädels einen Schock für's Leben bekommen haben, als Turner und ich zu Klassikern wie Party up von DMX so richtig abgegangen sind. Mit 1,50 und 40 Kilo Lebendgewicht wirken so knappe 1,90 mit knapp 80 Kilo Lebendgewicht, die neben einem auf und anspringen und pogen sicher gefährlich. Es haben aber alle überlebt. 
Ansonsten gibt es von dem Abend aber echt wenig zu erzählen, oder Jungs? Zum Abschluss gab es noch die obligatorische Currywurst beim Wurstkönig (oder war es Grillmeister?) bei der man aber auch in unserem Zustand - damit meine ich natürlich vor allem die Müdigkeit und den Hunger - gemerkt hat, dass sie einfach nicht gut ist. Ich will nicht wissen, was das über die Wurst aussagt. 




Da sich das Wetter weiter gegen uns verschworen hat, sind wir am nächsten Tag zum Tapas Essen noch mal nach Palma gefahren. Mir kam das insofern entgegen, als ich dort auch noch meine Schuhe abholen musste, die auf unserem Boot liegen geblieben waren. Turner hatte sie mit seinem Ordnungsfimmel... nein, so kann man das nicht schreiben. Turner hat sie aus irgendeinem Grund in ein Fach geräumt, in dem eigentlich nur seine Sachen waren und beim Einpacken hat sich dann jeder auf den anderen verlassen. Wie auch immer, ich habe also unseren Skipper, der noch im Hafen war, gebeten, die Schuhe mit von Board zu nehmen. Darauf schrieb er mir, dass er sie hat und sie jetzt auf dem Boot seien, mit dem er an dem Tag ausläuft. (Das war noch bevor wir nach Palma gefahren sind.) Ein wirklich pragmatisches Kerlchen. Also musste ich ihm noch eine SMS schreiben, um ihn zu beten, die Schuhe doch nicht mit auf's Meer zu nehmen sondern bei unserem Charterer oder beim Hafenmeister abzugeben. Mich wundert es nicht, wenn seine Handyrechnung sehr hoch ist... 
Also bin ich zu unserem Charterer gegangen. Schuhe? Nie gehört. Dann zum Hafenmeister. Zapatos? Nie gehört. Als wir schon am Gehen waren, entdeckte Turner dann ein mit Kreppband zusammengehaltenes Bündel, was am Pier auf einer Schulterhohen Kiste lag und vom Regen durchnässt war. Ihr ahnt es; das waren meine Schuhe. Man konnte sie aber auch eigentlich gar nicht übersehen, auf der Unterseite hatte er ja mit Edding geschrieben "Für Nicolas Justus"... sehr... pragmatisch.

Das Abendprogramm bestand dann aus der Mega-Arena, die auf keinen Fall mit dem Mega-Park zu verwechseln ist, weil sie ja unten drunter liegt, und dem Bierkönig. Wenig Spektakuläres, außer, dass im Nebenraum wohl Jürgen Drews aufgetreten ist, was ich gar nicht mitbekommen habe. Ich war zu sehr mit dem Typ beschäftigt, der mich immer wieder von der Tanzfläche geschmissen hat, weil man dort kein Getränk in der Hand haben durfte!? 
Da die Wurst ja nicht so der Hit war, entschied sich Marc in dieser Nacht zum Abschluss 2 Stück Pizza, eine Käsewurst, einen Teil unserer Portion Pommes und dann noch einen Mini-Döner zu essen. Das ist schon nicht schlecht, die wahre Leistung erschließt sich einem aber erst, wenn man weiß, dass er zum Frühstück (also etwa 5 Stunden später) dann zwei Spiegeleier auf einem Brot mit Schinken und Käse gegessen hat, um das dann noch mit einer Portion Pancakes abzurunden. 

Und dann war es auch schon vorbei. Um es mit den Worten der größten hessischen Philosophen der Neuzeit zu sagen: "Als wir dann auf der Fähre standen und ich dem Bürgermeister ins Gesicht gespuckt habe, weil er mich so herablassend angeschaut hat, da war ich schon ein bisschen traurig, dass der Urlaub schon vorbei war. Zum Glück haben wir schon für das nächste Jahr gebucht." "Was, ihr auch?"


Samstag, 31. August 2013

Sail away

Nachdem der letzte Eintrag für Nicht-Hessen etwas anstrengend war, wird es nun für Nicht-Segler etwas unverständlicher. Kommen wir also zum eigentlichen Segelerlebnis. Wobei das wäre viel zu schnell, um mit dem Segeln zu beginnen. Während also alle Schiffe, egal wie unerfahren und betrunken die Crew auch war (viele Ukrainer), ausliefen, standen wir am Kai und haben geübt, Taue zu werfen. Was das anging konnte uns dann sicher auch keiner im Mittelmeer etwas vormachen, was aber vor allem daran lag, dass das niemand machte. Wäre der Turner auch nur ein bisschen geschickter beim Rudern gewesen, hätten wir es auch nicht gebraucht...



Nachdem wir das Flicken des Segels zum Glück auslassen durften, dachte ich, es könnte los gehen. Weit gefehlt: Sicherheitseinweisung. Der Vortrag dauerte weit über eine Stunde, aber ihr bekommt die Kurzfassung. Ohne feste Schuhwerk laufen = Zehenbruch. Tau laufen lassen = Sehne durch. Alles weitere führte eigentlich unweigerlich entweder zum Sinken des Schiffs oder zum sofortigen Tod. Isch so! Laut Versicherung seien der Hafen, das Dinghy (Beiboot) und Feuer an Board die gefährlichsten Orte/Momente an Board. Gut, dass er uns erst einmal im Hafen festhielt. 
Unser Skipper war halt ein Fan sehr ausführlicher Vorbereitung und ausschweifender Antworten. Eine einfache Frage wie "wer hat Vorfahrt?" wurden in der Regel etwa so beantwortet. "Also wenn gerade Ramadan ist, der Jupiter im Haus der Venus steht, die FDP den Bundeskanzler stellt und man einen schönen Tidenhub von etwa 20 Zentimeter hat (that's what she said), dann haben wir Vorfahrt. Sollte allerdings im chinesischen Kalender das Jahr des Drachen sein und Claudia Roth ist zum ersten mal in ihrem Leben gut gekleidet, dann haben wir nur Vorfahrt, wenn... *30 Minuten später* ... aber vor 15 Minuten, als uns das Boot beinahe gerammt hätte, hatten die Vorfahrt. Da hättest du ausweichen müssen." 
Unser Skipper war ein Widerspruch in sich. Während er uns ausführlich erklärte, dass das Gas immer erst an der Flasche abgestellt werden muss, damit die Leitungen leer sind (Stichwort Feuer an Board), war er der erste, der es nicht machte. Er erklärte uns auch, das all die Elektronik an Board "Micky Maus" sei und nur für testoterongesteuerte Männer da ist, die Geld loswerden wollen. Er war aber dann der erste, der Panik bekam, wenn das GPS-Signal weg war. Ihm ist auch 2-3 Tage lang nicht aufgefallen, dass der Tiefenmesser auf Fuß und nicht auf Meter stand und behauptete dann, der Turner hätte das mit seinem Knie verstellt. Da wir trotz Anleitung etwa 10 Minuten brauchten, um es umzustellen, war das entweder Seemannsgarn oder der Turner hat ein verdammt geschicktes Knie. 



