Montag, 30. März 2015

I am sailing...

Eigentlich ist dieser Blog ja schon abgeschlossen, da ich die Assi-Tätigkeit zumindest nicht mehr ausübe, aber im Sabbatical behält man ja den Anspruch auf seine letzte Stelle, also passt das schon irgendwie hierher. Was nicht so ganz passt, ist, dass ich trotz der ganzen Probleme mit meiner Diss, von denen ich sicher das ein oder andere Mal berichtet habe, in dieser Zeit Urlaub gemacht habe. Es war allerdings alles fest gebucht und viel schon bezahlt, da konnte ich ja nicht einfach absagen. Also standen Miami, die British Virgin Islands, Miami/Florida und New York auf dem Reiseplan. Viele finde meine Blogeinträge ja zu lang, weswegen ich die Zusammenfassung direkt an den Anfang stelle: Es war geil, geil und nochmals geil. Richtig viel Spaß für richtig viel Geld… so viel habe ich noch in keinem Urlaub ausgegeben. 

Aber nun zum Anfang. Kern der Reise war eine Regatta um die British Virgin Islands mit folgender Crew:
Burkhard "work hard, Burkhard" oder auch einfach "the skipper" Justus
Marc "das Kamerakind" Heldmann
Lucas "die Buffetfräse" Weiss (wer kam auf die Idee, jemandem mit dem Spitznamen zum Smutje zu machen?)
Sebastian "der Knoten" Dreher
und ich a.k.a der "Dinghy Captain"

Irgendjemand kam mal auf die Idee, diese Crew wie folgt zusammen zu fassen: "Ich bin mit 5 Besserwissern unterwegs", worauf er prompt ein "Nein, nur mit 4" zurück bekam. Man kann ahnen, dass es in dieser Hinsicht sehr episch wurde. Ein Fest für Klugscheißer. Ich selbst weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Neben mir liegt eine Liste mit etwa 50 Stichworten, die ich erwähnen wollte, was aber gar nicht klappen kann, weswegen es wohl nur kurze zusammenhanglose Geschichten werden. Meine Schreibenergie sollte ja auch eigentlich in die Diss gehen. Allerdings hat mir der Turner ausgeredet, meinen Laptop mit in den Urlaub zu nehmen, weswegen ich den freien Tag in Florida nutzen konnte, um all das aufzuschreiben. Natürlich mit einem schlechten Gewissen. 

Der erste Aufenthalt in Miami diente eigentlich nur als Zwischenstopp, an dem sich alle treffen konnten, obwohl wir mit unterschiedlichen Flügen angekommen sind. Lucas und ich waren die Ersten und habe uns daher erst einmal an den Strand gelegt. Zweimal im Wasser gewesen, zweimal mit Lichtschutzfaktor 50 eingecremt, 3 Stunden Sonne… macht zweimal Sonnenbrand für uns. Vielleicht sitze ich doch zu viel vorm Computer? Um das Bild abzurunden, haben wir uns auch einen Football gekauft, wodurch wir noch zwei mal Muskelkater in der Schulter drauflegen konnten. 
Am nächsten Tag kamen Turner und Marc, mit denen wir dann noch mal die Todo-Liste von Tripadvisor studiert haben. Die Nummer 1 Attraktion in Miami South Beach ist ein Schießstand… Ammis… wir haben uns daher für die Nummer 2 entschieden: Pub Crawl. 4 Kneipen und einer der angeblich heißestes Clubs Miamis standen auf dem Programm und wir wurden nicht enttäuscht. Value for money und es war auch noch gesund, weil 4 Bananen dabei waren. (Außen gelb, innen weiß… auch bekannt als ABC… wenn ihr wisst was ich meine. Man könnte auch von ABC-Shützinnen schreiben.) Zumindest einer von uns hat eine Banane probiert, konnte sich aber gleich auf das Motto des Clubs berufen: "Mansion made me do it".



Ansonsten haben wir uns noch ein Spiel der Miami Dolphins gegen die Green Bay Packers angeschaut, was ebenfalls ein Spektakel war… allerdings bei 30 Grad im Schatten und das ohne Schatten. Dem entsprechend sahen wir wie die letzten Rentner aus: Mützen, langärmlige Bekleidung und 5 Schichten Sonnencreme… mitten in Florida. Das Spiel haben die Packers dann 3 Sekunden vor Schluss gewonnen, was die Stimmung im Stadium trübte, mir allerdings sehr recht war. :) Die Stimmung war generell jetzt nich so stark, wie man das z.B. von der Eintracht kennt, aber um uns herum gab es einige Trashtalk-Spezialiste die für sich genommen schon den Eintritt wert waren. Wir konnten das Gelernte dann sehr gut auf unseren Segeltrip übertragen. Dazu aber später mehr.

Nachdem dann auch unser Skipper in Miami angekommen war, ging es in die BVIs (British Virgin Islands). Eigentlich ging es auf die Suche nach einem Geldautomaten, aber für die Geschichte haben wir hier keinen Platz. Im Flieger saß dann vor mir eine Norwegerin in den 20ern, rechts von mir (über den Gang) eine Norwegerin in den 20ern und rechts vor mir (über den Gang) eine Norwegerin in den 20ern. Alle blond, wobei eine davon eventuell gefärbtes Haar hatte. Der Hautfarbe nach zu urteilen war die Haarfarbe zumindest nicht ganz natürlich. Etwa zur Mitte des Fluges kam dann ein deutlich älterer und schon gut angetrunkener Mann vorbei - nennen wir ihn den Pimp - und sprach mit den Damen. Als er weg war tippte mich meine Vater an "den kenn' ich, der macht auch bei der Regatta mit". Ich tippte einen meiner Crewmitglieder an (wir saßen sehr zerstreut) und sagte "die Mädels sind bei der Regatta dabei" und sah den Rest des Fluges nur noch ein breites Grinsen. 
Super Wingman wie ich bin, habe ich für meine Crew auch noch den Erstkontakt hergestellt. Das ging ungefähr so: Nach der Landung meinte die Stewardess "happy birthday to Debby". Ich rief "Go Debby" woraufhin sich die Norwegerin vor mir umdrehte und fragte, was ich gesagt hätte. Englisch schien nicht ihre besondere Stärke gewesen zu sein, weshalb ich meinte "I said go Debby". Ihre Frage: "Are you Debby?" beantwortete ich mit "do I look like a Debby?" was mir ein "Forget what I said, I'm just lonely" einbrachte. Ich weiß, ich weiß… Wasser auf die Mühlen meiner Kritiker. Ich merke mir: bei Erstkontakt weniger Ironie, Sarkasmus und rethorische Fragen. Aber die Geschichte geht ja noch weiter. Eine der drei Norwegerinnen war übrigens diese hier: http://www.carinadahl.no
Das aber nur so nebenher. (Für alle die auf weitere Geschichten dazu hoffen: Sie war mit ihrem Freund dort. Dieser Geschichtsstrang endet also genau hier.)
Weiteres Highlight der Anreise war die Fahrt über eine der Inseln mit einem Amerikaner, der meinte, dass alle In der Familie außer ihm fett wären. Auf die Nachfrage, was bei ihm schief gegangen sei, meint er nur "you can not be fat when you're gay". Klare Ansage.
Lowlight war, dass gerade ein Tropensturm aufkam, weshalb unsere eigentliche Fähre nicht mehr fuhr und wir einen ziemlichen (und teuren) Umweg in Kauf nehmen mussten. Wir sind aber angekommen und der Sturm, der auf Antigua wohl auch für Tote gesorgt hat, ist nachts relativ geräuschlos an uns vorbei gezogen. Er hieß Gonzalo, was später noch relevant sein wird. 

Vielleicht sollten wir jetzt mal zum eigentlichen Thema kommen, der Regatta. Einen Konkurrenten kennt ihr ja jetzt schon. Den Pimp bzw. sein Team von Norwegerinnen. Um uns abzulenken, sind die auch immer im Bikini gesegelt und haben sich gesonnt, während wir quasi schon eine Burka trugen, um die Sonneneinstrahlung zu minimieren. Verkehrte Welt. 




Die weitere Konkurrenz bestand aus Chicadon a.k.a dem dreckigen Drecksack, Sören dem Favoriten, dem regelunkundigen Starboard, Schorsch dem Griechen, dem durchtriebenen Engländer und dem betrunkenen Finnen. Wobei letzteres eine Pleonasmus ist, da Finnen immer betrunken sind. Nachdem die Regatta schon vorbei war, lief er morgens über den Steg und erzählte stolz, dass er heute mal keinen Alkohol eingekauft hatte… hatte dabei aber schon ein Bier in der Hand. Man muss ihn einfach lieben… und das nicht nur, weil er am Ende der Regatta immer Finlandia-Flaschen an alle verschenkt.
Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass der Ausdruck Drecksack hier niemals negativ gemeint ist. Er wurde mehrfach für verschiedenen Konkurrenten genutzt - natürlich immer im sportlichen Sinne. In der anderen Klasse gab es auch Arschlöcher, aber das ist ein anderes Thema. 
Der Regttaverlauf an sich war sehr gut. Obwohl wir nicht gerade die Favoriten waren (nach der Führung in der Zwischenwertung wurden wir nach vorne gebeten, worauf an einem Tisch jemand ungläubig fragte "those guys?") haben wir einen souveränen Start-Ziel-Sieg hingelegt. Sofern der Minimalabstand auf den zweiten Platz als souverän bezeichnet werden kann (http://yachtscoring.com/event_results_cumulative.cfm?eID=605).



Aber egal wie, wir habe es tatsächlich geschafft. Und das obwohl
- ich in einem Rennen aus Versehen mal das Hauptsegel heruntergelassen habe
- unsere Kommunikation nicht wirklich klappte 
   - lass das Segel raus, nein nicht du… du
   - Gute Idee, das sollte wirklich mal einer machen... also wirklich, das sollte mal einer machen
- wir am letzten Tag nicht unser Frischwasser zur Gewichtsreduktion abgelassen haben
- und obwohl Turner Angst vor dem Segel hatte. 
Wobei Turner das mit dem Segel nicht hat auf sich sitzen lassen, nachdem selbst eine über 40jährige Dame mit der Hälfte von seinem Gewicht den Baum gehalten hat… hat er sich dann auch todesmutig ins Segel gestellt. Das aber erst am letzten Renntag, an dem alle Opfer bringen mussten. Marc hat sich z.B. auf den Hähnchengrill gesetzt und seine Beine 2 Stunden der Sonne ausgesetzt. Lucas hätte sich für diese Aufgabe die Beine mit Panzertape abgeklebt (wovon wir ihn abhalten konnten… die Beine waren nicht rasiert), Marc hingegen hat die Sonnencreme vergessen, wodurch es am Abend richtig knusprige Schenkel gab. Das alles für den legendärsten Zieleinlauf ever. Wir waren mehr als eine Stunde mit 2 anderen Booten auf ein und demselben Kurs und sind alle relativ gleichzeitig bei der Ziellinie angekommen. 
An dieser Stelle noch einmal Dank an das Kamerakind, was alles so gut dokumentiert hat. Wir haben auch Bilder von unseren Rammaktionen auf See. Wir dachten Starboard schreit seine Frau an, als er immer "Starboard" und "you gotta respond" rief. In Wirklichkeit hat er aber uns angeschrien, obwohl wir Vorfahrt hatten. Das führte dann zu unangenehmen Kontakt auf offener See. In einem anderen Rennen wurde er dann auch disqualifiziert, weil er die Vorfahrtsregeln wieder verbockt hatte. Daher auch sein Spitzname.

