Laut meinen Xing Profil sind Reisen und Geschichte zwei meiner "Interessen". Da habe ich mir gedacht, dass es doch mal wieder Zeit wäre, die beiden zu vereinen. Und welches bessere Ziel kann es da geben, als die Hauptstadt des Osmanischen Reiches VOR der Eroberung Konstantinopels? (Hihihi, da steckt Opel drin.) Der geneigte Leser weiß sofort; es geht um Bursa. Klingt komisch, ist aber so.
2 Millionen Menschen, gelegen zwischen Gebirge und dem Meer, Hauptstadt eines der größten Reiche, die es jemals gab… das klingt schon spannend. Ist es aber leider nicht. Ansonsten hätte Bosch dort ja auch nie ein Werk hingestellt. Ach was sage ich, es sind wohl 4 an der Zahl. Ich hätte gewarnt sein müssen, als eine Kollegin meinte, dass ihr Highlight in Bursa das Frühstück unterm Baum war.
Ganz so hart möchte ich da nicht sein. Es gibt auch eine Moschee, die 12 Kuppeln hat, weil der Sultan Gott (wir haben ja alle den gleichen, nur etwas andere Auffassungen, wer zuletzt in seinem Namen gesprochen hat) 12 Moscheen im Falle eines Sieges versprochen hatte, dann aber nur Geld für eine hatten. Trickreich die Osmanen. Dann gibt es eine Moschee, wo einer eine Plantane gepflanzt hat, der auf einem Hirsch in die Schlacht geritten ist… und dann gab es noch 10000000 andere Moscheen. Vielleicht habe ich jetzt auch die ein oder andere vergessen. Kein Sultanspalast, kein Harem, keine Lustgärten… einfach nichts. Und die Bergbahn auf den höchsten Berg war geschlossen, weil wohl ein Kind dort gestorben ist. Wie kann man bei einer Gondelfahrt sterben? Das Highlight meiner Begleiterin auf der Stadttour war in Folge dessen ein Schaf, das am Baum angebunden im Stadtpark gegrast hat. Ich denke das beschreibt den touristischen Wert der Stadt sehr gut.
Das Frühstück unterm Baum war hingegen wirklich klasse!
Das sieht jetzt zwar eher nach Mittagessen aus, aber es hat hervorragend geschmeckt und war dafür noch echt günstig. Das besondere an dem Ort ist, dass man unter einem Baum sitzt, der 920 Meter Umfang haben soll. Ich habe jetzt nicht nachgemessen, aber er war auf jeden Fall riesig und hat jede Menge Schatten gespendet. Im Sommer ist das sicher prima, im Herbst hätte es hingegen auch gerne etwas Sonne sein dürfen.
Wie auch immer, essentechnisch ist die Türkei schon mal ein prima Land. Trinktechnisch wird es da schon etwas schwieriger. Nicht, dass man keinen Alkohol bekommt, nur halt nicht überall. Vor allem nicht in Clubs, was aber daran liegt, dass es in Bursa gar keine gibt. Das macht die Abendplanung auf jeden Fall etwas einfacher. So kann man gleich in der Ausländersiedlung bleiben, die aber wirklich alles bietet, was man so braucht. Ein 50 Meter Pool in der Mitte und da das nicht reicht auch gleich noch einen 25 Meter Pool am Rand. Leider nicht geheizt, weswegen das Bad bei 20 Grad Außentemperatur doch sehr, sehr kurz wurde. Wieso macht man das überhaupt? Um nicht als Weichei zu gelten! Vielleicht werde ich mit 30 dann ja ein bisschen reifer.
Womit wir schon beim Kern der Reise sind. Es ging nicht um Bursa, sondern darum mit guten Freunden, die zum Teil nicht mehr im Block erwähnt werden wollen (Spaaaaaß, jeder freut sich), eine gute Zeit zu haben. Das hat auf jeden Fall geklappt. Verglichen mit so manch anderem Bosch/Rexroth Standort ist Bursa auch wirklich attraktiv… wenn die nur ein bisschen Englisch verstehen würden. Ich glaube ich habe mich sprachlich noch nie so verloren gefühlt. Zum Glück hatte ich eine Synchronübersetzerin dabei, die mit in Summe vielleicht 5 Worten Türkisch zumindest alles hinbekommen hat.