Zurück zum Segeln. Wir fuhren also endlich aus dem Hafen raus und hatten vielleicht schon 2-3 Wenden geübt, als unser Skipper erst mal unter Deck ging. So stand ich am Ruder. Irgendwann kam er dann wieder hoch und schaute uns erwartungsvoll an. Was keiner (oder zumindest ich nicht) bemerkt hatte, war, dass er einen grünen Luftballon ins Wasser geworfen hatte. Das sollte ein Mann sein. Er wollte also mit 9 Leuten, die zum großen Teil noch nie gesegelt hatten, ein Mann-über-Board-Manöver üben. Sehen wir mal von der Tatsache ab, dass er "Mann über Board" hätte rufen müssen, wenn er es als erster bemerkt... von uns kam natürlich erst einmal nichts. Also fing er an rumzuschreien, dass wir etwas machen sollten. Ich fragten ihn noch, ob ich jetzt ohne einen Segelschein zu besitzen mit einer unerfahren Crew durch die ganzen Yachten kreuzen sollte, die da noch rumfuhren... und ich glaube ab dem Punkten mochten wir uns schon nicht mehr so. Mag daran gelegen haben, dass diese Frage den Unternton hatte, ob er denn einen am Sträussche hätte. 

Ich verstehe bis jetzt nicht, wie jemand, der uns Taue werfen üben lässt, ehe wir an Board dürfen, meint, dass eine Crew ohne jegliche Vorbereitung und Erfahrung einen Ballon aus dem Mittelmeer fischen kann. Seine Erklärung "nach deutschen Recht muss er das Manöver vor dem Auslaufen üben". Isch so! Am deutschen Wesen soll die Welt genesen! Ich glaube aber nicht, dass das Gesetzt verbietet zu sagen "wir machen jetzt ein Mann-über-Board-Manöver und das geht so..." oder dass er es selbst macht. Wäre eventuell wichtiger als Taue werfen. Wobei - hätte der Ballon fangen können, hätten wir ihm sicher super ein Tau zuwerfen können. 

Während man also im Yachthafen von Mallorca zur Mittagszeit auch ohne jegliche Übung rumkreuzen kann, da die anderen Boote ja sicher ausweichen, ist Ankern schon eine schwierigere Aktion. Die ganzen fest liegenden Boote, da könnte sich ja eventuell eines bewegen. Deswegen sah unser Ankermanöver auch so aus, dass wir erst in die Bucht reinfuhren, einmal durch alle Boote durch und dann wieder raus. Außerhalb der Bucht gab es dann eine 15-30minütige Lagebesprechung. Inhalt: Wir fahren da jetzt wieder rein, ich sage euch wann ihr den Ankern werfen sollt und wie viele Meter Kette wir brauchen. Das hätte man wohl nicht direkt machen können. Ich glaube es wundert keinen, wenn ich sage, dass die besten Plätze immer schon weg waren, ehe wir wirklich mal anfingen zu ankern. 


Gute Plätze zu finden, ist in der Hauptsaison um Mallorca herum aber auch wirklich schwierig. Deswegen fand es unser Skipper auch unmöglich, dass da nur so ein billiges Werbeheftchen an Board war, das nur die Häfen beschreibt, die auch gezahlt haben. Komisches Konzept. Etwas ist umsonst und nicht besser, als etwas Zahlungspflichtiges? So kann Marktwirtschaft doch nicht funktionieren. Mit seinen 44 Jahren auf See ist er aber noch nicht auf die Idee gekommen, selbst etwas mitzubringen oder sich vorzubereiten. Ich glaube, ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir ihm auch den Segelführer aus der Boardkasse bezahlt hätten, nachdem wir eh schon seine Handyrechnung bezahlen mussten, ohne sie jemals gesehen zu haben. Erwähnte ich schon, dass mir dieses Geschäftsmodell gefällt? 





Wir sind bei dem ganzen Stress aber auch wirklich streckenweise gesegelt. Dafür hatten wir teils auch hervorragende Bedingungen mit viel Sonne und gutem Wind, einmal sogar Windstärke 5. Was heißt Windstärke 5? Das heißt, dass ich erst unter Deck geschickt werde, um mir ein T-Shirt anzuziehen, da einem ja sonst durchs Spritzwasser kalt wird. Als er merkte, dass ein nasses T-Shirt jetzt auch nicht warm hält, musste ich also noch einmal runter und mir eine Regenjacke anziehen. Weil es so viel Spaß machte, gab es dann auch gleich noch einen Schwimmwestenpflicht. Und wofür das ganze? Als ich endlich so angezogen war, wie es der Skipper wollte, haben wir uns entschieden umzukehren, weil es zu windig ist. An dieser Stelle: Die Umkehrentscheidung kann ich voll und ganz verstehen, da nicht nur Kerstin "die Pütz" seekrank wurde sondern auch manch andere nicht mehr ganz so breit grinste. Es gab aber nur zwei Eimer an Board.

Als wir dann bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad mit Regenjacken und Schwimmwesten in die Bucht eingelaufen sind, konnte man auf denn anderen Booten schon ein gewisses Grinsen sehen. Ich hätte es auch nicht unterdrücken können, wenn ich uns gesehen hätte. 

Ansonsten war das Segeln aber eher ruhig. So ruhig, dass Jürgen auch gerne mal so weit vom Kurs abkam, dass wir direkt im Wind standen und nur durch eine 360°-Drehung wieder voran kamen. Steff hielt das wohl wegen der vielen Wiederholungen durch Jürgen für ein echtes Manöver, weswegen sie es dann auch gleich ausprobierte. 


Am letzten Tag habe ich mir dann noch etwas sportlicheres Segeln gewünscht und darum gebeten, dass wir Halsen. Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Wenn Wenden beim Autofahren das Rechtsabbiegen ist, dann ist Halsen Linksabbiegen (mal ganz grob... eigentlich geht es um den Wind). So wie das Linksabbiegen durch den eventuellen Gegenverkehr etwas gefährlicher ist, als das Rechtsabbiegen (ok, die meisten Unfälle passieren beim Linksabbiegen), so ist Halsen auch etwas komplizierter als Wenden. Johannes hat daraus aber rückwärts Einparken mit verbundenen Augen vor einem Kindergarten gemacht. Er erklärte uns 30 Minuten, was denn jetzt alles schief gehen kann und wie er und sein Vater dabei schon einen Mast verloren haben (das heißt dann Patenthalse). Gleich darauf folgte dann aber wieder ein echter Johannes. Anstatt wie üblich zu rufen "alles fertig zur Halse" fing er einfach schon mal damit an, obwohl noch überhaupt niemand damit gerechnet hat... nur um dann wieder zu schreien, dass das Segel viel zu langsam dicht geholt wird. So kann man schon mal einen Mast verlieren... war bei unserem Wind aber quasi unmöglich. 





Mein Highlight bleibt aber das Anlegemanöver am letzten Tag. Ach, was sag ich, die Manöver. Schon bei der Tankstelle fragte mich der Tankwart, ob unser Skipper einen am Sträusschen hat, weil ihm zwei Tau nicht reichten. Außerdem durften wir die Taue nicht übergeben, so lange unser Skipper es uns nicht erlaubt hatte. So fährt man dann 50 Zentimeter an einem erfahrenen Hafenmitarbeiter vorbei, der nach dem Tau fragt und man gibt es ihm nicht, weil man auf seinen Skipper wartet, der noch dabei ist, den restlichen Schiffen zu erklären, wie sie seiner Meinung nach zu fahren hätten. Beim "Ausparken" fuhr er dann rückwärts (Zitat: "Das Manöver kennt sonst keiner"), obwohl hinter uns ein Schiff fest vertaut und vorne alles frei war. Deshalb schrie er dann ebenfalls das Schiff hinter uns an es solle doch mal weiter nach hinten fahren. Auch die verstanden die Welt nicht mehr. 