Von den Rennen gibt es sonst wenig Spannendes zu erzählen. Wenn man sich die Punkte anschaut, sieht man, dass wir am vorletzten Tag dachten, dass Ding in der Tasche zu haben. Leider hat die Rennleitung für den letzten Tag dann noch zwei Rennen angesetzt, wodurch es seeeehr knapp wurde. Im ersten Renne am zweiten Tag hatte wir das Segel falsch getrimmt, was punktemäßig zu einem Debakel führte… somit haben wir aber zumindest für Spannung gesorgt. So machen das gute Sieger. Wir hatten auch schon am Dritten Renntag (nach 5 Rennen) wie die Sieger gefeiert und es wäre äußerst peinlich geworden, nicht zu gewinnen, nachdem sich Sörens Crew schon vor uns verbeugt hatte. (Das sind die, die Zweite wurden.) 
Am letzten Abend vor Scham verstecken hätte auch wenig gebracht, da der Turner dafür gesorgt hatte, dass wir die mit Abstand auffälligste Crew waren. Wie das? Neben der Regatta gab es noch jeden Abend Mottoparties, zu denen sich alle verkleiden. Das sah bei uns etwa so aus:
Griechische Götter: Deutschlandtrikot (Götter in weiß)
80er Party: Deutschlandtrikot mit deutschen Blumenketten
Wikingerparty: Winkingerhelm in schwarz, rot, gold und Keulen in denselben Farben
Mardi Gras: Deutsche Blumenketten (auch wenn eine Amerikanerin meinte wir bräuchten Perlen, wenn wir Brüste sehen wollen)




Ich denke ihr habt eine grobe Idee, worauf alle Kostümideen basierten. Während der Regatte und den meisten Partys hatten wir dann auch noch deutsche Armbinden (liiiiiiinke Seite!!), wodurch immer relativ klar war, wer wir waren. Wir mussten dazu auch ein paar Kommentare einstecken. Nach 3 Tagen mit demselben Trikot wurden wir z.B. auf die Geruchsbelästigung hingewiesen… und dem ein oder anderen erschien es auch zu arrogant jeden Tag unsere Nationalfarben zu tragen… aber als Sieger kann man sich das mal rausnehmen. :) Wobei ich denke, dass meine Crew (ich nehme mich da raus) in Summe sehr gut ankam. Wir haben viele Leute kennen gelernt und auch Fans gewonnen. Zumindest eine Norwegerin ist am letzten Tag auch mit Deutschlandflagge im Gesicht gesegelt. Eventuell auch, weil sie an dem Morgen auf unserem Boot aufgewacht ist.
Ich glaube es war einer der besten Momente auf dem Boot, als mein Vater morgens meinte "Kein Wunder, dass ihr in den Kabinen schwitzt, wenn ihr die Tür nachts zu macht, da kann es ja keinen Luftzug geben" woraufhin einer unserer Crew meinte "ich glaube die geschlossene Tür hat einen anderen Grund. Wir sind zu sechst an Board". :) Ich zitiere meinen Vater mit "Ooooooooooh". 
Ich weiß nicht, wem von euch der Begriff "walk of shame" bekannt ist. Den hat man, wenn man in Miami mittags um 12 in Abendgaderobe und zerzausten Haaren durch die Hotellobby läuft und alle wissen, dass man wo anders übernachtet hat. Wir haben daher für die Regatta "Dinghy of shame" als Begriff eingeführt - it's a thing, patent pending - und man konnte jeden Morgen beobachten, wer von welchem Boot zu welchem gefahren wurde. 
Als ich dann die Norwegerin nach Hause brachte meinte sie nur "best dinghy of shame ever". Ich möchte betonen, dass ich nur der Dinghy Captain war. Daher habe auch nicht ich die High Five von ihrem Vater bekommen, als wir die Tochter morgens zurückbrachten sondern mein Crewmitglied. So cool möchte ich eines Tages auch als Vater sein. Ich habe nur blaue Flecken von ihm bekommen, was aber wieder eine andere Geschichte ist. 
Königin des Dinghy of shames war allerdings eine Amerikanerin mit dem Deckamen "die Wikingern". 1.90 groß, Kreuz wie ein Möbelpacker, das Gesicht kantig wie ein Quadrat und gemachte Brüste. Damit war sie eine gemachte Frau. Zumindest seit dem Tag, an dem sie oben ohne tanzend auf dem Katamaran durch alle ankernden Boote gefahren ist. Seitdem habe ich sie jeden morgen gesehen, wie sie nach Hause gebracht wurde. Bis auf die Brüste stelle ich mir Brunhilde aus dem Nibelungenlied genau so vor.
Ihre Popularität mag auch darauf beruht haben, dass sie ein Fan von Frank's Friday war. Man könnte auch sagen "zeig mir deins und ich zeig dir meins". Damit hat sie Teile meiner Crew nachhaltig verstört. Die hatten mit viel gerechnet, aber nicht damit. Es gab auch durchaus Frauen, die verwundert waren, wie mich mein Vater zu so etwas mitnehmen kann. Die wissen halt nicht, wie cool mein Vater ist. 

Kommen wir aber wieder zu den Norwegerinnen. Es bleib ja die Frage, wieso eine bei uns übernachtet hat. Es begann alles mit Mardi Gras…
Lucas, das alte Wingmangeschwader, hat seine Deutschlandketten unbewacht am Tisch liegen lassen. Ich wiederhole noch einmal: Bei einer Mardi Gras Party hat er seine Ketten unbewacht liegen lassen. Darauf hin waren sie - spoiler alert - weg. Kurz danach hatte aber ein großer Teil der norwegischen Crew Deutschlandketten um den Hals… so hatte Lucas das sicher geplant. Danach kam dann diejenige, mit der ich mich "über Debby" unterhalte habe, vorbei, wir diskutierten das aus… sie lernte den Rest der Crew kennen und es wurde ein guter Urlaub. :) Ich habe mich hingegen einer psychisch etwas labilen Californierin angenommen. Turner gab ihr den Spitznamen Gonzalo; vorher riesigen Wind machen und dann doch weit vorbei ziehen. Ich denke, dass es das gut zusammen fasst. Ich kann aber somit wie fast alle anderen behaupten, dass ich ganz brav war. Ich habe nachts nur Frauen durch die Gegend gefahren, die so betrunken waren, dass sie von ihrer Crew zurückgelassen wurden und nicht mal wussten wo ihr Boot ankert. Und ich habe auf Wunsch bei jeder Mottoparty einen Teil meines Kostüms verschenkt. Und was ist der Dank dafür? Zitat: "Ich habe noch nie eine so durchgeschwitzte Augenklappe bekommen". Ich hatte sie weder angeboten, noch halte ich es für ungewöhnlich, dass nach 3 Stunden "Pirates party harrrrrd" bei weit über 20 Grad die Augenklappe auf meinem Kopf etwas verschwitzt war. Immerhin meinte aber genau dieses Mädel, dass Turner und ich ihr "dream come true" seien, was das Tanzen angeht. Sie hätte keine bessere Party als diese gehabt. Eigenlob stinkt zwar… aber ich hatte noch eine kaputten Zeh, ansonsten hätte wir ja mal richtig losgelegt. :)
Den kaputten Zeh habe ich mir bei meiner Lieblingsparty (tacky tourist) geholt, als ich von dem Pool auf die Tanzfläche stürmen wollte, weil DMX lief. Dabei habe ich die Steintreppe voll mitgenommen, was mein Zeh nicht so cool fand. Der ein oder andere munkelt, dass Alkohol im Spiel war. Da aber sonst niemand in dem Augenblick anwesend war, kann es nicht bewiesen werden. Dass ich mein "University of La Paz Lapa Drinking Team" Shirt anhatte, ist allenfalls ein Indiz. Auf der Party soll sich übrigens auch der Sohn von Richard Branson rumgetrieben haben, dem die Nachbarinsel gehörte. Er sah Sam Branson sehr ähnlich, aber das nur als Randnotiz. 

Was Frauen angeht könnte ich noch Geschichten erzählen
- von Chelsea, die Dublin genannt wurde, 
- von Halbjapanerinnen, die am nächsten Tag nicht mehr wussten, dass sie am Tag davor ihre ganze Lebensgeschichte erzählt haben und total froh waren, dass jemand die japanischen Wurzeln erkennt (eigentlich nur erinnert)
- von Frauen die bei Kontakt mir einer Matratze sofort einschlafen
- von Amerikanerinnen die alle Deutschen lieben
- von Mädels die sich sicher sind, dass ihr Boot nur mit einem Boot flosst (zusammen ankert) obwohl es mit einem Boot und einem Katamaran geflosst hat (dadurch etwas schwerer zu finden im Dunkeln und ohne Taschenlampe)
- von Frauen die nach dem Dinghy of shame den Kerl erst mal den Eltern vorstellen
- von Frauen die noch schlechter Karaoke singen als ich, dabei aber 30 Minuten neben dem DJ stehen bleiben... nachdem er das Mikrofon schon ausgestellt hat
usw…. aber das hätte ja alles nichts mit diesem Urlaub zu tun

Vielleicht sollte ich was zu Ingenieuren auf See sagen. Wir haben es geschafft, dass wir jeden Abend die Techniker rufen mussten, weil irgendetwas nicht ging, was wir nicht reparieren konnten. Mit Marcs Worten waren wir die schlechteste Crew, von der sie je gehört hatten... aber sie hatten von uns gehört! Als Ingenieure konnten wir auch nicht ahnen, dass es beim Segeln windig werden kann, weshalb eine Kappe verloren ging. Na gut... eigentlich hat sie unser Steuerberater verloren. Der hatte nicht damit gerechnet. (Wortwitz!) Er hat aber auch nichts daraus gelernt, sonder gleich noch eine zweite verloren. Außerdem haben wir noch zwei Taschenlampen verloren und einen Dinghymotor. 
Genau genommen habe ich den Dinghymotor mit meiner unglaublichen Kraft zerstört, weil ich beim Anlassen die Leine vom Anlasser zerrissen haben. Hulkmode. Meine Strafe dafür war, dass ich 30 Minuten mit nur einem Paddel durch die Bucht zu meinem Schiff zurückpaddeln musste... in der brennenden Sonnen und ohne Sonnenschutz. Wie gefährlich so ein Dinghy sein kann musste auch Lucas feststellen, als er sich zwei blaue Flecken holte. Glaubt mir... es ist schwer, ein schwankendes Boot zu betreten, wenn man schon an Land wankt. 
Aber zum Glück gibt es überall in den BVI Painkiller; der offizielle Cocktail der Inselgruppe. Er schmeckt sehr gut, klebt aber leider etwas an den Füßen, wenn man ihn drüber kippt. Woher ich das weiß? Wir haben es getestet. 

