Wenn man um Mallorca herum segelt, lässt es sich natürlich auch nicht vermeiden, dass man auf Mallorca drauf ist; schon alleine wegen des Transports vom Flughafen zum Hafen. Dann liegt es natürlich nahe, dass man auch noch ein wenig den mallorcinischen Strand und das hervorragende Essen genießt. Und wo sollte das besser gehen, als in El Arenal? Also haben wir unseren Urlaub noch mit drei Tagen Ballermann abgeschlossen. Außerdem ist es ja ernsthaft so, dass man nach dem Segeln noch ein paar Tage auch an Land das Gefühl hat, dass sich alles bewegt. Damit fällt man dort sicher am wenigsten auf. Um das gleich festzuhalten: Wenn irgendeiner von uns gewankt ist, dann sicher nur, weil das Innenohr noch gesponnen hat!
Wir sind dann morgens vom Boot runter und direkt ins Hotel, wo unser Zimmer natürlich noch nicht fertig war. Kein Thema, zum Glück gibt es ja im Mega-Park schon um 11:30 -siehe oben - Freibier. (Mega-Park könnt ihr noch vom letzten Malle-Wanderurlaub aus diesem Jahr kennen. Ansonsten zitiere ich Konrad "der beste Platz, um sich schon tagsüber zu betrinken".) Um es mit Solveigs Worten zu sagen: zu der Zeit sieht es auch noch ziemlich human aus. Nach dem Freibier sind wir dann aus dem VIP-Bereich - yeaaaaah - in den normalen Bereich umgezogen und haben erst einmal... ja was eigentlich?... weiter getrunken bis das Hotel unser Zimmer fertig hatte. Also Gepäck ins Zimmer gestellt und wieder... es wiederholt sich alles.
Kleiner Exkurs an dieser Stelle. Ich hatte schon auf dem Hinflug bemerkt, dass ich große Mengen Bier nicht mehr vertrage und daher lieber eine Säule Cuba Libre als Bier bestellen würde. Meine Aussage "Cuba Libre vertrage ich besser" wurde zum running gag, da ich es an dem Nachmittag nach einem Cuba Libre geschafft habe, im Mega-Park einzuschlafen. Einige meiner Kollegen werden vielleicht auch noch wissen, dass ich mit dem Zeug mal einen schrecklichen Abend in Würzburg hatte. Aber nur, weil er viel schneller gemischt ist, als so ein Mojito.
Zurück zum Thema. Der Schlafmangel vom Boot führte also dazu, dass ich während der Bundesligaübertragung eingeschlafen bin. Das war ein klares Signal ins Bett zu gehen. Um es mit den Worten von Murtaugh (Lethal Weapon) zu sagen: Ich bin zu alt für den schei*. Zum Glück ging es den anderen nicht besser, so dass wir einen ruhigen Abend verbrachten.
Der ursprüngliche Plan sah dann für den nächsten Tag Strand vor. Der Wetterbericht hatte aber irgendwie etwas anderes im Sinn. Egal, wir haben uns mit einer Männerhandtasche (na, klingelt es?) in den Sand gelegt und uns von den Wolken bräunen lassen. So attrakti... also so drei Typen sehen für die weiblichen Promoter (oder auch Promoterinnen) natürlich wie leichte Opfer aus, was für einige Unterhaltung sorgte. Ok, männliche Promoter hielten uns wohl auch für verzweifelt und sprachen uns an, aber zurück zum Thema: Die Promoterin war natürlich aus dem Pott, nicht zu stark bekleidet, blond und hatte eine etwas schweigsamere Kollegin dabei, die allerdings die Getränkeliste auswendig aufsagen konnte. Dass sie auch intellektuell beschlagen war, wollten sie uns gleich beweisen, indem sie auf Marcs Buch (Illuminate) schaute und sagte: "Ach Steve Brown, das habe ich auch gelesen." Nicht, dass der Name des Autors nicht auch korrekt auf dem Buch gestanden hätte... Egal, sie wollten Tickets für ein Partyboat verkaufen und Marc wollte unterhalten werden. Marc hat im Gegensatz zu den Mädels sein Ziel erreicht und ich muss sagen, dass ich mich auch prächtig amüsiert habe. Nicht nur, dass sie persönlich der Kapitän des Boots war, nein sie hat es sogar selbst gebaut und rosa angemalt. Was das Wetter anging, konnten sie uns versichern, dass es erst am Abend regnet und sie auch ständig im Kontakt mit dem Wetterdienst in Palma wäre. Nur was hilft das, bei Regen auf der See? Ansonsten stach das Boot durch seine "familiäre" Atmosphäre hervor. So 126 Leute lernt man ja in 4 Stunden schnell kennen. Es gäbe Boote mit 400, das wäre ja viel zu viel. Ich will gar nicht wissen, was die für einen Aufwand getrieben haben, um die optimale Gruppengröße von 126 zu ermitteln. Länger als zwei Minuten will man ja eh mit niemanden reden.