Als wir dann am Ende des Tages an unseren Steg ankamen, legte Johannes ein so spezielles Manöver hin, dass wir uns mit dem Kiel in der Ankerleine (eigentlich Moorig-Leine) eines anderen Schiffs verfangen haben. Während Michael und ich uns mit aller Kraft von den anderen Schiffen wegdrückten, brüllte er dann die Ukrainer an, deren Leine wir erwischt hatten: "Tirar." Es ist ja schön, wenn man sich versucht, in der Landessprache zu verständigen, aber der arme Ukrainer sprach nun mal kein Spanisch. Für solche Fälle hatte unser Skipper aber immer eine gute Lösung; er schrie noch lauter. Ich hatte auch mal das Vergnügen, da ich nicht wusste, was ein Turmkegel ist. Die Erklärung: "NA DER TURMKEGEL!"
Zurück zum Anlegen. Nachdem ich für den Ukrainer übersetzt hatte, dass er doch bitte die Leine fallen lassen solle, kam noch ein Dinghy, das gegen uns fuhr, um uns zu drehen, da wir ja manövrierunfähig waren und es kam auch jemand an Board, der das Steuer übernahm. Und siehe da; man konnte ohne Probleme und auch ohne jegliches Geschreie festmachen. Ohne, dass uns der neue Skipper lange erklärt hätte, was wir machen müssen oder was alles schief gehen kann. Das hatten wir ja schon gesehen.

Der Tunrer unterhielt sich mit Johannes dann auch über seine verschiedenen (sic!) Havarien und irgendwie kam raus, dass er nie Schuld war, weil er als zuständiger Kapitän immer unter Deck war. Vielleicht erkennt er ja irgendwann ein Muster? Bei solchen Angelegenheiten war er aber immer sehr - ich zitiere - pragmatisch. Die Crew musste den Schaden zahlen und dann war für ihn alles in Ordnung. So klingt ein verantwortungsvoller Manager. Wir sind am Ende auch zur Erkenntnis gekommen, dass Johannes von der Versicherung keine allgemeine Auswertung über die größten Gefahren auf See bekommen hat sondern wahrscheinlich einfach nur eine Auflistung seiner bisherigen Vorfälle. 





Neben Segeln und Ankerbier ist das wichtigste in so einem Urlaub aber, schöne Buchten zu finden, wie zum Beispiel diese hier. Das im Bild vorderste Boot müsste unseres sein. So von Weitem sehen die ja immer zum Reinspringen aus aber leider sind im Mittelmeer angeblich Abwassertanks keine Pflicht. Das heißt, das alles, was so von Board geht, dann auch direkt im Badewasser landet. Den Gedanken fand ich schon für sich nicht gut, wenn einem dann aber auch noch der Plastikmüll (welcher Depp hat denn hier einen grünen Ballon ins Wasser geworfen?) und sonstiger Unrat entgegenschwimmt (Kaffeebecher, wer braucht den hier einen Kaffeebecher?), dann braucht man wirklich das bereits angesprochene Schwimmbier, um da beherzt reinzuspringen. (Hier mit unnachahmlicher Eleganz vom Turner vorgeführt.)



Auch wenn das Bier auf die Blase drückt, ob Boardtoilette oder direkt ins Wasser ist dann auch schon egal. Das Wasser war übrigens erstaunlich warm. An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass unser Skipper auch das Wasser, das sich mittig im Boot gesammelt hat. probierte, um festzustellen, ob es Salz-, Frischwasser, Diesel oder Urin ist. Sicherheitstechnisch kann ich das nachvollziehen, aber zwei Sachen konnte man geruchstechnisch ausschließen und einmal testen sollte reichen. Außer man genießt es.


Wenn wir aber schon bei mangelnder Boardausstattung sind. Ja, ich bin verwöhnt und von mir aus auch zu anspruchsvoll, aber es gab nicht einmal Ventilatoren unter Deck. Wenn man sich dann mit so einem heißen Kerl (ich beziehe mich hier ganz alleine auf die Körpertemperatur) neben dem Motorraum bei etwa 30 Zentimeter Freiraum bis zur Decke hinlegt, die Außentemperatur noch weit über 20 Grad liegt bei einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 200% und einfach kein Lüftchen geht, dann wird aus der Koje auch schnell eine Badewanne. Gut, was man ausschwitzt muss danach nicht mehr ins Meer, aber es war einfach verdammt schwer einzuschlafen. Wodurch sich dann an Land auch ein gewisser Schlafmangel bemerkbar machte, dazu aber mehr im nächsten Eintrag. 


Wenn man das so liest, klingt es fast, als ob wir keinen Spaß hatten. Den hatten wir aber definitiv! Ich kann Segeln nur jedem ernsthaft empfehlen, ich würde nur einen anderen Skipper nehmen.

Am Abgrund der Dummheit - 3 Hessen terrorisieren die Welt

Liebe Leser(innen), dieser Eintrag könnte für Nicht-Hessen bzw. für Leute, die Badesalz nicht in und auswendig kennen, etwas anstrengend werden... nur leider lässt es sich nicht vermeiden. Unsere Mitsegler mussten das auch eine Woche lang ertragen, insofern werdet ihr das auch schaffen. Damit ihr wenigstens die Überschrift versteht solltet ihr euch jetzt zumindest "Am Abgrund der Dummheit" angucken. Wonn?

Zurück zum Thema: Ich war Segeln und das nur ganz zufällig um Mallorca herum. Ich war also erst einmal nicht auf Malle, damit gar nicht erst ein falscher Eindruck entsteht. Da ich keinen Segelschein habe und die anderen zwei Hessen auch nicht, haben wir ein Kojencharter gemacht. Will heißen: Wir bezahlen jemanden der gerne segelt dafür, dass er mit uns segelt. Super System, das müsste es für meine Hobbys (müsste es Hobbies sein?) auch geben. Wenn mich jemand für's Schlafen bezahlt, bin ich fast alle meine Sorgen los.
Wie auch immer, man sperrt sich also freiwillig mit Unbekannten auf ein Boot ein und hofft darauf, dass man miteinander klar kommt. Bei Segeln ist es aber zum Glück gute Sitte, dass man jede Menge sozialen Katalysator (sprich Alkohol) mitnimmt. Wie sagte schon Kasperle (Link): Zum Sport braucht man(n) Krombacher, Bittburger, Warsteiner... Klassischer Weise trinkt man nach dem Ankern oder Anlegen ein Ankerbier. Wir hatten dann meist noch ein Kochbier, ein vor dem Essen Bier, ein zum Essen Bier, ein Aufräumbier, ein Spühlbier und wenn uns sonst nichts mehr einfiel ein Bierbier. Ist fast wie Kettentrinken. Oder eher Kettensport! Das Schwimmbier sollte man auch nicht vergessen. Nüchtern springt doch keiner in die Brühe vor Mallorca. (Dazu im nächsten Eintrag mehr.)

Zurück zur Gruppe. Im besten Fall sind es 10 Hessen, wenn man Pech hat nur drei.
"Hip, Hop, Rave, runner von dem Haus! Unn lass dess Medall da!" (Link)