Zum Schluss dann vielleicht noch ein paar Worte zur Siegerehrung. Wir hatten uns jede Menge Gemeinheiten ausgedacht, um unseren Sieg zu feiern. Wir hätten uns z.B. inspiriert vom Football vorne hinstellen und schreien können: "Who passend us? Who passed us? NOBODY!" Das haben wir an Board sehr gerne gemacht. Oder wir hätten noch an der Ökochallenge teilnehmen können, um dann zu sagen, dass wir alleine mit unseren Proseccoflaschen für die Siege mehr Glas recycelt haben, als alle anderen. Aber wir haben uns dann aus naheliegenden Gründen dagegen entschieden. Bestraft wurde ich trotzdem. Es ist Tradition, dass der Skipper des Siegerteams im Pool landet. Daher hat mir mein Vater sein iPhone gegeben. Als ich ihm aus dem Pool helfen wollte, kam dann aber jemand auf die Idee mich auch rein zu schmeißen... mit beiden iPhones in der Tasche. Die wollen nun beide nicht mehr gehen.




An dem Abend haben wir dann auch noch den norwegischen Skipper/Pimp in den Pool geschmissen. Dafür brauchten wir 5 Mann... und er hat sich mit einer Pranke so an meinem Arm festgehalten, dass ich davon tatsächlich blaue Flecken bekommen habe. Gewaltige Kräfte die da am Werk waren.
Das uns aber nicht wirklich böse war merkte man am nächsten Tag, an dem uns die Norweger ihren "Restalkohol" übergaben, weil wir einen Tag länger geblieben sind. Alleine von diesem Restalkohol hätte man eine ganze Bar ausstatten können. Flasche Gin, Flasche Rum und noch 2-3 Flaschen Vodka. Dazu dann noch mehrere Softdrinks zum Mischen. Für den Apfelsaft wurde uns Whisky empfohlen, worauf Marc fragte, wo denn der Whisky sei... daraufhin hatten wir auch noch eine Flasche Whisky. 

Ansonsten bleibt noch zu erzählen, dass ich auf der Siegesfeier eingeschlafen bin und Turner "Kekschallenge" rief, um mich danach mit einem Keks zu bewerfen... was nicht viel brachte. Mein Vater schlug dann eine Bierdosenchallenge vor. Tough love. Außerdem haben wir jemanden getroffen, der seit Jaaaahren Hawaiihemden sammelt. Er hat schon 4! Und Marc musste noch feststellen, dass, wenn man einen kleinen Kaffee bei Starbucks will, man nicht die Größen "grande" und "tall" ablehnen sollte. "Venti" mag klein klingen, ist es aber nicht. 

Nach der Regatta sind wir dann noch mal nach Florida geflogen, um mit zwei Camaro Cabrios die Everglades und Cape Canaveral zu erkunden. Geile Karren. 
Das Casio im Indianerressort in den Everglades war hingegen richtig schlecht. Nur Slotmachines... kein Blackjack und kein Roulette. Daher haben wir im Casino-Hotel nur Airhockey gespielt. 
Mit dem Lucas haben ich dann noch ein paar Tage gesurft, einen Raketenstart gesehen und die Universal Studios in Orlando besucht. 

Damit bleibt nur noch die Frage, was ich getrunken habe, nachdem es keine Painkiller mehr gab. Natürlich Cuba Libre. Problem ist nur, dass der in Florida wohl nicht sehr bekannt ist. Ich ernte zumindest viele fragenden Blicke. Und Jewels (nein, kein Stripclub, normale Bar) fragte mich, ob ich Rum and Coke meine. Ich also "Rum and Coke and a hint of lime". Den Rest des Abends musste ich mir Witze gefallen lassen, dass Cuba Libre ein sehr außergewöhnlicher Name für Rum und Cola sei... und natürlich hat sie die Limette vergessen. Das passt irgendwie auch in den neuen Blog.

Damit habe ich einen großen Teil meiner Liste abgehakt. Ansonsten wollte ich noch schreiben,
- dass wir zwei Bars leergesoffen haben (genau genommen haben wir ein Getränk so lange bestellt, bis es nicht mehr vorrätig war)
- dass mein Vater meinte "von 100 Dollar kann man die Woche gut Leben, von 150 wie ein König"... und wir 200 ausgegeben haben. Obwohl es nur Sandwiches gab. Wo das Geld bloß hin(geflossen) ist?
- dass wir ein einziges Mal im Dinghy am Strand anlanden wollten und ein einziges mal komplett durchnässt zur Party erschienen sind
- dass Norweger (die Arschlochcrew) unser Dinghy klauen wollten. Ihre Begründung: "Unseres wurde geklaut"
- dass "but first let's take a selfie" wohl der meistgebrauchte Satz der Reise war (öfters als Prost, Cheers, Skol...)
- ich eimal angeblich und einmal wirklich über eine Boje gefahren bin... nachts ist es halt dunkler als draußen
- dass DIE 50er KOMMEN. Jetzt im ernst. Schaut einer? Die 50er kommen. Wir sollten etwas machen! (Insider... die 50er sind eine andere Rennklasse gewesen.)

Donnerstag, 5. Juni 2014

Freiheit!

"Werd ich zum Arbeitsplatze sagen 
verweile doch du bist so schön, 
dann magst du mich in Fesseln schlagen, 
dann will ich gern zu Grunde gehen"

                       Das Känguru in der Känguru Offenbarung

Ich habe seit meiner ersten Studienarbeit keinen Text mehr mit einem Zitat begonnen, aber nun schien es mir mal wieder angebracht. Auf den ersten Blick hat dieses Zitat zwar wenig mit dem Titel des Posts zu tun, aber es passt perfekt. Nach genau zwei Jahren als Assi vom Dienst bin ich seit dem 01.06.2014 meinen Arbeitsplatz los... ich bin wieder frei! 
Wenn sich wer fragt, ob ich über den Verlust dieses Arbeitsplatzes traurig bin, so möchte ich noch einmal auf das Eingangszitat verweisen. Für den Titel habe ich dann aber doch auf ein Lied von Marius Müller-Westernhagen zurückgegriffen, obwohl das nicht mal mein inoffiziell offizielles Abschiedslied für Lohr ist. "Ascheregen" hätte dann aber doch ein wenig negativ für einen so fröhlichen Post geklungen. Hier also der Link zum inoffiziell offiziellen Abschiedslied für Lohr: Link.

Nun ist es sicher nicht fair, Lohr vorzuwerfen, dass ich nicht willkommen gewesen sei. Ich bin einfach nur nie in der "Stadt" angekommen. Dabei waren die letzten Wochen noch mal wirklich schön. Ich glaube ich habe noch nie so viel in Lohr und Umgebung unternommen wie seit dem Zeitpunkt, seit dem ich wusste, dass ich wegkomme. Die menschliche Psyche... ich schiebe es mal auf die Leute, mit denen ich die letzten Wochen verbracht habe und sage noch mal herzlichen Dank. Ich hoffe jeder weiß, ob er sich davon angesprochen fühlen muss. (Und ich hoffe das Foto ist unscharf genug, dass niemand der Vertretenen erkannt wird. Das Gibson ist am Sonntagmorgen aber auch wirklich leer.) 



Wie feiert man nun also den Abschied aus Lohr? Ich dachte an schöne Frauen und günstigen Alkohol... also ab nach Oslo! Die Frauen sind natürlich nicht so schön, aber der Alkohol dafür sehr günstig...

Im Ernst: Ich habe das verlängerte Wochenende in Oslo verbracht und *schleim* die schönen Frauen mitgebracht bzw. schon gekannt. Alkohol habe ich auch noch mitgenommen, im Prinzip hätte ich Oslo also gar nicht mehr gebraucht.
Zum Glück hat die Stadt aber auch ein wenig mehr zu bieten, als das. Wir hatten 4 Tage perfektes Wetter - bzw. ich nur 3 Tage aber dazu später mehr - und haben daher die meisten Zeit im Freien verbracht, vor allem in der Paradise Cove. Der Pole (wie immer gilt keine Namen) bezeichnete Paradise Cove als "almost a beach". Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es wirklich ein - wenn auch etwas grober - Sandstrand war. Idyllisch gelegen direkt am Fjord von Oslo mit Blick auf die Unternehmenszentrale von Statoil und die wunderschöne Natur.
Draußen brannte die Sonne so sehr, dass ich mir sogar einen Sonnenbrand geholt habe. Da kam das Wasser als Abkühlung gerade recht. Es war zwar zugegebener Maßen etwa 3cm kalt, aber wenn man es mal rein geschafft hat, war es wunderbar... bis zu dem Punkt, an dem man das Gefühl in den Füßen verloren hat. Vielleicht war es doch kein Sonnen- sondern eher Gefrierbrand, den ich bekommen habe?


Was den Strand aber noch perfekter gemacht hat, ist, dass es in Norwegen anscheinend nur eine Sache gibt, die billig ist: Einweggrills. Die sind dort tatsächlich günstiger als bei uns. Könnt ihr euch das Bild vorstellen: "Sandstrand", Abendsonne, Blick auf den Fjord und eine Grillwurst in der Hand. Ein Traum... und das ganz ohne Alkohol. Ein Cuba Libre in der anderen Hand hätte das Bild vervollständigt aber für die Zukunft dann auch unerreichbar gemacht. War also gut so. Ich erspare euch jetzt das Foto von mir mit dem Einweggrill... es lesen auch Kinder mit.

Wo ich aber schon bei Preisen war. Meine Gastgeberin hat für die 4 (oder für mich 3) Tage ein Tabuwort ausgerufen: "Teuer". Für jede Nennung des Wortes musste man einen Euro Zahlen. Das Spiel habe ich mal locker flockig mit 5 Euro Vorsprung gewonnen. Wer am meisten zahlt hat doch gewonnen, oder? Es war aber auch hart, weil man selbst dann zahlen musste, wenn man gesagt hat "ist gar nicht teuer"... oder wenn man dann gefragt hat "habe ich gerade teuer gesagt?".

Wobei der Urlaub an sich war gar nicht teuer. Essen vom Einweggrill, Wasser aus der Leitung und geschlafen auf einer deflatable Luftmatratze. Also man konnte sie auch aufblasen, aber sie lies die Luft dann von selbst wieder ab. Ich bin morgens immer wach geworden, wenn mein Steiß den Boden erreicht hatte. Der Blick aus der Wohnung über die Dächer von Oslo hat dann aber jeden Morgen für alles entschädigt.


Das sonstige Rahmenprogramm umfasste Fußmärsche durch die Stadt (ich wollte ja den Touribus... aber nein...), mexikanisches Essen, Dösen am Pier und die Oper. Als halber Techniker musste ich mich natürlich davon überzeugen, ob die Rexroth-Bühnentechnik dort gut funktioniert. Ich weiß es jetzt aber immer noch nicht, weil sie für den fliegenden Holländer eigentlich nur den Vorhang und eine rotierende Scheibe benutzt haben. Aber die liefen super!
Ich hatte ja gehofft, dass sie die Bühne schräg stellen, damit Senta von den Klippen springen kann, aber die Norweger machen das etwas profaner... da erschießt sie sich einfach. Opernkenner wissen was ich meine... ich weiß eigentlich selbst nicht wovon ich rede... aber ich weiß jetzt immerhin, dass ich selbst Opern, die auf Deutsch gesungen werde, nicht zwingend verstehe. Also ich meine vom Text, inhaltlich ist so eine Oper ja sehr überschaubar.

