Donnerstag, 5. Juni 2014

Freiheit!

"Werd ich zum Arbeitsplatze sagen 
verweile doch du bist so schön, 
dann magst du mich in Fesseln schlagen, 
dann will ich gern zu Grunde gehen"

                       Das Känguru in der Känguru Offenbarung

Ich habe seit meiner ersten Studienarbeit keinen Text mehr mit einem Zitat begonnen, aber nun schien es mir mal wieder angebracht. Auf den ersten Blick hat dieses Zitat zwar wenig mit dem Titel des Posts zu tun, aber es passt perfekt. Nach genau zwei Jahren als Assi vom Dienst bin ich seit dem 01.06.2014 meinen Arbeitsplatz los... ich bin wieder frei! 
Wenn sich wer fragt, ob ich über den Verlust dieses Arbeitsplatzes traurig bin, so möchte ich noch einmal auf das Eingangszitat verweisen. Für den Titel habe ich dann aber doch auf ein Lied von Marius Müller-Westernhagen zurückgegriffen, obwohl das nicht mal mein inoffiziell offizielles Abschiedslied für Lohr ist. "Ascheregen" hätte dann aber doch ein wenig negativ für einen so fröhlichen Post geklungen. Hier also der Link zum inoffiziell offiziellen Abschiedslied für Lohr: Link.

Nun ist es sicher nicht fair, Lohr vorzuwerfen, dass ich nicht willkommen gewesen sei. Ich bin einfach nur nie in der "Stadt" angekommen. Dabei waren die letzten Wochen noch mal wirklich schön. Ich glaube ich habe noch nie so viel in Lohr und Umgebung unternommen wie seit dem Zeitpunkt, seit dem ich wusste, dass ich wegkomme. Die menschliche Psyche... ich schiebe es mal auf die Leute, mit denen ich die letzten Wochen verbracht habe und sage noch mal herzlichen Dank. Ich hoffe jeder weiß, ob er sich davon angesprochen fühlen muss. (Und ich hoffe das Foto ist unscharf genug, dass niemand der Vertretenen erkannt wird. Das Gibson ist am Sonntagmorgen aber auch wirklich leer.) 



Wie feiert man nun also den Abschied aus Lohr? Ich dachte an schöne Frauen und günstigen Alkohol... also ab nach Oslo! Die Frauen sind natürlich nicht so schön, aber der Alkohol dafür sehr günstig...

Im Ernst: Ich habe das verlängerte Wochenende in Oslo verbracht und *schleim* die schönen Frauen mitgebracht bzw. schon gekannt. Alkohol habe ich auch noch mitgenommen, im Prinzip hätte ich Oslo also gar nicht mehr gebraucht.
Zum Glück hat die Stadt aber auch ein wenig mehr zu bieten, als das. Wir hatten 4 Tage perfektes Wetter - bzw. ich nur 3 Tage aber dazu später mehr - und haben daher die meisten Zeit im Freien verbracht, vor allem in der Paradise Cove. Der Pole (wie immer gilt keine Namen) bezeichnete Paradise Cove als "almost a beach". Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es wirklich ein - wenn auch etwas grober - Sandstrand war. Idyllisch gelegen direkt am Fjord von Oslo mit Blick auf die Unternehmenszentrale von Statoil und die wunderschöne Natur.
Draußen brannte die Sonne so sehr, dass ich mir sogar einen Sonnenbrand geholt habe. Da kam das Wasser als Abkühlung gerade recht. Es war zwar zugegebener Maßen etwa 3cm kalt, aber wenn man es mal rein geschafft hat, war es wunderbar... bis zu dem Punkt, an dem man das Gefühl in den Füßen verloren hat. Vielleicht war es doch kein Sonnen- sondern eher Gefrierbrand, den ich bekommen habe?


Was den Strand aber noch perfekter gemacht hat, ist, dass es in Norwegen anscheinend nur eine Sache gibt, die billig ist: Einweggrills. Die sind dort tatsächlich günstiger als bei uns. Könnt ihr euch das Bild vorstellen: "Sandstrand", Abendsonne, Blick auf den Fjord und eine Grillwurst in der Hand. Ein Traum... und das ganz ohne Alkohol. Ein Cuba Libre in der anderen Hand hätte das Bild vervollständigt aber für die Zukunft dann auch unerreichbar gemacht. War also gut so. Ich erspare euch jetzt das Foto von mir mit dem Einweggrill... es lesen auch Kinder mit.