Alles in allem war es aber eine sanfte Geburt, auch wenn - jetzt malen wir mal nicht den Teufel an die Wand -  auch Mädchen dabei waren. (Keinen Link gefunden) Die Besatzung kam aber trotzdem prima miteinander aus. Vielleicht lohnt eine kurze Vorstellung.
- Kerstin "die Pütz" (seemännisch für Eimer) war nicht rund wie ein Eimer sondern nicht unbedingt seefest. Macht nichts, so lange alles im Eimer landet. Den muss man dann nur auch leeren, ansonsten könnten ihn jemand (hallo Markus) umwerfen und man hat das Frühstück über ganz Achtern verteilt. Dann kann man allerdings trefflich darüber diskutieren, ob das jetzt Eier zum Frühstück waren...
- Katrin a.k.a. Kristina. Genau wie Kerstin war sie Schwäbin und Lehrerin. Klingt in der Kombination erst einmal gefährlich, das war sie aber vor allem, da sie Kampfsport betreibt. Solche Leute sollten man nicht reizen. Da mein Namen/Gesichtsgedächtnis aber nicht so richtig funktioniert, habe ich sie trotzdem durchgängig Kristina genannt. Sie war sehr friedlich.
- Markus the Vampire war Berater vom Niederrhein und hat jeden Morgen die Sonnencreme mit dem Eimer Deckweiß vertauscht. Ihr Kennt die Leute, die sich Zink auf die Nasenspitze machen? Ungefähr so, nur im ganzen Gesicht.
- Markus war mit Jürgen "360°" angereist, dank dem wir beinahe die 150 Seemeilen geknackt hätten. Seinetwegen haben wir uns mehrmals im Kreis gedreht, was nicht zwingend notwendig war. Aber so bekommt man Meilen zusammen.
- Steffanie "Steff" hat für jede 15 Minuten, die sie am ersten Tag zu spät kam, einen Buchstaben am Ende des Namens verloren. Wie viel Minuten kam sie wohl zu spät? Richtig. Der verkürzte Namen war aber sicher das kleinere Problem. Als letzter Ankömmling hatte sie das Glück, sich die Kabine mit unserem Skipper zu teilen. Der war nicht nur über 30 Jahre älter und hat jede Nacht geschnarcht. Nein, er hat sich auch jeden Morgen beschwert, dass sie ihm überhaupt nicht näher gekommen wäre. Wenn es mit viel gutem Willen am ersten Tag noch lustig war, so wurde es von Tag zu Tag trauriger. Ich glaube es lag daran, dass er nur zwei verschiedene Slips (ja, Slips - keine Boxershorts) dabei hatte. Ich weiß nicht viel über Frauen, aber wir Männer fanden das schon nicht gut.
- Dann gab es noch Michael "the sun" aus dem Pott. Er hat sich im Kroatienurlaub schon mal vorgebräunt, so dass er auch gerne breitbeining vorne an Deck saß, um die letzen Stellen, die sonst nie die Sonne sehen, braun zu bekommen.
- Hesse Nummer 1 war Marc "Holly" der seinen Spitznamen alleine schon verdient hatte, da er als Mann mehr Gepäck an Board hatte, als der Rest der Crew zusammen. Eigentlich haben wir ihn aber so getauft, da er einen Werbevertrag mit Hollister unterschrieben hat und seitdem nur noch deren Kleidung tragen darf. Dank ihm weiß ich nun auch, dass Rotwein auf einer rosa Hose nicht unsichtbar ist, sondern blaue Flecken macht.
- Hesse Nummer zwei war Turner "er braucht keinen Spitzname" Tunersson, den die meisten wohl zu genüge kennen. Brau mer garnedd drübber redde! Könnd isch grad verrüggd wedde.
- Bleibt noch der Skipper Johannes "isch so" Binzbescher. Wie man sich schon denken kann ein Schwabe. "Isch so!" Als Seemann hielt er es wohl auch für seine Aufgabe, so viel Seemannsgarn (also Lügengeschichten) wie möglich zu spinnen. Das kann ja lustig sein, nur nicht, wenn nach jedem zweiten Satz ein "isch so!" folgt. So erzählte er uns z.B., dass die Bild-Zeitung sich per Gerichtsurteil nicht mehr Zeitung nennen darf, da der Wahrheitsgehalt kleiner als 30% sei. Ich muss ja bei einem Dummheitsgehalt von größer 30% immer schmuzeln, was mir gerne als Arroganz ausgelegt wird. Johannes fixierte einen dann aber immer und sagte bestärkend: "Ja du lachsch; dess isch so!" Worauf hin ich noch mehr lachen mussten. Ein Teufelskreis! Johannes macht auch jeden Tag 100 Liegestützen (nur nicht, wenn er auf Reisen ist) und schmeißt in Lateinamerika mit einem Messer bewaffnete Einbrecher aus dem Fenster. Do heischd es der oder ich. Isch so! Ich habe ja in meiner Zeit in Lateinamerika gelernt, dass man immer auf den mit dem Messer setzen sollte.

Der Fairness halber muss man aber sagen, dass die anderen eventuell auch meinen, dass wir Hessen uns immer wiederholt haben. So kam bei jedem Mietwagen unweigerlich ein "Pedro Car? Sagtest du Pedro Car?" (habe leider online keine Version von "Badesalz - Mallorca" gefunden, nur den Ausschnitt) oder auch nach den kleinsten Erfolgen ein Mehrstimmiges "Mir habbe ... gewonne!" (12 aus 12) Beliebt sind natürlich auch immer Zitate aus "Gereizt" (Dess gehd dich ei Scheißdregg an!) oder im Sommerurlaub auch "isch binn in de Sonn eigeschlofe, in de Sonn eigeschlofe!" (Link) Eigentlich wollten sie für unsere Aufgaben ja auch Affen nehmen, aber die müssen auch sparen. Naja, was die Spanier nicht im Kopp habbe, dess habbe sie in der Hos. So ging das Tag ein und Tag aus. Will heißen: Wir hatten unseren Spaß.

Jetzt bin ich noch gar nicht zum Segeln gekommen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.

Sonntag, 21. Juli 2013

Life is pain


Ihr meint, dass das schlimm aussieht? Dann sollten ihr erst mal den anderen sehen. Der ist am nächsten Tag nicht mal mehr zur Arbeit gekommen!
Ok, das mag daran liegen, dass er frei hatte, aber darum geht es hier ja auch eigentlich gar nicht. 

Ich denke jeder hat schon eine Theorie, wieso ich mir ein blaues Auge verdient habe. Mir fallen da spontan auch einige ein. Ich neige dazu, Menschen zu beleidigen, ohne, dass ich es überhaupt will. Beispiele? 
Ich meinte zu einer Personalerin von uns, dass es ja wohl nichts Dämlicheres gibt, als sich zuerst bei dem Unternehmen zu bewerben, zu dem man will, und dass wir solche Leute auch gar nicht brauchen. Ihre Antwort: "Ich habe mich auch zuerst da beworben, wo ich hin wollte!" Gut kommt auch, wenn man bemerkt, dass Amerikaner ja nicht für ihren Intellekt bekannt sind und das Gegenüber sagt "mein Freund ist Amerikaner." Und nicht zuletzt kann die Bemerkung "Daimler-Trainees sind anders als die von Bosch" auch dazu führen, dass man erfährt, dass die Zwillingsschwester für Daimler arbeitet. Wenn man das strategisch gut verteilt, fällt es vielleicht nicht negativ auf, ich hatte aber alle drei Erlebnisse mit ein und derselben Person. Aber nein, die wäre viel zu nett um mir das anzutun. 
Lustiges Detail: Die Schwester meiner Friseurin arbeitet auch bei Daimler, weswegen ich dort mit Bemerkungen über die Autos auch schon negativ aufgefallen bin. 
Selbst wenn ich jemandem einen netten (hier nicht ironisch und auch nicht als Synonym für "scheiße" zu verstehen) Spitznamen geben will - Plan war schwäbisches Wort für Himbeere, weil es angeblich schön ist - kommt am Ende "Hängerle" raus. Wer kann das denn ahnen? Wobei das ein prima Wort für Leute ist, die man freundlich beleidigen will. Aber auch das hat, wie alles zuvor, nicht zu dem Auge geführt.

Natürlich ging es um eine Frau... ach was sag ich um Frauen. Ok, es wird unrealistisch. Ich habe seine Mutter beleidigt... neiiiiiiin. Es war beim Boxtraining? Nope, da hauen wir nur auf Sandsäcke. Was bleibt? Richtig!
Jemand hat mir im Dunkeln vom Balkon (Dachterrasse) einen Autoschlüssel zugeworfen. Anstatt auf die ausgestreckten Hände zu zielen, hat er halt mein Auge genommen und es (zum Glück) verfehlt. Der rote Querstrich ist der Einschlagspunkt. Da ich in meinem Abibuch ja noch den markigen Spruch stehen hatte "life is pain, deal with it" möchte ich mich gar nicht über die Schmerzen beschweren; es gibt auch kaum welche. Schlecht durchblutete Stellen sehen halt immer nur so brutal aus. 