Bleibt die Frage, warum ich einen Tag weniger hatte, als die anderen? Das lag daran, dass ich am letzten Tag nicht einmal wach wurde, als mein Steiß den Boden erreichte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal bis 14:00 Uhr geschlafen haben? Und selbst dann konnte ich den Tag nicht mit dem Rest genießen, da mir irgendwie nicht nach essen war... oder trinken... oder aufstehen. Ich habe es am Abend davor tatsächlich geschafft, von einem skandinavischen (!!!) Club abgewiesen worden zu sein, weil ich zu... sage wir mal "fröhlich"... wirkte. Ich war natürlich überhaupt nicht "fröhlich". Das ist mir auch noch nicht passiert und ist definitiv keine gute Entwicklung. Aber wie sagte schon mein Pechkeks: Es kann leider auch vorwärts abwärts gehen!


Zum Schluss bleibt damit noch die Frage, ob ich den Blog jetzt schließen muss, weil ich kein Assistent mehr bin? So lange ich Assi bleibe, lasse ich den Blog mal bestehen. ;)

Samstag, 22. Februar 2014

Atemlos

Also was mich vor allem atemlos macht ist, dass es wirklich Menschen gibt, die auf die Musik von Helene Fischer stehen, aber dazu später mehr. 

Eigentlich hätte ich ja über den Kurzurlaub in San Sebastian schreiben müssen, aber ich bin irgendwie nicht dazu gekommen. Daher die Kurzfassung: San Sebastian war wie immer super. Ich würde ja schreiben, wem ich die tolle Zeit dort zu verdanken habe, aber ich soll ja keine Namen mehr nennen... 

Kommen wir also zum aktuellen Thema des Blogeintrags: Skiurlaub. Ich war mit 11 anderen Rexroth-Trainees bzw. Ex-Trainees im Montafon. Da das Montafon auch am/im Vorarlberg liegt, dachte ich, dass nicht viel schief gehen kann. Es liegt quasi eine Autobahnausfahrt vor St. Anton; aber um es mit den Worten meines Vaters zu sagen: Montafon ist so, als ob man zum Arlberg wollte und einmal falsch abgebogen ist. Es liegen Welten zwischen diesen Ausfahrten.
In seiner Eigenwerbung nennt es sich das sportlichste Skigebiet (am Vorarlberg), sagt aber nicht wieso. Ich glaube, dass das typische Maklersprache ist. Da heißt "gemütliche Wohnung" ja auch nur, dass sie klein, dunkle und baufällig ist. Sportlich heißt im Montafon, dass man viel Sitzmuskulatur für die veralteten Lifte braucht und dass man sich abends super regenerieren kann, weil es kaum Apres-Ski gibt. Ich schäme mich, das als Österreicher zu sagen, aber was Apres-Ski anging, herrschten fast französische Verhältnisse. Ja, ich habe französische Verhältnisse geschrieben... und das obwohl man fast bis nach St. Anton laufen kann.

Aber alles kein Problem, wir waren ja zu 12t. Hier möchte ich erst einmal dem Personalauswahlverfahren von Rexroth ein riesen Kompliment machen. Es scheint sehr homogene Gruppen von Menschen zu bevorzugen, die Qualitäten haben, die man im Job wirklich nicht braucht. Ich glaube kein anderes Auswahlprogramm sorgt für eine so homogene Verteilung der Skikünste, dass 12 Personen so gut zusammen fahren können. Dabei muss noch angemerkt werden, dass wir uns dem Durchschnitt sicher nicht von unten genähert haben. Natürlich hat man auch immer Ausreißer, in unserem Fall jemanden, der in der Jugend noch für seine quasi österreichische Nationalmannschaft (wir werden Südtirol nie verloren geben) gefahren ist und einen Franken, der dem Namen "Fränkische Schweiz" alle Ehre macht... aber wenn wir Stil, Geschwindigkeit und Kontrolle mal als Kriterien rauslassen, waren die auch nicht so viel besser. Ich meine, wer von uns fährt nicht nachmittags eine zerfahrene schwarze Piste quasi Vollgas mit engen regelmäßigen Schwüngen runter? Eben!
Und außerdem hat unser Profi auch einen Snowboarder über den Haufen gefahren. Das macht ihn aber eigentlich auch nur noch sympathischer. Man erkennt den Profi auch daran, wie er mit den Skiern unter dem Boarder einhakt, die Bindung löst, quasi einen Salto über den Boarder drüber macht und - jetzt kommt es - unverletzt landet. Hätte er das Ding noch gestanden, ich hätte applaudiert. 


Es gibt aber wohl auch sonst kein Auswahlprogramm auf der Welt, beim dem 12 angehende Führungskräfte ausgewählt werden, die probieren, jede Wegentscheidung erneut demokratisch abzustimmen. Kaum waren 7 Optionen auf dem Tisch, merkte noch jemand an, dass es ja auch Option 8 gibt, er/sie das nun aber nicht entscheiden will. Am Ende entschied also der, der als erstes losfuhr. Und 11 Führungskräfte folgten willig. 

Unhomogen wurde die Gruppe erst beim "Apres-Ski". Ein Streitpunkt war sicher eben jene Helene Fischer. Ich hoffe inständig, dass die Kerle nur wegen des Aussehens auf sie stehen, aber diese Musik (und dieses miese Playback bei Youtube) kann einem doch nicht wirklich gefallen, oder? Wobei auch bei Youtube der ein oder andere Kommentar lautet "betrunken geht das ja ganz gut durch". Ins Montafon hat diese Musik allerdings prima gepasst, weil Apres-Ski eine durchgängige Ü40-Veranstaltung war. Also nicht die coole Art von Ü27-Party, wo sich alles zwischen 20 und 30 rumtreibt, das sein eigenes Geld verdient und Spaß haben will, sondern eine echte Ü40-Party... ich würde jetzt gerne "SCHERZ" schreiben, aber es wäre falsch. Naja.... vielleicht übertreibe ich ein ganz kleines bisschen.

Kurzer Einschub zum Thema "SCHERZ". Da meine feine Ironie und mein minimal vorhandener Sarkasmus nicht immer einwandfrei zu erkennen waren, wurde ich gebeten, nach nicht ernst gemeinten Anmerkungen doch noch kurz "SCHERZ" zu sagen, um das klar herauszustellen. Da mich das überfordert hat, hat jemand anderes diese Aufgabe für mich übernommen. Auch bei Sätzen von mir wie "ich helfe doch gern". Ich glaube die Person hat das System nicht verstanden... "SCHERZ".

Zurück zur Ü40-Party. So eine Veranstaltung hat ja nicht nur Nachteile. Ab einem gewissen Alkoholpegel wird aus der Apres-Ski-Party ja auch schnell eine Partnertausch-Party, bei der alles, was nicht bei drei unterm Tisch ist von den Disco-Fox begeisterten Herren über die Tanzfläche geschoben wird. Das wirkt sogar in Skistiefeln noch elegant... oder so. Der Punkt ist; man kommt leicht in Kontakt. So wurde sogar ich von einer Frau angesprochen (Skihase wäre hier der falsche Ausdruck), die, nachdem klar war, dass wir im selben Skigebiet gefahren sind, mich gefragt hat, wie denn das Wetter bei mir war. Mir wird ja nachgesagt, dass man in meinem Gesicht sehr gut ablesen kann, was ich von Menschen denke... mein Blick führte auf jeden Fall dazu, dass das Gespräch beendet war. Damit sind wir auch schon wieder bei dem Punkt, warum ich im Club niemanden anspreche... ich weiß nicht, wie die Leute da zu einem gescheiten Gespräch kommen.

Da bedarf es wohl der starken körperlichen Präsenz, die auch der ein oder anderer aus unserer Gruppe ausübte und eines Wingmans wie... ok, keine Namen. Aber wie der am Valentinstag im "Club" die Rose von dem einen Tisch geklaut hat, um sie hinterm Rücken dem Kollegen zu reichen, der gerade viel körperliche Präsenz an einer Dame zeigte... Wahnsinn. Der war nicht nur ein Wingman, sondern ein ganzes Geschwader. Ich soll mich laut Erzählungen an dem Abend in diesen Wingman verliebt haben, was ich so allerdings nicht bestätigen kann. Auch wenn an der Aussage, dass es wahre Liebe nur unter Männer gibt, natürlich etwas ran ist. Hier wäre es jetzt mal angebracht "SCHERZ" zu sagen.

Diejenigen, die in unserem Alter unterwegs waren, waren eher so der Typ Schalke-Fan. Das ist hier ganz wort-wörtlich gemeint. Zum Glück wirkten unsere Borussen-Fans aber stark de-eskalierend, als sie ihnen hinterherschrieen, dass sie sich gerne morgen auf dem Fußballplatz treffen könnten, um das zu klären. Einer von uns, der fußballerisch eher neutral einzuordnen war, merkte aber die greifbare Spannung und versuchte die Situation zu beruhigen, indem er zu dem einen Schalke-Fan meinte "deine Mutter braucht mal einen großen Service". Auch hier kann ich nur sagen, dass das Rexroth-Auswahlverfahren noch nie versagt hat, wenn es um menschliche Größe geht.

Lag es am Alkohol? Ich denke der Großteil der Mannschaft hat den Alkoholismus als unvermeidbaren Kollateralschaden des Skifahren akzeptiert. Ich würde auch von mir behaupten, dass ich nicht ins Glas spucke... aber wenn manch einer von uns abends in die Wohnung kam und ausgeatmet hat, dann war die Bude desinfiziert. Also im positiven Sinne. (Den Spruch habe ich zugegebener Maßen aus einer Büttenrede geklaut und wollte den unbedingt nutzen.)

Wenn wir schon bei der Wohnung sind... der Hammer! Eigentlich müsste man sagen Chalet. Ich habe leider keine Bilder, aber das Ding war nagelneu, geräumig, schon ausgebaut und bullenwarm. Es war auch sehr zentral gelegen; genau zwischen den beiden Talstationen. Kein Scherz, so schreiben die das auch auf ihrer Website.

Man musste als ständig Bus fahren, sogar noch nach dem Apres-Ski, wenn denn dann noch ein Bus kam. Die sollte zwar bis 4 Uhr morgens fahren, aber immer wenn ich gerade gewartet habe, kam keiner. Es lebe das Taxi. Generell können die verkehrstechnisch da noch einiges lernen, zum Beispiel, dass man die besten Aperes-Ski Plätze an die Talstation baut und nicht die Leute zwingt, noch einmal in Skistiefeln durch das halbe Dorf zu laufen. Ok, es war halt das sportlichste Skigebiet.

Ich könnte jetzt noch viel vom Nacktrodeln (habe ich mich da verschrieben?) erzählen, vom Schneebeben, das eher eine Schneewehen war, vom sürßan Bregenzer Wald, Schirmbars in Asphaltwüsten, Lumumbas, bei denen das Verhältnis von Stroh 80 zu Kakao vertauscht wurde, ramponierten Badezimmertüren (drehen, nicht drücken), Radio im Badezimmer, Schnaps im Vogelhaus, Purzelbäumen im Tiefschnee, Pistenschildern mitten auf der Piste (also die Sicht war echt mies), verlorengeglaubten Schlüsseln, Mitternachtchilliesnacks (buaaaaah), der Suche nach Wlan und vielem mehr... aber ich bin ja "kein Dummer nedd".