Man muss aber sagen, dass sie das wirklich nett gemacht haben, im Gegensatz zu den Sonnenbrillen-, Hut-, Uhren-, Massage- und Früchte-Verkäufern... oder den Jungs aus diesem komischen Club, dessen Name mir entfallen ist. Da gab es bei einer all-you-can-drink-Jacky-Party 4 Jacky-Shots inklusive. Say what?
Pünktlich zum Spiel der Eintracht (egal ob Braunschweig oder Trier, Eintracht sind nur wir!) haben wir uns dann wieder in dem Mega-Park eingefunden. Auch hier hat sich wieder gezeigt, dass Malle fest in der Hand der Schwaben und des Potts ist. In dem riesen Ding gab es mit uns dreien vielleicht 10 Eintracht-Fans. Wobei der Rest eigentlich alles Offenbacher sein müssten, da die alle bei "Wer nicht springt ist Offenbacher" stehen geblieben sind. Wie auch immer, ganz wichtiger Auswärtssieg und im Hoch der Gefühle, lässt man sich da schon eher irgendeinen Mist andrehen. Bei uns ist dabei dieses Foto rausgekommen. Und nein, das Trikot ist keine Kindergröße sonder L.
Wenn man allerdings Eintracht-Fans trifft, dann sind es auch echte. Als ich meinen Cuba Libre (und das ohne einzuschlafen) weggebracht habe, hat sich in der Nebenkabine gerade jemand den Mittag durch den Kopf gehen lassen. Das hielt ihn aber nicht davon ab, nach dem Spülen gleich wieder ein schönes "schwarz (und) weiß wie Schnee, ist nur die SGE, wir holen den DFB-Pokal und wir werden deutscher Meister, Meister!" anzustimmen. Ich sage nur "Europa, wir kommen!". Und das sollte man als Drohung verstehen.
Mittlerweile hatte es dann angefangen zu regnen und daher haben wir uns an die Hotelbar am Pool gesetzt. Die Logik dahinter erschließt sich mir in der Retroperspektive auch nicht vollständig, ich bin mir aber sicher, dass es eine gab. Hinter der Bar stand eine junge Lettin, die angestrengt versuchte, irgendwelche Tätigkeiten zu finden, um nicht mit uns reden zu müssen, aber da wir die einzigen Gäste waren (und das bei so schönen Regengüssen), kam sie nicht ganz darum herum. Immerhin hat sie eine Runde Vodka mit uns mitgetrunken (bzw. Vodka + das komische grüne Zeug, was sie sich dazu geschüttet hat) und uns noch eine Runde ausgegeben.
Am Abend waren wir dann in einem echt guten Restaurant und sind von da ins Riu Palace zu einem DJ-Battle. Ich habe es so noch nicht erlebt, dass ein Hip-Hop-DJ-Duo gegen ein House-DJ-Duo angetreten ist, so gab es aber wenigstens genügend Abwechslung. Ich musste nur auch hier wieder feststellen, dass wir ganz schön alt geworden sind. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden (geschätzt) 14jährigen Mädels einen Schock für's Leben bekommen haben, als Turner und ich zu Klassikern wie Party up von DMX so richtig abgegangen sind. Mit 1,50 und 40 Kilo Lebendgewicht wirken so knappe 1,90 mit knapp 80 Kilo Lebendgewicht, die neben einem auf und anspringen und pogen sicher gefährlich. Es haben aber alle überlebt.