Bleibt die Frage, warum mir jemand einen Autoschlüssel zuwirft. Naja, ich hatte mein Auto in Lohr im Parkhaus und wollte es um 23:00 Uhr abholen. Dumm nur, dass es schon um 22:00 Uhr schließt. Daher habe ich mir das Auto von einem Kumpel geliehen und dabei kam es zu dem Unfall. Wer ist also Schuld? 
Richtig: Wie immer Lohr! 

Und jetzt schlechter Wortwitz zum Enden hin... Trommelwirbel... ich bin ja noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Duffdääääääää

Sonntag, 2. Juni 2013

Palma, Palma de Mallorca

Neben der Mayday gab es noch so ein Ding, was ich vor meinem 30ten machen wollte. "Ändlisch noomale Läude" treffen und das geht ja nirgends besser als auf Malle. Die Insel ist schon sehr faszinierend, weil jeder, wirklich jeder sofort nur an das eine denkt, wenn man sagt, dass man nach Malle fliegt. Gut, auf der Arbeit habe ich eh einen Ruf weg, aber dadurch wurde er nicht besser.

Woher kommt dieser Ruf? Liegt es vielleicht daran, dass man schon am Flughafen auf 200 Meter Entfernung erkennt, an welchem Gate die Touri-Bomber abfliegen? Fußballmannschaften im Trainingsanzug, Gruppen mit Strohhüten, kurze Hosen und T-Shirts im Winter (ich denke man darf bei diesen Temperaturen noch von Winter sprechen) sowie Familien mit Kinder, denen man jetzt schon anmerkt, dass aus denen nichts mehr wird. Es kann auch daran liegen, dass die Condor mit dem Alkoholverkauf an Board (Abflug 05:50.... also nicht 17:50 Uhr) wahrscheinlich mehr verdient, als mit dem Flugticket. Oder auch daran, dass sich einfach alle nach unten anpassen. So hat auch die Crew uns gleich auf unserer Ferieninsel Palma de Mallorca begrüßt. Übrigens: Landung ohne Applaus. Sic!

Ich füge mich da ja sonst gerne nahtlos ein, aber ich war müde und wollte einfach nur in meinem 10-Euro-Aufpreis-extended-Eco-Sitz schlafen. Das hat mir aber schon auf dem Hinflug so eine Katastrophe von einem Kind versaut. Aber egal, es war ja Urlaub und ich konnte mich auf Entspannung bei 18 Grad und Regen freuen. Nein, das war jetzt nicht das Wetter in Deutschland sondern auf Mallorca.

Um das gleich von Anfang an klar zu stellen: Ich habe nicht in Palma und auch nicht in El Arena übernachtet; ich war in Santa Ponsa. Das ist da, wo Frau Katzenberger ihr Café hat. Das hilft jetzt auch keinem weiter, aber das wollte ich gesagt haben. Es liegt ganz im Süd-Westen oder auch einfach unten links. Anstatt 2 Sterne mit Kakerlaken und schlafen am Strand gab es dort ein sehr schönes Appartement im mexikanischen Stil direkt am Meer. Also kein Saufurlaub sondern einfach nur Entspannung bei (geplant) schönen Wetter. Womit ich natürlich nicht behaupten will, dass man mit Alkohol nicht entspannen kann. 

Das Programm war aber ein anderes. Es begann mit Wandern. Ich dachte ja Nico (also der andere) scherzt ein wenig, als er das angekündigt hat, aber es war ihm ernst. Ist nun nicht mein Lieblingshobby, aber ein bisschen Bewegung kann nicht schaden. Ich hätte mir vielleicht Sorgen machen sollen, als ich gesehen habe, wie sich unsere Führer für die Wanderung ausstatten, aber ich dachte Sonnencreme und Bootsschuhe müsste schon irgendwie reichen. Weit gefehlt. Ich weiß ja nicht, ob das normal ist, aber so Wanderführer sind relativ unspezifisch geschrieben. Gehen Sie da lang, dann sehen Sie einen Hang, da gehe sie runter. Da ist ein Weg, dem folgen Sie bis zur Kuppe... und so weiter. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Bei der Angabe "vor Ihnen ist ein Steilhang, gehen Sie ihn entlang und steigen Sie nach links auf" sind wir dann gescheitert. Es gab noch den entscheidenden Hinweis, dass man sich nicht zu weit links halten sollte, ich gebe aber zu, dass das Interpretationspielraum lässt. Wir gingen also zu weit links hoch.
Woher ich das weiß? Als wir oben ankamen, waren wir von Dornen zerstochen, sind auf allen Vieren den Berg hochgekrochen und waren etwas fertig, während uns von weiter rechts ganz gemütlich eine Gruppe von Rentnern entgegenkam. Dass wir falsch sind, hätte uns spätestens dann auffallen müssen, als wir eine Ziege auf dem Weg getroffen haben... das war auch der Augenblick, in dem einer der Gruppe erwähnte, dass er übrigens Höhenangst hat.

An dem Tag hat sich dann auch noch eine Gruppe Rentner über uns lustig gemacht "Mit den Schuhen? Pffff" was wir ignorierten, nur um kurz danach den ersten verstauchten Knöchel zu haben. Die Weisheit des Alters. Alles in allem also keine Malle-Vorurteile erfüllt... aber da ich Vorurteilen vertraue, hatte ich halt nur für die gepackt. Und nein, ich habe mir den Knöchel nicht verstaucht. Da ich keine Socken anhatte, waren meine Füße aber nach 4 Stunden trotzdem hinüber. Hallo Erholung! Abends haben wir dann noch eine Sonderaufführung von "Vom Winde verweht" am Grill auf dem Balkon aufgeführt. Turner bestand darauf, eine Wurst wirklich auf dem Grill zuzubereiten. Das Ergebnis war geschmacklich auch so eine Art verstauchter Knöchel. 