Samstag, 2. November 2013

Heute fährt die 18 bis nach Istanbul

Laut meinen Xing Profil sind Reisen und Geschichte zwei meiner "Interessen". Da habe ich mir gedacht, dass es doch mal wieder Zeit wäre, die beiden zu vereinen. Und welches bessere Ziel kann es da geben, als die Hauptstadt des Osmanischen Reiches VOR der Eroberung Konstantinopels? (Hihihi, da steckt Opel drin.) Der geneigte Leser weiß sofort; es geht um Bursa. Klingt komisch, ist aber so.

2 Millionen Menschen, gelegen zwischen Gebirge und dem Meer, Hauptstadt eines der größten Reiche, die es jemals gab… das klingt schon spannend. Ist es aber leider nicht. Ansonsten hätte Bosch dort ja auch nie ein Werk hingestellt. Ach was sage ich, es sind wohl 4 an der Zahl. Ich hätte gewarnt sein müssen, als eine Kollegin meinte, dass ihr Highlight in Bursa das Frühstück unterm Baum war.
Ganz so hart möchte ich da nicht sein. Es gibt auch eine Moschee, die 12 Kuppeln hat, weil der Sultan Gott (wir haben ja alle den gleichen, nur etwas andere Auffassungen, wer zuletzt in seinem Namen gesprochen hat) 12 Moscheen im Falle eines Sieges versprochen hatte, dann aber nur Geld für eine hatten. Trickreich die Osmanen. Dann gibt es eine Moschee, wo einer eine Plantane gepflanzt hat, der auf einem Hirsch in die Schlacht geritten ist… und dann gab es noch 10000000 andere Moscheen. Vielleicht habe ich jetzt auch die ein oder andere vergessen. Kein Sultanspalast, kein Harem, keine Lustgärten… einfach nichts. Und die Bergbahn auf den höchsten Berg war geschlossen, weil wohl ein Kind dort gestorben ist. Wie kann man bei einer Gondelfahrt sterben? Das Highlight meiner Begleiterin auf der Stadttour war in Folge dessen ein Schaf, das am Baum angebunden im Stadtpark gegrast hat. Ich denke das beschreibt den touristischen Wert der Stadt sehr gut.
Das Frühstück unterm Baum war hingegen wirklich klasse!



Das sieht jetzt zwar eher nach Mittagessen aus, aber es hat hervorragend geschmeckt und war dafür noch echt günstig. Das besondere an dem Ort ist, dass man unter einem Baum sitzt, der 920 Meter Umfang haben soll. Ich habe jetzt nicht nachgemessen, aber er war auf jeden Fall riesig und hat jede Menge Schatten gespendet. Im Sommer ist das sicher prima, im Herbst hätte es hingegen auch gerne etwas Sonne sein dürfen.
Wie auch immer, essentechnisch ist die Türkei schon mal ein prima Land. Trinktechnisch wird es da schon etwas schwieriger. Nicht, dass man keinen Alkohol bekommt, nur halt nicht überall. Vor allem nicht in Clubs, was aber daran liegt, dass es in Bursa gar keine gibt. Das macht die Abendplanung auf jeden Fall etwas einfacher. So kann man gleich in der Ausländersiedlung bleiben, die aber wirklich alles bietet, was man so braucht. Ein 50 Meter Pool in der Mitte und da das nicht reicht auch gleich noch einen 25 Meter Pool am Rand. Leider nicht geheizt, weswegen das Bad bei 20 Grad Außentemperatur doch sehr, sehr kurz wurde. Wieso macht man das überhaupt? Um nicht als Weichei zu gelten! Vielleicht werde ich mit 30 dann ja ein bisschen reifer.

Womit wir schon beim Kern der Reise sind. Es ging nicht um Bursa, sondern darum mit guten Freunden, die zum Teil nicht mehr im Block erwähnt werden wollen (Spaaaaaß, jeder freut sich), eine gute Zeit zu haben. Das hat auf jeden Fall geklappt. Verglichen mit so manch anderem Bosch/Rexroth Standort ist Bursa auch wirklich attraktiv… wenn die nur ein bisschen Englisch verstehen würden. Ich glaube ich habe mich sprachlich noch nie so verloren gefühlt. Zum Glück hatte ich eine Synchronübersetzerin dabei, die mit in Summe vielleicht 5 Worten Türkisch zumindest alles hinbekommen hat.

Kommen wir aber zurück zur Linie 18. Da wir die Clubszene von Bursa ja in einer Nacht durch hatten, waren wir das Wochenende in Istanbul. Ich weiß nicht, wie toll die Stadt vor Erdogan war, aber sie hat mich auch so schon sehr gut gefallen. Gut, die Anzahl seiner Bilder erinnert schon ein bisschen an eine Diktatur, aber es sind auch nicht mehr Bilder, als von Seehofer in Bayern hängen.
Die Hagia Sophia war ein Traum, das Wetter fabelhaft, das Essen sehr lecker und die Nacht sehr lang. Die machen dort noch um 3 Uhr morgens Livemusik im offenen Kaffee in einer Lautstärke, dass man eigentlich Oropax bräuchte. Respekt!
Ich würde ja gerne, aber ich kann eigentlich nichts Schlechtes erzählen. Ok, im Bad hing noch die Boxershorts vom Vorgänger und das Bett stand so vor dem Schrank, dass man ihn nicht aufmachen konnte… aber wen interessiert's? Würde ich den Macho raushängen lassen wollen, würde ich natürlich noch anmerken, dass es toll ist, dass die Frauen in der Türkei kaum was zu sagen haben… das hat aber eigentlich nur Nachteile, da alle automatisch erwarten, dass der Mann zahlt… und das ist bei 4 Frauen doch relativ teuer. Außerdem wäre ich ohne die Damen zugegebener Maßen relativ aufgeschmissen gewesen.
Wo wir gerade bei Frauen und Bezahlen sind. Ich habe mir an Halloween eine Currywurst gekauft und ein paar Mädels haben sich überlegt statt "trick or treat" einfach "Worscht oder Pommes" zu sagen. Und wisst ihr was? Sie haben zwei Portionen Pommes geschenkt  bekommen, während ich dafür zahlen musste. Soweit ok, aber dass sie dann auch noch vor mir bedient wurden, obwohl sie danach kommen, fand ich dann etwas zu viel des Guten. Ich sage es ja immer… im meinem nächsten Leben werde ich eine gut aussehende Frau!

Kommen wir zurück zur Geschichte. Wusstet ihr, dass Konstantinopel verloren wurde, weil der Schutzengel einfach 5 Tage vorher seinen Platz in der Hagia Sofia verlassen hat? Unverschämt, oder? An der selben Stelle hat dann der Sultan seinen Daumen in eine Loch gesteckt und damit die Kirche neu ausgerichtet, so dass sie nun nach Mekka zeigt. Krasser Typ der Sultan. Hat aber nicht gereicht... sie mussten den Altarraum dann doch etwas umbauen, damit dieses zentrale Ding (keine Ahnung wie es heißt) nach Mekka zeigt. Sie jetzt etwas unsymmetrisch aus. Trotzdem stehen da jetzt jeden Tag Touristen und stecken ihren Daumen in das Loch, um sich etwas zu wünschen. Ich habe das lieber gelassen, da es sicher komisch gekommen wäre, wenn ich laut "72 Jungfrauen im Paradies" als Wunsch gerufen hätte. Ich glaube, da verstehen die keinen Spaß.
Das Foto ist übrigens die blaue Moschee, die direkt neben der Hagia Sofia liegt.



Was gibt es noch zu erzählen? Auf dem Rückflug waren wir zu dritt und ich dachte erst, dass wir die schlechteste Check-In-Schalter-Bedienung aller Zeiten hatten, da sie etwa 15 Minuten für die Aufgabe gebraucht hat. Sie kam wohl nicht damit klar, dass sie die Meilen noch gutschreiben sollte, wollte das aber auch nicht zugeben und saß einfach 5 Minuten stumm vor ihrem Bildschirm. Ihre außerordentlichen Fähigkeiten sorgten aber dafür, dass keiner von uns den ursprünglich reservierten Platz bekommen hat. Das war aber aus Sicht von 2/3 unserer Reisegruppe gut. Nein, nicht weil sie nicht mehr neben mir sitzen mussten, sondern weil beide in der Business Klasse landeten und ich in Economy blieb. Es gibt Tage da verliert man und es gibt Tage da gewinnen die anderen. Ok, im Prinzip saßen sie dann auch nicht neben mir, aber das war nicht der Gewinn... glaube ich zumindest.

Sonntag, 1. September 2013

Aber schei* drauf, Malle ist nur einmal im Jahr

Wenn man um Mallorca herum segelt, lässt es sich natürlich auch nicht vermeiden, dass man auf Mallorca drauf ist; schon alleine wegen des Transports vom Flughafen zum Hafen.  Dann liegt es natürlich nahe, dass man auch noch ein wenig den mallorcinischen Strand und das hervorragende Essen genießt. Und wo sollte das besser gehen, als in El Arenal? Also haben wir unseren Urlaub noch mit drei Tagen Ballermann abgeschlossen. Außerdem ist es ja ernsthaft so, dass man nach dem Segeln noch ein paar Tage auch an Land das Gefühl hat, dass sich alles bewegt. Damit fällt man dort sicher am wenigsten auf. Um das gleich festzuhalten: Wenn irgendeiner von uns gewankt ist, dann sicher nur, weil das Innenohr noch gesponnen hat! 




Wir sind dann morgens vom Boot runter und direkt ins Hotel, wo unser Zimmer natürlich noch nicht fertig war. Kein Thema, zum Glück gibt es ja im Mega-Park schon um 11:30 -siehe oben - Freibier. (Mega-Park könnt ihr noch vom letzten Malle-Wanderurlaub aus diesem Jahr kennen. Ansonsten zitiere ich Konrad "der beste Platz, um sich schon tagsüber zu betrinken".) Um es mit Solveigs Worten zu sagen: zu der Zeit sieht es auch noch ziemlich human aus. Nach dem Freibier sind wir dann aus dem VIP-Bereich - yeaaaaah - in den normalen Bereich umgezogen und haben erst einmal... ja was eigentlich?... weiter getrunken bis das Hotel unser Zimmer fertig hatte. Also Gepäck ins Zimmer gestellt und wieder... es wiederholt sich alles. 
Kleiner Exkurs an dieser Stelle. Ich hatte schon auf dem Hinflug bemerkt, dass ich große Mengen Bier nicht mehr vertrage und daher lieber eine Säule Cuba Libre als Bier bestellen würde. Meine Aussage "Cuba Libre vertrage ich besser" wurde zum running gag, da ich es an dem Nachmittag nach einem Cuba Libre geschafft habe, im Mega-Park einzuschlafen. Einige meiner Kollegen werden vielleicht auch noch wissen, dass ich mit dem Zeug mal einen schrecklichen Abend in Würzburg hatte. Aber nur, weil er viel schneller gemischt ist, als so ein Mojito. 
Zurück zum Thema. Der Schlafmangel vom Boot führte also dazu, dass ich während der Bundesligaübertragung eingeschlafen bin. Das war ein klares Signal ins Bett zu gehen. Um es mit den Worten von Murtaugh (Lethal Weapon) zu sagen: Ich bin zu alt für den schei*. Zum Glück ging es den anderen nicht besser, so dass wir einen ruhigen Abend verbrachten.