Wo ich aber schon bei Preisen war. Meine Gastgeberin hat für die 4 (oder für mich 3) Tage ein Tabuwort ausgerufen: "Teuer". Für jede Nennung des Wortes musste man einen Euro Zahlen. Das Spiel habe ich mal locker flockig mit 5 Euro Vorsprung gewonnen. Wer am meisten zahlt hat doch gewonnen, oder? Es war aber auch hart, weil man selbst dann zahlen musste, wenn man gesagt hat "ist gar nicht teuer"... oder wenn man dann gefragt hat "habe ich gerade teuer gesagt?".

Wobei der Urlaub an sich war gar nicht teuer. Essen vom Einweggrill, Wasser aus der Leitung und geschlafen auf einer deflatable Luftmatratze. Also man konnte sie auch aufblasen, aber sie lies die Luft dann von selbst wieder ab. Ich bin morgens immer wach geworden, wenn mein Steiß den Boden erreicht hatte. Der Blick aus der Wohnung über die Dächer von Oslo hat dann aber jeden Morgen für alles entschädigt.


Das sonstige Rahmenprogramm umfasste Fußmärsche durch die Stadt (ich wollte ja den Touribus... aber nein...), mexikanisches Essen, Dösen am Pier und die Oper. Als halber Techniker musste ich mich natürlich davon überzeugen, ob die Rexroth-Bühnentechnik dort gut funktioniert. Ich weiß es jetzt aber immer noch nicht, weil sie für den fliegenden Holländer eigentlich nur den Vorhang und eine rotierende Scheibe benutzt haben. Aber die liefen super!
Ich hatte ja gehofft, dass sie die Bühne schräg stellen, damit Senta von den Klippen springen kann, aber die Norweger machen das etwas profaner... da erschießt sie sich einfach. Opernkenner wissen was ich meine... ich weiß eigentlich selbst nicht wovon ich rede... aber ich weiß jetzt immerhin, dass ich selbst Opern, die auf Deutsch gesungen werde, nicht zwingend verstehe. Also ich meine vom Text, inhaltlich ist so eine Oper ja sehr überschaubar.

Bleibt die Frage, warum ich einen Tag weniger hatte, als die anderen? Das lag daran, dass ich am letzten Tag nicht einmal wach wurde, als mein Steiß den Boden erreichte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal bis 14:00 Uhr geschlafen haben? Und selbst dann konnte ich den Tag nicht mit dem Rest genießen, da mir irgendwie nicht nach essen war... oder trinken... oder aufstehen. Ich habe es am Abend davor tatsächlich geschafft, von einem skandinavischen (!!!) Club abgewiesen worden zu sein, weil ich zu... sage wir mal "fröhlich"... wirkte. Ich war natürlich überhaupt nicht "fröhlich". Das ist mir auch noch nicht passiert und ist definitiv keine gute Entwicklung. Aber wie sagte schon mein Pechkeks: Es kann leider auch vorwärts abwärts gehen!


Zum Schluss bleibt damit noch die Frage, ob ich den Blog jetzt schließen muss, weil ich kein Assistent mehr bin? So lange ich Assi bleibe, lasse ich den Blog mal bestehen. ;)

Samstag, 22. Februar 2014

Atemlos

Also was mich vor allem atemlos macht ist, dass es wirklich Menschen gibt, die auf die Musik von Helene Fischer stehen, aber dazu später mehr. 

Eigentlich hätte ich ja über den Kurzurlaub in San Sebastian schreiben müssen, aber ich bin irgendwie nicht dazu gekommen. Daher die Kurzfassung: San Sebastian war wie immer super. Ich würde ja schreiben, wem ich die tolle Zeit dort zu verdanken habe, aber ich soll ja keine Namen mehr nennen... 

Kommen wir also zum aktuellen Thema des Blogeintrags: Skiurlaub. Ich war mit 11 anderen Rexroth-Trainees bzw. Ex-Trainees im Montafon. Da das Montafon auch am/im Vorarlberg liegt, dachte ich, dass nicht viel schief gehen kann. Es liegt quasi eine Autobahnausfahrt vor St. Anton; aber um es mit den Worten meines Vaters zu sagen: Montafon ist so, als ob man zum Arlberg wollte und einmal falsch abgebogen ist. Es liegen Welten zwischen diesen Ausfahrten.
In seiner Eigenwerbung nennt es sich das sportlichste Skigebiet (am Vorarlberg), sagt aber nicht wieso. Ich glaube, dass das typische Maklersprache ist. Da heißt "gemütliche Wohnung" ja auch nur, dass sie klein, dunkle und baufällig ist. Sportlich heißt im Montafon, dass man viel Sitzmuskulatur für die veralteten Lifte braucht und dass man sich abends super regenerieren kann, weil es kaum Apres-Ski gibt. Ich schäme mich, das als Österreicher zu sagen, aber was Apres-Ski anging, herrschten fast französische Verhältnisse. Ja, ich habe französische Verhältnisse geschrieben... und das obwohl man fast bis nach St. Anton laufen kann.