Kommen wir aber zurück zur Linie 18. Da wir die Clubszene von Bursa ja in einer Nacht durch hatten, waren wir das Wochenende in Istanbul. Ich weiß nicht, wie toll die Stadt vor Erdogan war, aber sie hat mich auch so schon sehr gut gefallen. Gut, die Anzahl seiner Bilder erinnert schon ein bisschen an eine Diktatur, aber es sind auch nicht mehr Bilder, als von Seehofer in Bayern hängen.
Die Hagia Sophia war ein Traum, das Wetter fabelhaft, das Essen sehr lecker und die Nacht sehr lang. Die machen dort noch um 3 Uhr morgens Livemusik im offenen Kaffee in einer Lautstärke, dass man eigentlich Oropax bräuchte. Respekt!
Ich würde ja gerne, aber ich kann eigentlich nichts Schlechtes erzählen. Ok, im Bad hing noch die Boxershorts vom Vorgänger und das Bett stand so vor dem Schrank, dass man ihn nicht aufmachen konnte… aber wen interessiert's? Würde ich den Macho raushängen lassen wollen, würde ich natürlich noch anmerken, dass es toll ist, dass die Frauen in der Türkei kaum was zu sagen haben… das hat aber eigentlich nur Nachteile, da alle automatisch erwarten, dass der Mann zahlt… und das ist bei 4 Frauen doch relativ teuer. Außerdem wäre ich ohne die Damen zugegebener Maßen relativ aufgeschmissen gewesen.
Wo wir gerade bei Frauen und Bezahlen sind. Ich habe mir an Halloween eine Currywurst gekauft und ein paar Mädels haben sich überlegt statt "trick or treat" einfach "Worscht oder Pommes" zu sagen. Und wisst ihr was? Sie haben zwei Portionen Pommes geschenkt bekommen, während ich dafür zahlen musste. Soweit ok, aber dass sie dann auch noch vor mir bedient wurden, obwohl sie danach kommen, fand ich dann etwas zu viel des Guten. Ich sage es ja immer… im meinem nächsten Leben werde ich eine gut aussehende Frau!
Kommen wir zurück zur Geschichte. Wusstet ihr, dass Konstantinopel verloren wurde, weil der Schutzengel einfach 5 Tage vorher seinen Platz in der Hagia Sofia verlassen hat? Unverschämt, oder? An der selben Stelle hat dann der Sultan seinen Daumen in eine Loch gesteckt und damit die Kirche neu ausgerichtet, so dass sie nun nach Mekka zeigt. Krasser Typ der Sultan. Hat aber nicht gereicht... sie mussten den Altarraum dann doch etwas umbauen, damit dieses zentrale Ding (keine Ahnung wie es heißt) nach Mekka zeigt. Sie jetzt etwas unsymmetrisch aus. Trotzdem stehen da jetzt jeden Tag Touristen und stecken ihren Daumen in das Loch, um sich etwas zu wünschen. Ich habe das lieber gelassen, da es sicher komisch gekommen wäre, wenn ich laut "72 Jungfrauen im Paradies" als Wunsch gerufen hätte. Ich glaube, da verstehen die keinen Spaß.
Das Foto ist übrigens die blaue Moschee, die direkt neben der Hagia Sofia liegt.
Was gibt es noch zu erzählen? Auf dem Rückflug waren wir zu dritt und ich dachte erst, dass wir die schlechteste Check-In-Schalter-Bedienung aller Zeiten hatten, da sie etwa 15 Minuten für die Aufgabe gebraucht hat. Sie kam wohl nicht damit klar, dass sie die Meilen noch gutschreiben sollte, wollte das aber auch nicht zugeben und saß einfach 5 Minuten stumm vor ihrem Bildschirm. Ihre außerordentlichen Fähigkeiten sorgten aber dafür, dass keiner von uns den ursprünglich reservierten Platz bekommen hat. Das war aber aus Sicht von 2/3 unserer Reisegruppe gut. Nein, nicht weil sie nicht mehr neben mir sitzen mussten, sondern weil beide in der Business Klasse landeten und ich in Economy blieb. Es gibt Tage da verliert man und es gibt Tage da gewinnen die anderen. Ok, im Prinzip saßen sie dann auch nicht neben mir, aber das war nicht der Gewinn... glaube ich zumindest.
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