Der ursprüngliche Plan sah dann für den nächsten Tag Strand vor. Der Wetterbericht hatte aber irgendwie etwas anderes im Sinn. Egal, wir haben uns mit einer Männerhandtasche (na, klingelt es?) in den Sand gelegt und uns von den Wolken bräunen lassen. So attrakti... also so drei Typen sehen für die weiblichen Promoter (oder auch Promoterinnen) natürlich wie leichte Opfer aus, was für einige Unterhaltung sorgte. Ok, männliche Promoter hielten uns wohl auch für verzweifelt und sprachen uns an, aber zurück zum Thema: Die Promoterin war natürlich aus dem Pott, nicht zu stark bekleidet, blond und hatte eine etwas schweigsamere Kollegin dabei, die allerdings die Getränkeliste auswendig aufsagen konnte. Dass sie auch intellektuell beschlagen war, wollten sie uns gleich beweisen, indem sie auf Marcs Buch (Illuminate) schaute und sagte: "Ach Steve Brown, das habe ich auch gelesen." Nicht, dass der Name des Autors nicht auch korrekt auf dem Buch gestanden hätte... Egal, sie wollten Tickets für ein Partyboat verkaufen und Marc wollte unterhalten werden. Marc hat im Gegensatz zu den Mädels sein Ziel erreicht und ich muss sagen, dass ich mich auch prächtig amüsiert habe. Nicht nur, dass sie persönlich der Kapitän des Boots war, nein sie hat es sogar selbst gebaut und rosa angemalt. Was das Wetter anging, konnten sie uns versichern, dass es erst am Abend regnet und sie auch ständig im Kontakt mit dem Wetterdienst in Palma wäre. Nur was hilft das, bei Regen auf der See? Ansonsten stach das Boot durch seine "familiäre" Atmosphäre hervor. So 126 Leute lernt man ja in 4 Stunden schnell kennen. Es gäbe Boote mit 400, das wäre ja viel zu viel. Ich will gar nicht wissen, was die für einen Aufwand getrieben haben, um die optimale Gruppengröße von 126 zu ermitteln. Länger als zwei Minuten will man ja eh mit niemanden reden. 
Man muss aber sagen, dass sie das wirklich nett gemacht haben, im Gegensatz zu den Sonnenbrillen-, Hut-, Uhren-, Massage- und Früchte-Verkäufern... oder den Jungs aus diesem komischen Club, dessen Name mir entfallen ist. Da gab es bei einer all-you-can-drink-Jacky-Party 4 Jacky-Shots inklusive. Say what? 

Pünktlich zum Spiel der Eintracht (egal ob Braunschweig oder Trier, Eintracht sind nur wir!) haben wir uns dann wieder in dem Mega-Park eingefunden. Auch hier hat sich wieder gezeigt, dass Malle fest in der Hand der Schwaben und des Potts ist. In dem riesen Ding gab es mit uns dreien vielleicht 10 Eintracht-Fans. Wobei der Rest eigentlich alles Offenbacher sein müssten, da die alle bei "Wer nicht springt ist Offenbacher" stehen geblieben sind. Wie auch immer, ganz wichtiger Auswärtssieg und im Hoch der Gefühle, lässt man sich da schon eher irgendeinen Mist andrehen. Bei uns ist dabei dieses Foto rausgekommen. Und nein, das Trikot ist keine Kindergröße sonder L. 




Wenn man allerdings Eintracht-Fans trifft, dann sind es auch echte. Als ich meinen Cuba Libre (und das ohne einzuschlafen) weggebracht habe, hat sich in der Nebenkabine gerade jemand den Mittag durch den Kopf gehen lassen. Das hielt ihn aber nicht davon ab, nach dem Spülen gleich wieder ein schönes "schwarz (und) weiß wie Schnee, ist nur die SGE, wir holen den DFB-Pokal und wir werden deutscher Meister, Meister!" anzustimmen. Ich sage nur "Europa, wir kommen!". Und das sollte man als Drohung verstehen. 

Mittlerweile hatte es dann angefangen zu regnen und daher haben wir uns an die Hotelbar am Pool gesetzt. Die Logik dahinter erschließt sich mir in der Retroperspektive auch nicht vollständig, ich bin mir aber sicher, dass es eine gab. Hinter der Bar stand eine junge Lettin, die angestrengt versuchte, irgendwelche Tätigkeiten zu finden, um nicht mit uns reden zu müssen, aber da wir die einzigen Gäste waren (und das bei so schönen Regengüssen), kam sie nicht ganz darum herum. Immerhin hat sie eine Runde Vodka mit uns mitgetrunken (bzw. Vodka + das komische grüne Zeug, was sie sich dazu geschüttet hat) und uns noch eine Runde ausgegeben. 

Am Abend waren wir dann in einem echt guten Restaurant und sind von da ins Riu Palace zu einem DJ-Battle. Ich habe es so noch nicht erlebt, dass ein Hip-Hop-DJ-Duo gegen ein House-DJ-Duo angetreten ist, so gab es aber wenigstens genügend Abwechslung. Ich musste nur auch hier wieder feststellen, dass wir ganz schön alt geworden sind. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden (geschätzt) 14jährigen Mädels einen Schock für's Leben bekommen haben, als Turner und ich zu Klassikern wie Party up von DMX so richtig abgegangen sind. Mit 1,50 und 40 Kilo Lebendgewicht wirken so knappe 1,90 mit knapp 80 Kilo Lebendgewicht, die neben einem auf und anspringen und pogen sicher gefährlich. Es haben aber alle überlebt. 
Ansonsten gibt es von dem Abend aber echt wenig zu erzählen, oder Jungs? Zum Abschluss gab es noch die obligatorische Currywurst beim Wurstkönig (oder war es Grillmeister?) bei der man aber auch in unserem Zustand - damit meine ich natürlich vor allem die Müdigkeit und den Hunger - gemerkt hat, dass sie einfach nicht gut ist. Ich will nicht wissen, was das über die Wurst aussagt. 




Da sich das Wetter weiter gegen uns verschworen hat, sind wir am nächsten Tag zum Tapas Essen noch mal nach Palma gefahren. Mir kam das insofern entgegen, als ich dort auch noch meine Schuhe abholen musste, die auf unserem Boot liegen geblieben waren. Turner hatte sie mit seinem Ordnungsfimmel... nein, so kann man das nicht schreiben. Turner hat sie aus irgendeinem Grund in ein Fach geräumt, in dem eigentlich nur seine Sachen waren und beim Einpacken hat sich dann jeder auf den anderen verlassen. Wie auch immer, ich habe also unseren Skipper, der noch im Hafen war, gebeten, die Schuhe mit von Board zu nehmen. Darauf schrieb er mir, dass er sie hat und sie jetzt auf dem Boot seien, mit dem er an dem Tag ausläuft. (Das war noch bevor wir nach Palma gefahren sind.) Ein wirklich pragmatisches Kerlchen. Also musste ich ihm noch eine SMS schreiben, um ihn zu beten, die Schuhe doch nicht mit auf's Meer zu nehmen sondern bei unserem Charterer oder beim Hafenmeister abzugeben. Mich wundert es nicht, wenn seine Handyrechnung sehr hoch ist... 
Also bin ich zu unserem Charterer gegangen. Schuhe? Nie gehört. Dann zum Hafenmeister. Zapatos? Nie gehört. Als wir schon am Gehen waren, entdeckte Turner dann ein mit Kreppband zusammengehaltenes Bündel, was am Pier auf einer Schulterhohen Kiste lag und vom Regen durchnässt war. Ihr ahnt es; das waren meine Schuhe. Man konnte sie aber auch eigentlich gar nicht übersehen, auf der Unterseite hatte er ja mit Edding geschrieben "Für Nicolas Justus"... sehr... pragmatisch.

Das Abendprogramm bestand dann aus der Mega-Arena, die auf keinen Fall mit dem Mega-Park zu verwechseln ist, weil sie ja unten drunter liegt, und dem Bierkönig. Wenig Spektakuläres, außer, dass im Nebenraum wohl Jürgen Drews aufgetreten ist, was ich gar nicht mitbekommen habe. Ich war zu sehr mit dem Typ beschäftigt, der mich immer wieder von der Tanzfläche geschmissen hat, weil man dort kein Getränk in der Hand haben durfte!? 
Da die Wurst ja nicht so der Hit war, entschied sich Marc in dieser Nacht zum Abschluss 2 Stück Pizza, eine Käsewurst, einen Teil unserer Portion Pommes und dann noch einen Mini-Döner zu essen. Das ist schon nicht schlecht, die wahre Leistung erschließt sich einem aber erst, wenn man weiß, dass er zum Frühstück (also etwa 5 Stunden später) dann zwei Spiegeleier auf einem Brot mit Schinken und Käse gegessen hat, um das dann noch mit einer Portion Pancakes abzurunden. 

Und dann war es auch schon vorbei. Um es mit den Worten der größten hessischen Philosophen der Neuzeit zu sagen: "Als wir dann auf der Fähre standen und ich dem Bürgermeister ins Gesicht gespuckt habe, weil er mich so herablassend angeschaut hat, da war ich schon ein bisschen traurig, dass der Urlaub schon vorbei war. Zum Glück haben wir schon für das nächste Jahr gebucht." "Was, ihr auch?"


Samstag, 31. August 2013

Sail away

Nachdem der letzte Eintrag für Nicht-Hessen etwas anstrengend war, wird es nun für Nicht-Segler etwas unverständlicher. Kommen wir also zum eigentlichen Segelerlebnis. Wobei das wäre viel zu schnell, um mit dem Segeln zu beginnen. Während also alle Schiffe, egal wie unerfahren und betrunken die Crew auch war (viele Ukrainer), ausliefen, standen wir am Kai und haben geübt, Taue zu werfen. Was das anging konnte uns dann sicher auch keiner im Mittelmeer etwas vormachen, was aber vor allem daran lag, dass das niemand machte. Wäre der Turner auch nur ein bisschen geschickter beim Rudern gewesen, hätten wir es auch nicht gebraucht...