Kommen wir zu Tag 2. Da Turner und ich noch nie am Ballermann waren, hat sich Konrad schweren (wirklich ganz schweren) Herzens dazu erbarmt, für uns den Fremdenführer in El Arenal zu spielen. Der anderen Teil der Gruppe war noch mal wandern, was zwei Mädels vor eine schwierige Entscheidung stellte. Wander oder mit den Jungs nach El Arena. Sie haben sich für das Mallorca-Grundprogramm entschieden. So haben wir also den letzten Tag der Bundesliga in der Mega-Arena (oder auch Mega-Park) verfolgt, was zugegebener Maßen am Anfang etwas anstrengend war. Außer bei den Jugendräumen in Rambach habe ich es noch nie erlebt, dass schon um 15:00 Uhr der Boden klebt, so dass man sich kaum noch fortbewegen kann. Trotz miesem Wetters war auch Oberköperfrei oder Fußballtrikot (mag auch Handball gewesen sein) für Männer Pflicht. Alternativ waren auch Kostüme erlaubt. Alles nicht so mein Ding.
Aber zum Glück gibt es den sozialen Katalysator Alkohol und ich muss sagen, dass es mir nach jedem Bier besser gefallen hat. Man hat kostenlose Unterhaltung (dagegen sind "Familien im Brennpunkt", "Berlin Tag und Nacht" und wie sie alle heißen der letzte Schrott), Musik, bei der man problemlos mitsingen kann, und was mich überrascht hat; keine Aggressionen. Zumindest noch nicht um die Uhrzeit. Aus einer Schlägerei wäre aber auch nicht viel geworden. Ein Besucher hat es schon geschafft bei dem Versuch, der Kellnerin auf den Po zu hauen, so daneben zu liegen, dass er fast umgefallen ist und dabei noch seine Sonnenbrille verloren hat. Die musste er dann in einem hilflosen Versuch, der selbst Mr. Bean alle Ehre gemacht hätte, wieder vom Boden aufheben. Herrlich. Und trotzdem kam danach ein Mädel an, dass ihn einfach an der Hand nahm und wohl mit auf ihr Zimmer nehmen wollte. Ihre Freundin schob ihn aber zwei Minuten später wieder zurück an den Tisch, von dem er kam, und meinte "den nimmst du nicht mit". Freundinnen können so streng sein!
In der Mega-Arena gab es auch noch ein Phänomen, das ich noch nirgendwo auf der ganzen weiten Welt gesehen habe. Eine Schlange vor dem Männerklo, während bei den Frauen alles frei war! Ich denke, dass das die Geschlechterverteilung ganz gut und abschließend beschreibt.
Trotzdem scheinen sich die Männer keine größeren Sorgen um den Frauenanteil zu machen. Ich möchte zitieren "Vergiss die F*tzen. Die F*tzen sind so easy, die treffen wir heute abend um 10." Wäre ich Lyriker, ich würde gerne noch ein wenig über diese Perle der deutschen Sprache nachdenken. Was mich fasziniert ist, dass der Kerl, der das gesagt hat, aus meiner Sicht ein Student war. Die größten Assis am Leeheimer See waren ja auch immer die Maschinenbauer aus Darmstadt. Das gibt mir doch sehr zu denken... ich habe während des Studiums wohl einiges verpasst. Spaaaaaaß.
Der Mann hat für mich aber auch eine der besten Aktionen des Urlaubs hingelegt, als er auf der Straße stehend sein Gemächt richtete (d.h. Hand in der Hose), um seine entgegenkommenden Kumpel dann gleich mal ein High 5 anzubieten. Der schlägt natürlich sofort ein. Jetzt wissen wir auch alle, wie sexuelle Krankheiten ganz ohne sexuellen Kontakt übertragen werden können. Vielleicht beruhigt das ja den ein oder anderen, der dachte, dass sein Partner auf Mallorca fremd gegangen ist.
Abends sind wir aber schon wieder nach Palma gefahren, wo ich seit langem mal wieder Fisch gegessen habe. Ich kann bestätigen, dass ich immer noch allergisch bin. Woher soll man auch wissen, dass in Kroketten Fisch sein kann?
Nach ein paar Mojitos ging es dann noch in eine Karaoke Bar in Santa Ponsa, in der ich eingeschlafen bin. Nach allem, was ich gesehen (eine irische Walschule hatte sich in das Lokal verirrt) und gehört (eine Gruppe Deutscher, die mir alle sehr bekannt vorkamen, aber üüüüüberhaupt nicht singen konnten) war das aber auch in Ordnung. Ich habe mit Konrad noch "Rayando el sol" gesungen, wobei wir zwei mit Sicherheit die einzigen waren, die dort Spanisch gesprochen haben. Konrad hat am nächsten Tag festgestellt, dass das Stück ja auch im Original zweistimmig ist und wir somit die Aufgabe perfekt erfüllt haben. Ich möchte das so unkommentiert stehen lassen.

Dann war schon Sonntag und endlich mal richtig gutes Wetter. Also an den Pool gelegt und auch ins Meer gesprungen. Im Gegensatz zum Pool hatten die Spanier aber vergessen, das Meer vorzuheizen, weswegen das ein sehr kurzer Ausflug wurde. Abends haben wir uns dann noch ein paar Böötchen (wie schreibt man das?) in einem Yachthafen angeschaut, von denen ich das eine oder andere nehmen würde. Aber leider viel zu viel Motor und zu wenig Segel. Das war es dann auch.

Montag war dann die Nordwest-Küste von Mallorca unser Ziel, die wir zum großen Teil abgefahren sind. Es wird den ein oder anderen überraschen, aber für mich persönlich sah die Landschaft da überall ziemlich ähnlich aus. Also links Wasser und rechts Steilhang mit Pinien und Grasbüscheln. Kann man machen, muss man aber nicht. Highlight war die Kirche in Valdemossa... nicht wegen der Kirche, sondern wegen des russischen Paares, das dort war. Wie machen die das nur, dass man die sofort erkennt? Gut... der Mann hatte einen russischen Trainingsanzug an. Die Frau hingegen möglichst wenig.
Abends gab es dann aber noch mal ein perfektes Abendessen. Turner und ich hatten "Fleisch vom Vulkansteine", was im Endeffekt ein Tischgrill mit Rindfleisch war; aber was für Fleisch. Wirklich perfekt. Und als ich meinte, dass ich noch Hunger habe, habe die uns umsonst noch eine zweite Portion serviert. Das könnte einige der wirtschaftlichen Probleme der Spanier erklären, kam bei mir aber sehr gut an. Auch beim Digestif sahen sie es nicht so eng. Man bezahlt einen und bekommt eine ganze Flasche auf den Tisch gestellt. Gut, beim Hierbas gibt es eine natürliche Grenze, die sehr schnell erreicht ist, aber vom Grundsatz her, ist das ein super System.

Am Dienstag ist dann Minigolf wortwörtlich ins Wasser gefallen, weswegen das Programm aus Einkaufszentrum in Palma und Stadtzentrum von Palma bestand. Dann noch an den Flughafen, zwei Stunden das Kind ausgehalten, dass immer auf dem Tisch in der Reihe dahinter getrommelt hat, im Zug nach Frankfurt, um 02:00 nachts in Lohr und um 07:00 Uhr auf der Arbeit. Weg war die Erholung.

Das Kind hatte übrigens eine deutsche Mutter und einen englischen Vater und hat wirklich das Schlechteste aus beiden Welten vereint. Neben mir war ein wirklich gut erzogenes Kind, dass dann auch mal böse nach hinten geschaut hat, weil quasi auf seiner Rückenlehne rumgetrommelt wurde, worauf sich das Mistkind noch bei seiner Mutter über den Blick beschwerte. Wie es sich für eine gute Mutter gehört, erklärt sie "der guckt so, weil du auf seinem Sitz rumtrommelst". Den Hinweis hat ihr Sohn dann so verstanden, dass er weiter trommeln muss. Was für die Mutter aber auch vollkommen in Ordnung war. Die ganzen Sauftruppen haben hingegen friedlich geschlafen. Was lernen wir daraus? Genau!

Ich hoffe ich konnte hiermit die größten Vorurteile über Mallorca widerlegen, auch wenn ich doch eine Nacht draußen geschlafen habe. Das lag aber daran, dass ich auf Grund irgendeiner allergischen Reaktion in der Wohnung keine Luft mehr bekommen habe und mich dann auf den Balkon gelegt habe. 

Samstag, 9. März 2013

Heeeeeeey, ab auf die Piste...

... der Sonne hinterher (ey jo was geht?), der Sonne hinterher (ey jo was geht?). Zuerst mal ging gar nichts, bis ich meine Skikleidung gewaschen haben. Und damit meine ich nicht die lange Skiunterwäsche, die Mütze, den Schal, die Handschuhe oder so etwas. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben meine Skijacke in die Wäsche geschmissen und die Hose gleich dazu.
Geht das? Ja, bis 30°! Muss man das machen? Eigentlich nicht; das Verhältnis von 1 Woche Nutzung und 51 Wochen Lüftung hat bisher immer gereicht. Ja und wieso habe ich es dann gemacht? St. Anton macht es möglich bzw. eher nötig. Wir haben noch die ganzen Rückfahrt am Freitag den Geruch vom Apres-Ski vom Donnerstag Abend genießen können und das trotz 3-stündiger Lüftungsfahrt am Morgen. Es war dieser herrliche Geruch nach getrocknetem Bier und Sekt, überzogen mit einer Patina aus altem Frittierfett... aber der Reihe nach.