Aber alles kein Problem, wir waren ja zu 12t. Hier möchte ich erst einmal dem Personalauswahlverfahren von Rexroth ein riesen Kompliment machen. Es scheint sehr homogene Gruppen von Menschen zu bevorzugen, die Qualitäten haben, die man im Job wirklich nicht braucht. Ich glaube kein anderes Auswahlprogramm sorgt für eine so homogene Verteilung der Skikünste, dass 12 Personen so gut zusammen fahren können. Dabei muss noch angemerkt werden, dass wir uns dem Durchschnitt sicher nicht von unten genähert haben. Natürlich hat man auch immer Ausreißer, in unserem Fall jemanden, der in der Jugend noch für seine quasi österreichische Nationalmannschaft (wir werden Südtirol nie verloren geben) gefahren ist und einen Franken, der dem Namen "Fränkische Schweiz" alle Ehre macht... aber wenn wir Stil, Geschwindigkeit und Kontrolle mal als Kriterien rauslassen, waren die auch nicht so viel besser. Ich meine, wer von uns fährt nicht nachmittags eine zerfahrene schwarze Piste quasi Vollgas mit engen regelmäßigen Schwüngen runter? Eben!
Und außerdem hat unser Profi auch einen Snowboarder über den Haufen gefahren. Das macht ihn aber eigentlich auch nur noch sympathischer. Man erkennt den Profi auch daran, wie er mit den Skiern unter dem Boarder einhakt, die Bindung löst, quasi einen Salto über den Boarder drüber macht und - jetzt kommt es - unverletzt landet. Hätte er das Ding noch gestanden, ich hätte applaudiert. 


Es gibt aber wohl auch sonst kein Auswahlprogramm auf der Welt, beim dem 12 angehende Führungskräfte ausgewählt werden, die probieren, jede Wegentscheidung erneut demokratisch abzustimmen. Kaum waren 7 Optionen auf dem Tisch, merkte noch jemand an, dass es ja auch Option 8 gibt, er/sie das nun aber nicht entscheiden will. Am Ende entschied also der, der als erstes losfuhr. Und 11 Führungskräfte folgten willig. 

Unhomogen wurde die Gruppe erst beim "Apres-Ski". Ein Streitpunkt war sicher eben jene Helene Fischer. Ich hoffe inständig, dass die Kerle nur wegen des Aussehens auf sie stehen, aber diese Musik (und dieses miese Playback bei Youtube) kann einem doch nicht wirklich gefallen, oder? Wobei auch bei Youtube der ein oder andere Kommentar lautet "betrunken geht das ja ganz gut durch". Ins Montafon hat diese Musik allerdings prima gepasst, weil Apres-Ski eine durchgängige Ü40-Veranstaltung war. Also nicht die coole Art von Ü27-Party, wo sich alles zwischen 20 und 30 rumtreibt, das sein eigenes Geld verdient und Spaß haben will, sondern eine echte Ü40-Party... ich würde jetzt gerne "SCHERZ" schreiben, aber es wäre falsch. Naja.... vielleicht übertreibe ich ein ganz kleines bisschen.

Kurzer Einschub zum Thema "SCHERZ". Da meine feine Ironie und mein minimal vorhandener Sarkasmus nicht immer einwandfrei zu erkennen waren, wurde ich gebeten, nach nicht ernst gemeinten Anmerkungen doch noch kurz "SCHERZ" zu sagen, um das klar herauszustellen. Da mich das überfordert hat, hat jemand anderes diese Aufgabe für mich übernommen. Auch bei Sätzen von mir wie "ich helfe doch gern". Ich glaube die Person hat das System nicht verstanden... "SCHERZ".