Nachdem wir das Flicken des Segels zum Glück auslassen durften, dachte ich, es könnte los gehen. Weit gefehlt: Sicherheitseinweisung. Der Vortrag dauerte weit über eine Stunde, aber ihr bekommt die Kurzfassung. Ohne feste Schuhwerk laufen = Zehenbruch. Tau laufen lassen = Sehne durch. Alles weitere führte eigentlich unweigerlich entweder zum Sinken des Schiffs oder zum sofortigen Tod. Isch so! Laut Versicherung seien der Hafen, das Dinghy (Beiboot) und Feuer an Board die gefährlichsten Orte/Momente an Board. Gut, dass er uns erst einmal im Hafen festhielt. 
Unser Skipper war halt ein Fan sehr ausführlicher Vorbereitung und ausschweifender Antworten. Eine einfache Frage wie "wer hat Vorfahrt?" wurden in der Regel etwa so beantwortet. "Also wenn gerade Ramadan ist, der Jupiter im Haus der Venus steht, die FDP den Bundeskanzler stellt und man einen schönen Tidenhub von etwa 20 Zentimeter hat (that's what she said), dann haben wir Vorfahrt. Sollte allerdings im chinesischen Kalender das Jahr des Drachen sein und Claudia Roth ist zum ersten mal in ihrem Leben gut gekleidet, dann haben wir nur Vorfahrt, wenn... *30 Minuten später* ... aber vor 15 Minuten, als uns das Boot beinahe gerammt hätte, hatten die Vorfahrt. Da hättest du ausweichen müssen." 
Unser Skipper war ein Widerspruch in sich. Während er uns ausführlich erklärte, dass das Gas immer erst an der Flasche abgestellt werden muss, damit die Leitungen leer sind (Stichwort Feuer an Board), war er der erste, der es nicht machte. Er erklärte uns auch, das all die Elektronik an Board "Micky Maus" sei und nur für testoterongesteuerte Männer da ist, die Geld loswerden wollen. Er war aber dann der erste, der Panik bekam, wenn das GPS-Signal weg war. Ihm ist auch 2-3 Tage lang nicht aufgefallen, dass der Tiefenmesser auf Fuß und nicht auf Meter stand und behauptete dann, der Turner hätte das mit seinem Knie verstellt. Da wir trotz Anleitung etwa 10 Minuten brauchten, um es umzustellen, war das entweder Seemannsgarn oder der Turner hat ein verdammt geschicktes Knie. 



Zurück zum Segeln. Wir fuhren also endlich aus dem Hafen raus und hatten vielleicht schon 2-3 Wenden geübt, als unser Skipper erst mal unter Deck ging. So stand ich am Ruder. Irgendwann kam er dann wieder hoch und schaute uns erwartungsvoll an. Was keiner (oder zumindest ich nicht) bemerkt hatte, war, dass er einen grünen Luftballon ins Wasser geworfen hatte. Das sollte ein Mann sein. Er wollte also mit 9 Leuten, die zum großen Teil noch nie gesegelt hatten, ein Mann-über-Board-Manöver üben. Sehen wir mal von der Tatsache ab, dass er "Mann über Board" hätte rufen müssen, wenn er es als erster bemerkt... von uns kam natürlich erst einmal nichts. Also fing er an rumzuschreien, dass wir etwas machen sollten. Ich fragten ihn noch, ob ich jetzt ohne einen Segelschein zu besitzen mit einer unerfahren Crew durch die ganzen Yachten kreuzen sollte, die da noch rumfuhren... und ich glaube ab dem Punkten mochten wir uns schon nicht mehr so. Mag daran gelegen haben, dass diese Frage den Unternton hatte, ob er denn einen am Sträussche hätte. 

Ich verstehe bis jetzt nicht, wie jemand, der uns Taue werfen üben lässt, ehe wir an Board dürfen, meint, dass eine Crew ohne jegliche Vorbereitung und Erfahrung einen Ballon aus dem Mittelmeer fischen kann. Seine Erklärung "nach deutschen Recht muss er das Manöver vor dem Auslaufen üben". Isch so! Am deutschen Wesen soll die Welt genesen! Ich glaube aber nicht, dass das Gesetzt verbietet zu sagen "wir machen jetzt ein Mann-über-Board-Manöver und das geht so..." oder dass er es selbst macht. Wäre eventuell wichtiger als Taue werfen. Wobei - hätte der Ballon fangen können, hätten wir ihm sicher super ein Tau zuwerfen können. 

Während man also im Yachthafen von Mallorca zur Mittagszeit auch ohne jegliche Übung rumkreuzen kann, da die anderen Boote ja sicher ausweichen, ist Ankern schon eine schwierigere Aktion. Die ganzen fest liegenden Boote, da könnte sich ja eventuell eines bewegen. Deswegen sah unser Ankermanöver auch so aus, dass wir erst in die Bucht reinfuhren, einmal durch alle Boote durch und dann wieder raus. Außerhalb der Bucht gab es dann eine 15-30minütige Lagebesprechung. Inhalt: Wir fahren da jetzt wieder rein, ich sage euch wann ihr den Ankern werfen sollt und wie viele Meter Kette wir brauchen. Das hätte man wohl nicht direkt machen können. Ich glaube es wundert keinen, wenn ich sage, dass die besten Plätze immer schon weg waren, ehe wir wirklich mal anfingen zu ankern. 


Gute Plätze zu finden, ist in der Hauptsaison um Mallorca herum aber auch wirklich schwierig. Deswegen fand es unser Skipper auch unmöglich, dass da nur so ein billiges Werbeheftchen an Board war, das nur die Häfen beschreibt, die auch gezahlt haben. Komisches Konzept. Etwas ist umsonst und nicht besser, als etwas Zahlungspflichtiges? So kann Marktwirtschaft doch nicht funktionieren. Mit seinen 44 Jahren auf See ist er aber noch nicht auf die Idee gekommen, selbst etwas mitzubringen oder sich vorzubereiten. Ich glaube, ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir ihm auch den Segelführer aus der Boardkasse bezahlt hätten, nachdem wir eh schon seine Handyrechnung bezahlen mussten, ohne sie jemals gesehen zu haben. Erwähnte ich schon, dass mir dieses Geschäftsmodell gefällt? 





Wir sind bei dem ganzen Stress aber auch wirklich streckenweise gesegelt. Dafür hatten wir teils auch hervorragende Bedingungen mit viel Sonne und gutem Wind, einmal sogar Windstärke 5. Was heißt Windstärke 5? Das heißt, dass ich erst unter Deck geschickt werde, um mir ein T-Shirt anzuziehen, da einem ja sonst durchs Spritzwasser kalt wird. Als er merkte, dass ein nasses T-Shirt jetzt auch nicht warm hält, musste ich also noch einmal runter und mir eine Regenjacke anziehen. Weil es so viel Spaß machte, gab es dann auch gleich noch einen Schwimmwestenpflicht. Und wofür das ganze? Als ich endlich so angezogen war, wie es der Skipper wollte, haben wir uns entschieden umzukehren, weil es zu windig ist. An dieser Stelle: Die Umkehrentscheidung kann ich voll und ganz verstehen, da nicht nur Kerstin "die Pütz" seekrank wurde sondern auch manch andere nicht mehr ganz so breit grinste. Es gab aber nur zwei Eimer an Board.

Als wir dann bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad mit Regenjacken und Schwimmwesten in die Bucht eingelaufen sind, konnte man auf denn anderen Booten schon ein gewisses Grinsen sehen. Ich hätte es auch nicht unterdrücken können, wenn ich uns gesehen hätte. 

Ansonsten war das Segeln aber eher ruhig. So ruhig, dass Jürgen auch gerne mal so weit vom Kurs abkam, dass wir direkt im Wind standen und nur durch eine 360°-Drehung wieder voran kamen. Steff hielt das wohl wegen der vielen Wiederholungen durch Jürgen für ein echtes Manöver, weswegen sie es dann auch gleich ausprobierte. 


Am letzten Tag habe ich mir dann noch etwas sportlicheres Segeln gewünscht und darum gebeten, dass wir Halsen. Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Wenn Wenden beim Autofahren das Rechtsabbiegen ist, dann ist Halsen Linksabbiegen (mal ganz grob... eigentlich geht es um den Wind). So wie das Linksabbiegen durch den eventuellen Gegenverkehr etwas gefährlicher ist, als das Rechtsabbiegen (ok, die meisten Unfälle passieren beim Linksabbiegen), so ist Halsen auch etwas komplizierter als Wenden. Johannes hat daraus aber rückwärts Einparken mit verbundenen Augen vor einem Kindergarten gemacht. Er erklärte uns 30 Minuten, was denn jetzt alles schief gehen kann und wie er und sein Vater dabei schon einen Mast verloren haben (das heißt dann Patenthalse). Gleich darauf folgte dann aber wieder ein echter Johannes. Anstatt wie üblich zu rufen "alles fertig zur Halse" fing er einfach schon mal damit an, obwohl noch überhaupt niemand damit gerechnet hat... nur um dann wieder zu schreien, dass das Segel viel zu langsam dicht geholt wird. So kann man schon mal einen Mast verlieren... war bei unserem Wind aber quasi unmöglich. 





Mein Highlight bleibt aber das Anlegemanöver am letzten Tag. Ach, was sag ich, die Manöver. Schon bei der Tankstelle fragte mich der Tankwart, ob unser Skipper einen am Sträusschen hat, weil ihm zwei Tau nicht reichten. Außerdem durften wir die Taue nicht übergeben, so lange unser Skipper es uns nicht erlaubt hatte. So fährt man dann 50 Zentimeter an einem erfahrenen Hafenmitarbeiter vorbei, der nach dem Tau fragt und man gibt es ihm nicht, weil man auf seinen Skipper wartet, der noch dabei ist, den restlichen Schiffen zu erklären, wie sie seiner Meinung nach zu fahren hätten. Beim "Ausparken" fuhr er dann rückwärts (Zitat: "Das Manöver kennt sonst keiner"), obwohl hinter uns ein Schiff fest vertaut und vorne alles frei war. Deshalb schrie er dann ebenfalls das Schiff hinter uns an es solle doch mal weiter nach hinten fahren. Auch die verstanden die Welt nicht mehr. 

Als wir dann am Ende des Tages an unseren Steg ankamen, legte Johannes ein so spezielles Manöver hin, dass wir uns mit dem Kiel in der Ankerleine (eigentlich Moorig-Leine) eines anderen Schiffs verfangen haben. Während Michael und ich uns mit aller Kraft von den anderen Schiffen wegdrückten, brüllte er dann die Ukrainer an, deren Leine wir erwischt hatten: "Tirar." Es ist ja schön, wenn man sich versucht, in der Landessprache zu verständigen, aber der arme Ukrainer sprach nun mal kein Spanisch. Für solche Fälle hatte unser Skipper aber immer eine gute Lösung; er schrie noch lauter. Ich hatte auch mal das Vergnügen, da ich nicht wusste, was ein Turmkegel ist. Die Erklärung: "NA DER TURMKEGEL!"
Zurück zum Anlegen. Nachdem ich für den Ukrainer übersetzt hatte, dass er doch bitte die Leine fallen lassen solle, kam noch ein Dinghy, das gegen uns fuhr, um uns zu drehen, da wir ja manövrierunfähig waren und es kam auch jemand an Board, der das Steuer übernahm. Und siehe da; man konnte ohne Probleme und auch ohne jegliches Geschreie festmachen. Ohne, dass uns der neue Skipper lange erklärt hätte, was wir machen müssen oder was alles schief gehen kann. Das hatten wir ja schon gesehen.

Der Tunrer unterhielt sich mit Johannes dann auch über seine verschiedenen (sic!) Havarien und irgendwie kam raus, dass er nie Schuld war, weil er als zuständiger Kapitän immer unter Deck war. Vielleicht erkennt er ja irgendwann ein Muster? Bei solchen Angelegenheiten war er aber immer sehr - ich zitiere - pragmatisch. Die Crew musste den Schaden zahlen und dann war für ihn alles in Ordnung. So klingt ein verantwortungsvoller Manager. Wir sind am Ende auch zur Erkenntnis gekommen, dass Johannes von der Versicherung keine allgemeine Auswertung über die größten Gefahren auf See bekommen hat sondern wahrscheinlich einfach nur eine Auflistung seiner bisherigen Vorfälle. 