Eine kleine Gebrauchsanweisung für einen Urlaub in St. Anton. Zu aller erst muss sich die Skigruppe noch vor der Abfahrt ein Kostüm-Thema aussuchen. In St. Anton fällt man nämlich nicht durch ein Kostüm auf, sondern nur, wenn man keines trägt. Dann braucht man ein Wörterbuch. Das benötigt man aber nicht, weil die Tiroler wie die Schweizer klingen, sondern weil die Tiroler lieber die Engländer arbeiten lassen. Deren Deutschkenntnisse umfassen ja meist nur die Worte Sauerkraut, Blitzkrieg und Panzerfaust, was nicht reicht, um meine Bestellung beim Aperes-Ski zu verstehen. Schnell "drei Jägermeister" im Wörterbuch nachgeschlagen und "three jagermysder" bestellt... schon ging es.
Den restlichen Platz im Koffer kann man dann getrost mit Bargeldbündeln auffüllen; man wird die schon los.

Ich dachte ja bei der Abreise nach Österreich noch, dass ich zu viel Bargeld abgehoben hatte. Diese Bedenken waren aber schnell verstreut. Ich zahle ja gerne für Qualität und zitiere immer wieder gerne die Ärzte mit "es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich". In St. Anton gilt aber eher "und ich weiß jeder zweite hier ist genauso doof wie ich". Das zielt jetzt nicht auf meinen Intellekt, sondern auf den eines durchschnittlichen betrunkenen Engländers... also eines Sturzbetrunkenens. Wirklich alles voll mit Engländern. Ihr versteht die Doppeldeutigkeit von voll an dieser Stelle. Nun kann man unseren Freunden und ehemaligen EU-Partnern von der Insel sicher viel vorwerfen, nur nicht, dass sie nicht feiern können.
Ich frage mich, wie der Flughafenmitarbeiter geschaut hat, als der eine Engländer seine Skiausrüstung eingecheckt hat, die aus einem Ski bestand, der zum Getränkehalter umfunktioniert wurde und einem, der eine Trinkrille auf der Rückseite hatte, um das hier zu machen:

Der deutsche Durchschnittsingenieur wird sich fragen, ob da nicht die Hälfte daneben geht? Sie tut es. Der Durchschnittsschwabe wird fragen, ob das nicht verdammt teuer ist, dort ein halbes Bier zu verschütten? Ich als gebürtiger Wiesbadener kann nur sagen: Die Preise kenne ich so auch aus Wiesbaden. Außerdem ist das Bier ja nicht verloren. Es verteilt sich einfach auf die Jacken der anderen Gäste. Das erklärt auch die erste Geruchskomponente der Skijacke. Die zweite Komponente lässt sich auch schnell erklären. Ältere Männer, die jüngere Frauen (oder vielleicht auch sich selbst) beeindrucken wollen, kaufen Sektflaschen, um sie dann in die Menge zu spritzen. 
Wie kann man sich das alles leisten? Z.B. als australischer Klempner. Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht. Aber wir haben definitiv eine Gruppe Australier getroffen, nachdem ich einmal grundlos "Aussi, Aussi,  Aussi, oi, oi, oi" in die Menge gerufen habe. Das "oi, oi, oi" kam dann schon aus mehreren Kehlen. Und der einen von denen hat wirklich behauptet, er sei Klempner und er würde hier halt für zwei Wochen nach St. Anton kommen und Party machen. Er stand dann auch später splitternackt auf der Bar, aber das wollen wir hier nicht vertiefen. 

Was gibt es sonst noch zum Aperes-Ski zu sagen? Man kann dabei interessante neue Shots kennen lernen, man kann Bierbänke zertrümmern und über die Brüstung schmeißen (sehr englisch und nicht empfehlenswert, daher auch nicht ausprobiert!) und als Schwabe kann man auch seinen eigenen Alkohol mitbringen. Halt... nicht immer auf die armen Schwaben... die Berliner hatten auch Jägermeister mitgebracht. Zuletzt kann man von meinen Freunden auch immer wieder lernen, wie man Frauen am effizientesten los wird. Bisher lag ja R. ganz weit vorne, der in Shanghai zu einer Französin meinte "You are French? So where is your funny accent?". Der Akzent war weg und sie gleich mit. Im Skiurlaub meinte nun ein Mädel, sie wäre als stämmig bezeichnet worden (fishing for compliments), worauf hin einer meiner Begleiter doch tatsächlich sagt: "Immerhin hat er nicht gefragt, ob du schwanger bist". Bääääääääm. Bei so Vorbildern habe ich keine Fragen mehr, warum ich single bin.
Der nächste Spruch war dann leider schon so jugendunfrei, dass man ihn hier nicht wiederholen kann. Für alle mit Fantasie; was sollte man eine Frau nicht fragen, die bei Leitz arbeitet? Die mit den Ordner.

Nun gut, ich denke das reicht an Erzählungen zum Krazy Kanguruh (schreibt sich wirklich so). Wer wissen will, wie es davor, da drinnen und drum herum abgeht, kann sich das hier anschauen:
Unterwäsche gibt es aber erst der Mitte. 
Wir waren übrigens nicht im Mooserwirt, der nach Eigenreklame wohl schlechtesten Hütte am Arlberg. Ich glaube deren Taktik ist es, durch noch höhere Preise die untersten Schichten der Partygäste auszuschließen. Das hat bei uns schon mal gut geklappt.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema des Urlaubs, der Panoramafunktion meines Handys. Spaaaaß. Natürlich zum Ski bei herrlichstem Königswetter, wie dieses Foto beweisen soll. 

Wir haben wirklich nicht viel Apres-Ski gemacht, sondern sind die meiste Zeit bei genialem Wetter gefahren. Leider aber nicht mehr so viel, wie in den besten Zeiten. Mit dem Alter hat das sicher nichts zu tun. Es muss das Material sein. Wie auch immer, wir haben uns darauf geeinigt, dass wir an einem halben Tag zu dritt immer noch mehr Pistenkilometer fahren, als das halbe Krazy Kanguruh in Summe an einem ganzen Tag. Am letzten Tag sind wir da wirklich schon um 15:00 Uhr aufgeschlagen und die Tische waren schon so voll, dass man keinen Platz mehr bekommen hat.

Ich persönlich möchte versuchen, die nachlassende Kondition voll und ganz auf das Material abzuwälzen, da ich mir neue Ski gekauft habe. Die ersten zwei Tage habe ich zwei Paar Leihski ausprobiert und bin jeweils ein Mal hingefallen. Leider beide Male auf die linke Oberschenkelseite, weswegen ich dort einen handtellergroßen bleuen Fleck habe. Das zieht natürlich auch an der Kondition... oder so. Und natürlich war nur das neue Material Schuld. Bei diesen neuen Löffelski kann man nicht mehr Stiefel an Stiefel fahren... gut, ich hätte auch von mir erwartet, dass ich die intellektuelle Höchstleistung, das zu erkennen, auch ohne zwei Stürze schaffe... aber was soll's? Glücklich wurde ich erst, als der Laden mir dann zwei Jahre alte Ski verkauft hat, die zum Glück noch nicht so tailliert sind und damit für mich viel besser. Waren dann auch gar nicht mehr so teuer und ich bin nicht mehr gefallen.