Ansonsten gibt es von dem Abend aber echt wenig zu erzählen, oder Jungs? Zum Abschluss gab es noch die obligatorische Currywurst beim Wurstkönig (oder war es Grillmeister?) bei der man aber auch in unserem Zustand - damit meine ich natürlich vor allem die Müdigkeit und den Hunger - gemerkt hat, dass sie einfach nicht gut ist. Ich will nicht wissen, was das über die Wurst aussagt.
Da sich das Wetter weiter gegen uns verschworen hat, sind wir am nächsten Tag zum Tapas Essen noch mal nach Palma gefahren. Mir kam das insofern entgegen, als ich dort auch noch meine Schuhe abholen musste, die auf unserem Boot liegen geblieben waren. Turner hatte sie mit seinem Ordnungsfimmel... nein, so kann man das nicht schreiben. Turner hat sie aus irgendeinem Grund in ein Fach geräumt, in dem eigentlich nur seine Sachen waren und beim Einpacken hat sich dann jeder auf den anderen verlassen. Wie auch immer, ich habe also unseren Skipper, der noch im Hafen war, gebeten, die Schuhe mit von Board zu nehmen. Darauf schrieb er mir, dass er sie hat und sie jetzt auf dem Boot seien, mit dem er an dem Tag ausläuft. (Das war noch bevor wir nach Palma gefahren sind.) Ein wirklich pragmatisches Kerlchen. Also musste ich ihm noch eine SMS schreiben, um ihn zu beten, die Schuhe doch nicht mit auf's Meer zu nehmen sondern bei unserem Charterer oder beim Hafenmeister abzugeben. Mich wundert es nicht, wenn seine Handyrechnung sehr hoch ist...
Also bin ich zu unserem Charterer gegangen. Schuhe? Nie gehört. Dann zum Hafenmeister. Zapatos? Nie gehört. Als wir schon am Gehen waren, entdeckte Turner dann ein mit Kreppband zusammengehaltenes Bündel, was am Pier auf einer Schulterhohen Kiste lag und vom Regen durchnässt war. Ihr ahnt es; das waren meine Schuhe. Man konnte sie aber auch eigentlich gar nicht übersehen, auf der Unterseite hatte er ja mit Edding geschrieben "Für Nicolas Justus"... sehr... pragmatisch.
Das Abendprogramm bestand dann aus der Mega-Arena, die auf keinen Fall mit dem Mega-Park zu verwechseln ist, weil sie ja unten drunter liegt, und dem Bierkönig. Wenig Spektakuläres, außer, dass im Nebenraum wohl Jürgen Drews aufgetreten ist, was ich gar nicht mitbekommen habe. Ich war zu sehr mit dem Typ beschäftigt, der mich immer wieder von der Tanzfläche geschmissen hat, weil man dort kein Getränk in der Hand haben durfte!?
Da die Wurst ja nicht so der Hit war, entschied sich Marc in dieser Nacht zum Abschluss 2 Stück Pizza, eine Käsewurst, einen Teil unserer Portion Pommes und dann noch einen Mini-Döner zu essen. Das ist schon nicht schlecht, die wahre Leistung erschließt sich einem aber erst, wenn man weiß, dass er zum Frühstück (also etwa 5 Stunden später) dann zwei Spiegeleier auf einem Brot mit Schinken und Käse gegessen hat, um das dann noch mit einer Portion Pancakes abzurunden.
Und dann war es auch schon vorbei. Um es mit den Worten der größten hessischen Philosophen der Neuzeit zu sagen: "Als wir dann auf der Fähre standen und ich dem Bürgermeister ins Gesicht gespuckt habe, weil er mich so herablassend angeschaut hat, da war ich schon ein bisschen traurig, dass der Urlaub schon vorbei war. Zum Glück haben wir schon für das nächste Jahr gebucht." "Was, ihr auch?"