Neben Segeln und Ankerbier ist das wichtigste in so einem Urlaub aber, schöne Buchten zu finden, wie zum Beispiel diese hier. Das im Bild vorderste Boot müsste unseres sein. So von Weitem sehen die ja immer zum Reinspringen aus aber leider sind im Mittelmeer angeblich Abwassertanks keine Pflicht. Das heißt, das alles, was so von Board geht, dann auch direkt im Badewasser landet. Den Gedanken fand ich schon für sich nicht gut, wenn einem dann aber auch noch der Plastikmüll (welcher Depp hat denn hier einen grünen Ballon ins Wasser geworfen?) und sonstiger Unrat entgegenschwimmt (Kaffeebecher, wer braucht den hier einen Kaffeebecher?), dann braucht man wirklich das bereits angesprochene Schwimmbier, um da beherzt reinzuspringen. (Hier mit unnachahmlicher Eleganz vom Turner vorgeführt.)



Auch wenn das Bier auf die Blase drückt, ob Boardtoilette oder direkt ins Wasser ist dann auch schon egal. Das Wasser war übrigens erstaunlich warm. An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass unser Skipper auch das Wasser, das sich mittig im Boot gesammelt hat. probierte, um festzustellen, ob es Salz-, Frischwasser, Diesel oder Urin ist. Sicherheitstechnisch kann ich das nachvollziehen, aber zwei Sachen konnte man geruchstechnisch ausschließen und einmal testen sollte reichen. Außer man genießt es.


Wenn wir aber schon bei mangelnder Boardausstattung sind. Ja, ich bin verwöhnt und von mir aus auch zu anspruchsvoll, aber es gab nicht einmal Ventilatoren unter Deck. Wenn man sich dann mit so einem heißen Kerl (ich beziehe mich hier ganz alleine auf die Körpertemperatur) neben dem Motorraum bei etwa 30 Zentimeter Freiraum bis zur Decke hinlegt, die Außentemperatur noch weit über 20 Grad liegt bei einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 200% und einfach kein Lüftchen geht, dann wird aus der Koje auch schnell eine Badewanne. Gut, was man ausschwitzt muss danach nicht mehr ins Meer, aber es war einfach verdammt schwer einzuschlafen. Wodurch sich dann an Land auch ein gewisser Schlafmangel bemerkbar machte, dazu aber mehr im nächsten Eintrag. 


Wenn man das so liest, klingt es fast, als ob wir keinen Spaß hatten. Den hatten wir aber definitiv! Ich kann Segeln nur jedem ernsthaft empfehlen, ich würde nur einen anderen Skipper nehmen.

Am Abgrund der Dummheit - 3 Hessen terrorisieren die Welt

Liebe Leser(innen), dieser Eintrag könnte für Nicht-Hessen bzw. für Leute, die Badesalz nicht in und auswendig kennen, etwas anstrengend werden... nur leider lässt es sich nicht vermeiden. Unsere Mitsegler mussten das auch eine Woche lang ertragen, insofern werdet ihr das auch schaffen. Damit ihr wenigstens die Überschrift versteht solltet ihr euch jetzt zumindest "Am Abgrund der Dummheit" angucken. Wonn?

Zurück zum Thema: Ich war Segeln und das nur ganz zufällig um Mallorca herum. Ich war also erst einmal nicht auf Malle, damit gar nicht erst ein falscher Eindruck entsteht. Da ich keinen Segelschein habe und die anderen zwei Hessen auch nicht, haben wir ein Kojencharter gemacht. Will heißen: Wir bezahlen jemanden der gerne segelt dafür, dass er mit uns segelt. Super System, das müsste es für meine Hobbys (müsste es Hobbies sein?) auch geben. Wenn mich jemand für's Schlafen bezahlt, bin ich fast alle meine Sorgen los.
Wie auch immer, man sperrt sich also freiwillig mit Unbekannten auf ein Boot ein und hofft darauf, dass man miteinander klar kommt. Bei Segeln ist es aber zum Glück gute Sitte, dass man jede Menge sozialen Katalysator (sprich Alkohol) mitnimmt. Wie sagte schon Kasperle (Link): Zum Sport braucht man(n) Krombacher, Bittburger, Warsteiner... Klassischer Weise trinkt man nach dem Ankern oder Anlegen ein Ankerbier. Wir hatten dann meist noch ein Kochbier, ein vor dem Essen Bier, ein zum Essen Bier, ein Aufräumbier, ein Spühlbier und wenn uns sonst nichts mehr einfiel ein Bierbier. Ist fast wie Kettentrinken. Oder eher Kettensport! Das Schwimmbier sollte man auch nicht vergessen. Nüchtern springt doch keiner in die Brühe vor Mallorca. (Dazu im nächsten Eintrag mehr.)

Zurück zur Gruppe. Im besten Fall sind es 10 Hessen, wenn man Pech hat nur drei.
"Hip, Hop, Rave, runner von dem Haus! Unn lass dess Medall da!" (Link)

Alles in allem war es aber eine sanfte Geburt, auch wenn - jetzt malen wir mal nicht den Teufel an die Wand -  auch Mädchen dabei waren. (Keinen Link gefunden) Die Besatzung kam aber trotzdem prima miteinander aus. Vielleicht lohnt eine kurze Vorstellung.
- Kerstin "die Pütz" (seemännisch für Eimer) war nicht rund wie ein Eimer sondern nicht unbedingt seefest. Macht nichts, so lange alles im Eimer landet. Den muss man dann nur auch leeren, ansonsten könnten ihn jemand (hallo Markus) umwerfen und man hat das Frühstück über ganz Achtern verteilt. Dann kann man allerdings trefflich darüber diskutieren, ob das jetzt Eier zum Frühstück waren...
- Katrin a.k.a. Kristina. Genau wie Kerstin war sie Schwäbin und Lehrerin. Klingt in der Kombination erst einmal gefährlich, das war sie aber vor allem, da sie Kampfsport betreibt. Solche Leute sollten man nicht reizen. Da mein Namen/Gesichtsgedächtnis aber nicht so richtig funktioniert, habe ich sie trotzdem durchgängig Kristina genannt. Sie war sehr friedlich.
- Markus the Vampire war Berater vom Niederrhein und hat jeden Morgen die Sonnencreme mit dem Eimer Deckweiß vertauscht. Ihr Kennt die Leute, die sich Zink auf die Nasenspitze machen? Ungefähr so, nur im ganzen Gesicht.
- Markus war mit Jürgen "360°" angereist, dank dem wir beinahe die 150 Seemeilen geknackt hätten. Seinetwegen haben wir uns mehrmals im Kreis gedreht, was nicht zwingend notwendig war. Aber so bekommt man Meilen zusammen.
- Steffanie "Steff" hat für jede 15 Minuten, die sie am ersten Tag zu spät kam, einen Buchstaben am Ende des Namens verloren. Wie viel Minuten kam sie wohl zu spät? Richtig. Der verkürzte Namen war aber sicher das kleinere Problem. Als letzter Ankömmling hatte sie das Glück, sich die Kabine mit unserem Skipper zu teilen. Der war nicht nur über 30 Jahre älter und hat jede Nacht geschnarcht. Nein, er hat sich auch jeden Morgen beschwert, dass sie ihm überhaupt nicht näher gekommen wäre. Wenn es mit viel gutem Willen am ersten Tag noch lustig war, so wurde es von Tag zu Tag trauriger. Ich glaube es lag daran, dass er nur zwei verschiedene Slips (ja, Slips - keine Boxershorts) dabei hatte. Ich weiß nicht viel über Frauen, aber wir Männer fanden das schon nicht gut.
- Dann gab es noch Michael "the sun" aus dem Pott. Er hat sich im Kroatienurlaub schon mal vorgebräunt, so dass er auch gerne breitbeining vorne an Deck saß, um die letzen Stellen, die sonst nie die Sonne sehen, braun zu bekommen.
- Hesse Nummer 1 war Marc "Holly" der seinen Spitznamen alleine schon verdient hatte, da er als Mann mehr Gepäck an Board hatte, als der Rest der Crew zusammen. Eigentlich haben wir ihn aber so getauft, da er einen Werbevertrag mit Hollister unterschrieben hat und seitdem nur noch deren Kleidung tragen darf. Dank ihm weiß ich nun auch, dass Rotwein auf einer rosa Hose nicht unsichtbar ist, sondern blaue Flecken macht.
- Hesse Nummer zwei war Turner "er braucht keinen Spitzname" Tunersson, den die meisten wohl zu genüge kennen. Brau mer garnedd drübber redde! Könnd isch grad verrüggd wedde.
- Bleibt noch der Skipper Johannes "isch so" Binzbescher. Wie man sich schon denken kann ein Schwabe. "Isch so!" Als Seemann hielt er es wohl auch für seine Aufgabe, so viel Seemannsgarn (also Lügengeschichten) wie möglich zu spinnen. Das kann ja lustig sein, nur nicht, wenn nach jedem zweiten Satz ein "isch so!" folgt. So erzählte er uns z.B., dass die Bild-Zeitung sich per Gerichtsurteil nicht mehr Zeitung nennen darf, da der Wahrheitsgehalt kleiner als 30% sei. Ich muss ja bei einem Dummheitsgehalt von größer 30% immer schmuzeln, was mir gerne als Arroganz ausgelegt wird. Johannes fixierte einen dann aber immer und sagte bestärkend: "Ja du lachsch; dess isch so!" Worauf hin ich noch mehr lachen mussten. Ein Teufelskreis! Johannes macht auch jeden Tag 100 Liegestützen (nur nicht, wenn er auf Reisen ist) und schmeißt in Lateinamerika mit einem Messer bewaffnete Einbrecher aus dem Fenster. Do heischd es der oder ich. Isch so! Ich habe ja in meiner Zeit in Lateinamerika gelernt, dass man immer auf den mit dem Messer setzen sollte.

Der Fairness halber muss man aber sagen, dass die anderen eventuell auch meinen, dass wir Hessen uns immer wiederholt haben. So kam bei jedem Mietwagen unweigerlich ein "Pedro Car? Sagtest du Pedro Car?" (habe leider online keine Version von "Badesalz - Mallorca" gefunden, nur den Ausschnitt) oder auch nach den kleinsten Erfolgen ein Mehrstimmiges "Mir habbe ... gewonne!" (12 aus 12) Beliebt sind natürlich auch immer Zitate aus "Gereizt" (Dess gehd dich ei Scheißdregg an!) oder im Sommerurlaub auch "isch binn in de Sonn eigeschlofe, in de Sonn eigeschlofe!" (Link) Eigentlich wollten sie für unsere Aufgaben ja auch Affen nehmen, aber die müssen auch sparen. Naja, was die Spanier nicht im Kopp habbe, dess habbe sie in der Hos. So ging das Tag ein und Tag aus. Will heißen: Wir hatten unseren Spaß.

Jetzt bin ich noch gar nicht zum Segeln gekommen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.