Ich bin auch froh verkünden zu können, dass ich mit neuen Ski zum ersten Mal Thomas (immerhin mit neuen Skistiefeln) bei der Geschwindigkeitsmessung schlagen konnte. Vielen Dank für dieses frühe (oder späte?) Geburtstagsgeschenk. Ansonsten kam ich an dieser menschlichen Kanonenkugel (bezieht sich rein auf die Geschwindigkeit und nicht auf die Bauform) nie vorbei.
Die Messstrecke befand sich aber nicht St. Anton sondern am xDrive Mountain, der scheinbar in Zürs und Lech liegt, da dort alles mit BMW-Werbung zugepflastert ist. Selbst die Messstrecke wird von BMW gesponsert. Das Konzept haben die Hütten in Lech dann auch gleich aufgegriffen und bieten jetzt nur noch xLunch Mahlzeiten an; x wie in exklusiv. Zum Mittag kurz mal 23,90 für ein Schnitzel und zum Runterspühlen ein Weizen für 6,90. Ich glaube so viel habe ich in meiner Kindheit auch dort bezahlt. Damals aber noch in Schilling. Anscheinend will Lech nun auch ein wenig russischer werden. Schade drum. "Billiges" Essen gab es vor allem auf der Hütte in Stuben, was man auch sofort an dem stark erhöhten Anteil an Holländern merkte. Müssen sich eigentlich alle Klischees immer bestätigen? Und sind es dann noch Klischees?

Kommen wir zum Abschluss aber noch zu der dritten Geruchskomponente meiner Skijacke: Frittierfett.  Das kam daher, dass wir am letzten Abend eventuell einen Schluck über den Durst getrunken haben und mit dem daraus resultierenden Heißhunger gefühlte 2 Stunden in dem Burger- und Pizzaladen auf etwas zum Essen gewartet haben. Wie wir und vor allem die ganzen Engländer es an dem Abend unverletzt ins Dorf geschafft haben, bleibt mir dabei ein Rätsel. Die Apres-Ski-Hütten in St. Anton liegen nämlich nicht im Tal, wo sie hingehören, sondern schon noch am Berg. Dass wir uns nicht selbst verletzt haben, lässt sich noch dadurch erklären, dass wir abgeschnallt haben und mal vor und manchmal auch hinter den Ski hergerutscht sind. Ziemlich viele haben das aber noch auf Ski gemacht und das sah nicht sicher aus, wodurch es auch für Unbeteiligte gefährlich wurde.
Alternativ bietet sich noch ein Taxi an, dass da zwar hoch fährt, für die 3 Minuten aber auch gleich 15 Euro nimmt. Deswegen habe wir auch eine Reservierung in Stuben platzen lassen, zu der wir im ursprünglichen Plan eigentlich selbst mit dem Auto fahren wollten. Apres-Ski war aber irgendwie so lustig, dass wir danach nicht mehr Auto fahren sollten und eine Fahrt nach Stuben im Taxi, hätte schon 63 Euro gekostet. So viel wollten wir dann doch nicht essen, dass sich das noch lohnt.

Samstag, 9. Februar 2013

Ice ice baby...

... ist nicht nur eines der großartigsten Lieder aller Zeiten, welches sowohl das Vorurteil bestätigt hat, dass Weiße nicht rappen können als auch, dass Sie nicht tanzen können, nein, es ist auch das Motto dieses Wochenendes. Dieser Freitag hat mir mal wieder gezeigt, dass man aus Erfahrung nicht klug werden muss, wenn man nur dumm genug ist.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, bei Schnee nicht mehr durch den Spessart zu fahren. Denn obgleich man denke würde, dass die Jungs sich dort mit Schnee auskennen; sie tun es nicht. Und obwohl sie sich nicht damit auskennen, kommt auch keiner auf die Idee, ihn wegzuräumen. Trotzdem hatte ich am Freitag irgendwie das Bedürfnis, Lohr zu verlassen und da die Straßen um Lohr geräumt waren, dachte ich auch, dass es kein Thema ist... bis ich am Ende einer langgezogenen Kurve zwei Autos mit Warnblinklicht gesehen habe. Ich bremse also... nur mein Auto leider nicht. Also schnell rechts rüber in den Schnee gezogen und kurz entspannt.
Daraufhin kommt ein Mädel angedackelt, die mir sagt, dass es glatt ist und dass sie deswegen stehen geblieben sind. Mitten auf der Straße? Hinter einer Kurve? Genial! Und das ist jetzt kein Spaß... sie standen parallel zu einer ausgewiesenen Parkbucht.
Ich bin dann also mit 10 km/h durch den eisigen Spessart gekrochen. Vorbei an LKWs (Gegenfahrbahn... irgendwie wollten alle nach Lohr und nicht ich davon weg), die die Steigung nicht mehr schafften und Leuten, die wegen des Staus auf der einen Fahrbahn auf meiner Schlittschuh gelaufen sind. Auch hier kein Spaß... während ich halb im Straßengraben gefahren bin, damit ich überhaupt Grip hatte, rutscht der vor mir zu Fuß auf der Fahrbahn rum. Bei einem Unfall hätte ich kategorisch jede Schuld von mir abgewiesen. Um das ganze noch ein wenig zu erschweren, wollten viele die LKWs dann auf meiner Spur überholen. Ihnen war wahrscheinlich bewusst, dass ich bergab nicht gut bremsen konnte. Daher sind sie auch mit Lichthupe auf meiner Spur auf mich zugefahren. Da musste ich unweigerlich an den alten Mantawitz denken: Steht ein Mantafahrer vor einem Baum und sagt "ich hab' doch gehupt, ey!".
Besser wurde es erst, als es wieder ein wenig Richtung Zivilisation ging. Dort wurden die Franken dann aber wohl schnell übermütig. Ein Auto lag auf dem Dach im Straßengraben und an einer anderen Stelle stand so viel Polizei und Feuerwehr, dass man gar nicht sehen konnte, was dort passiert ist. Aber mit meinem All-terrain-Mini ging alles gut. Und ich schreibe es mir jetzt noch mal auf: Bei Schnee nicht durch den Spessart fahren!

Und wofür macht man das alles? Um das Wochenende in Frankfurt verbringen zu können. Schönen Stadt, nette Leute... einfach zum wohlfühlen. Ooooooder betrunkene Assos, die sich in die Hand kotzen, aus der Straßenbahn torkeln und es dann an meinem Mantel abwischen. Die Frage ist, was macht man da? Will man sich mit einem prügeln, der sich gerade in die Hände gekotzt hat? Hmmmm nein. Will man mit jemanden diskutieren, der so aussieht, als ob er dich ankotzt (hier können beiden Bedeutungen des Wortes genutzt werden)? Auch nicht. Da ich eh gerade auf dem Weg zu Reinigung war, habe ich den Mantel einfach direkt abgegeben.

Kommen wir doch zu angenehmeren Themen. Ich denke es ist bekannt, dass ich nicht der größte Karneval-Fastnacht-was-auch-immer-Fan bin. Ich würde auch niemals grundlos Lohr über den grünen Klee loben... aber Weiberfastnacht in Lohr ist wirklich eine Reise wert. Bäschde Nacht in Lohr ever! Lohr trägt anscheinend eine Frauen-Gruppen-Kostümwettbewerb aus und die Damen nehmen das sehr ernst. Wirklich alle sind verkleidet und das auch nicht nur mit einem 10-Euro-Kostüm aus von Woolworth sondern wirklich kreativ. Mein persönlicher Favorit war die Waschbärengruppe. Ich habe aber keine Ahnung, wie der Wettbewerb ausgegangen ist, weil die Verkündung an der freien Luft statt fand und mir das doch etwas zu frisch war. Eigentlich wusste ich nur gar nicht, wo das vor sich geht. Wie auch immer. Die Stadt war rappelvoll und in allen 4 Kneipen war richtig gute Stimmung. Gut, die Musik hat immer mal wieder ausgesetzt und es war alles arg improvisiert, aber man kann den Lohrern keinen Vorwurf machen, dass sie nicht alles versucht haben. Ehe ihr fragt: Ich war als Assistent verkleidet, der seine Krawatte noch schnell ausgezogen hat. Da muss man erst mal drauf kommen! Vielleicht könnte ich mir aber nächstes Jahr wirklich Mühe geben, da ich den Abend deutlich lustiger als die Festwoche fand. Nächstes mal sollte ich den Freitag dann vielleicht auch frei nehmen.