Zurück zur Ü40-Party. So eine Veranstaltung hat ja nicht nur Nachteile. Ab einem gewissen Alkoholpegel wird aus der Apres-Ski-Party ja auch schnell eine Partnertausch-Party, bei der alles, was nicht bei drei unterm Tisch ist von den Disco-Fox begeisterten Herren über die Tanzfläche geschoben wird. Das wirkt sogar in Skistiefeln noch elegant... oder so. Der Punkt ist; man kommt leicht in Kontakt. So wurde sogar ich von einer Frau angesprochen (Skihase wäre hier der falsche Ausdruck), die, nachdem klar war, dass wir im selben Skigebiet gefahren sind, mich gefragt hat, wie denn das Wetter bei mir war. Mir wird ja nachgesagt, dass man in meinem Gesicht sehr gut ablesen kann, was ich von Menschen denke... mein Blick führte auf jeden Fall dazu, dass das Gespräch beendet war. Damit sind wir auch schon wieder bei dem Punkt, warum ich im Club niemanden anspreche... ich weiß nicht, wie die Leute da zu einem gescheiten Gespräch kommen.

Da bedarf es wohl der starken körperlichen Präsenz, die auch der ein oder anderer aus unserer Gruppe ausübte und eines Wingmans wie... ok, keine Namen. Aber wie der am Valentinstag im "Club" die Rose von dem einen Tisch geklaut hat, um sie hinterm Rücken dem Kollegen zu reichen, der gerade viel körperliche Präsenz an einer Dame zeigte... Wahnsinn. Der war nicht nur ein Wingman, sondern ein ganzes Geschwader. Ich soll mich laut Erzählungen an dem Abend in diesen Wingman verliebt haben, was ich so allerdings nicht bestätigen kann. Auch wenn an der Aussage, dass es wahre Liebe nur unter Männer gibt, natürlich etwas ran ist. Hier wäre es jetzt mal angebracht "SCHERZ" zu sagen.

Diejenigen, die in unserem Alter unterwegs waren, waren eher so der Typ Schalke-Fan. Das ist hier ganz wort-wörtlich gemeint. Zum Glück wirkten unsere Borussen-Fans aber stark de-eskalierend, als sie ihnen hinterherschrieen, dass sie sich gerne morgen auf dem Fußballplatz treffen könnten, um das zu klären. Einer von uns, der fußballerisch eher neutral einzuordnen war, merkte aber die greifbare Spannung und versuchte die Situation zu beruhigen, indem er zu dem einen Schalke-Fan meinte "deine Mutter braucht mal einen großen Service". Auch hier kann ich nur sagen, dass das Rexroth-Auswahlverfahren noch nie versagt hat, wenn es um menschliche Größe geht.

Lag es am Alkohol? Ich denke der Großteil der Mannschaft hat den Alkoholismus als unvermeidbaren Kollateralschaden des Skifahren akzeptiert. Ich würde auch von mir behaupten, dass ich nicht ins Glas spucke... aber wenn manch einer von uns abends in die Wohnung kam und ausgeatmet hat, dann war die Bude desinfiziert. Also im positiven Sinne. (Den Spruch habe ich zugegebener Maßen aus einer Büttenrede geklaut und wollte den unbedingt nutzen.)

Wenn wir schon bei der Wohnung sind... der Hammer! Eigentlich müsste man sagen Chalet. Ich habe leider keine Bilder, aber das Ding war nagelneu, geräumig, schon ausgebaut und bullenwarm. Es war auch sehr zentral gelegen; genau zwischen den beiden Talstationen. Kein Scherz, so schreiben die das auch auf ihrer Website.

Man musste als ständig Bus fahren, sogar noch nach dem Apres-Ski, wenn denn dann noch ein Bus kam. Die sollte zwar bis 4 Uhr morgens fahren, aber immer wenn ich gerade gewartet habe, kam keiner. Es lebe das Taxi. Generell können die verkehrstechnisch da noch einiges lernen, zum Beispiel, dass man die besten Aperes-Ski Plätze an die Talstation baut und nicht die Leute zwingt, noch einmal in Skistiefeln durch das halbe Dorf zu laufen. Ok, es war halt das sportlichste Skigebiet.

Ich könnte jetzt noch viel vom Nacktrodeln (habe ich mich da verschrieben?) erzählen, vom Schneebeben, das eher eine Schneewehen war, vom sürßan Bregenzer Wald, Schirmbars in Asphaltwüsten, Lumumbas, bei denen das Verhältnis von Stroh 80 zu Kakao vertauscht wurde, ramponierten Badezimmertüren (drehen, nicht drücken), Radio im Badezimmer, Schnaps im Vogelhaus, Purzelbäumen im Tiefschnee, Pistenschildern mitten auf der Piste (also die Sicht war echt mies), verlorengeglaubten Schlüsseln, Mitternachtchilliesnacks (buaaaaah), der Suche nach Wlan und vielem mehr... aber ich bin ja "kein Dummer nedd".