Zurück zum Thema: Ich war Segeln und das nur ganz zufällig um Mallorca herum. Ich war also erst einmal nicht auf Malle, damit gar nicht erst ein falscher Eindruck entsteht. Da ich keinen Segelschein habe und die anderen zwei Hessen auch nicht, haben wir ein Kojencharter gemacht. Will heißen: Wir bezahlen jemanden der gerne segelt dafür, dass er mit uns segelt. Super System, das müsste es für meine Hobbys (müsste es Hobbies sein?) auch geben. Wenn mich jemand für's Schlafen bezahlt, bin ich fast alle meine Sorgen los.
Wie auch immer, man sperrt sich also freiwillig mit Unbekannten auf ein Boot ein und hofft darauf, dass man miteinander klar kommt. Bei Segeln ist es aber zum Glück gute Sitte, dass man jede Menge sozialen Katalysator (sprich Alkohol) mitnimmt. Wie sagte schon Kasperle (Link): Zum Sport braucht man(n) Krombacher, Bittburger, Warsteiner... Klassischer Weise trinkt man nach dem Ankern oder Anlegen ein Ankerbier. Wir hatten dann meist noch ein Kochbier, ein vor dem Essen Bier, ein zum Essen Bier, ein Aufräumbier, ein Spühlbier und wenn uns sonst nichts mehr einfiel ein Bierbier. Ist fast wie Kettentrinken. Oder eher Kettensport! Das Schwimmbier sollte man auch nicht vergessen. Nüchtern springt doch keiner in die Brühe vor Mallorca. (Dazu im nächsten Eintrag mehr.)
Zurück zur Gruppe. Im besten Fall sind es 10 Hessen, wenn man Pech hat nur drei.
"Hip, Hop, Rave, runner von dem Haus! Unn lass dess Medall da!" (Link)
Alles in allem war es aber eine sanfte Geburt, auch wenn - jetzt malen wir mal nicht den Teufel an die Wand - auch Mädchen dabei waren. (Keinen Link gefunden) Die Besatzung kam aber trotzdem prima miteinander aus. Vielleicht lohnt eine kurze Vorstellung.
- Kerstin "die Pütz" (seemännisch für Eimer) war nicht rund wie ein Eimer sondern nicht unbedingt seefest. Macht nichts, so lange alles im Eimer landet. Den muss man dann nur auch leeren, ansonsten könnten ihn jemand (hallo Markus) umwerfen und man hat das Frühstück über ganz Achtern verteilt. Dann kann man allerdings trefflich darüber diskutieren, ob das jetzt Eier zum Frühstück waren...
- Katrin a.k.a. Kristina. Genau wie Kerstin war sie Schwäbin und Lehrerin. Klingt in der Kombination erst einmal gefährlich, das war sie aber vor allem, da sie Kampfsport betreibt. Solche Leute sollten man nicht reizen. Da mein Namen/Gesichtsgedächtnis aber nicht so richtig funktioniert, habe ich sie trotzdem durchgängig Kristina genannt. Sie war sehr friedlich.
- Markus the Vampire war Berater vom Niederrhein und hat jeden Morgen die Sonnencreme mit dem Eimer Deckweiß vertauscht. Ihr Kennt die Leute, die sich Zink auf die Nasenspitze machen? Ungefähr so, nur im ganzen Gesicht.
- Markus war mit Jürgen "360°" angereist, dank dem wir beinahe die 150 Seemeilen geknackt hätten. Seinetwegen haben wir uns mehrmals im Kreis gedreht, was nicht zwingend notwendig war. Aber so bekommt man Meilen zusammen.
- Steffanie "Steff" hat für jede 15 Minuten, die sie am ersten Tag zu spät kam, einen Buchstaben am Ende des Namens verloren. Wie viel Minuten kam sie wohl zu spät? Richtig. Der verkürzte Namen war aber sicher das kleinere Problem. Als letzter Ankömmling hatte sie das Glück, sich die Kabine mit unserem Skipper zu teilen. Der war nicht nur über 30 Jahre älter und hat jede Nacht geschnarcht. Nein, er hat sich auch jeden Morgen beschwert, dass sie ihm überhaupt nicht näher gekommen wäre. Wenn es mit viel gutem Willen am ersten Tag noch lustig war, so wurde es von Tag zu Tag trauriger. Ich glaube es lag daran, dass er nur zwei verschiedene Slips (ja, Slips - keine Boxershorts) dabei hatte. Ich weiß nicht viel über Frauen, aber wir Männer fanden das schon nicht gut.
- Dann gab es noch Michael "the sun" aus dem Pott. Er hat sich im Kroatienurlaub schon mal vorgebräunt, so dass er auch gerne breitbeining vorne an Deck saß, um die letzen Stellen, die sonst nie die Sonne sehen, braun zu bekommen.
- Hesse Nummer 1 war Marc "Holly" der seinen Spitznamen alleine schon verdient hatte, da er als Mann mehr Gepäck an Board hatte, als der Rest der Crew zusammen. Eigentlich haben wir ihn aber so getauft, da er einen Werbevertrag mit Hollister unterschrieben hat und seitdem nur noch deren Kleidung tragen darf. Dank ihm weiß ich nun auch, dass Rotwein auf einer rosa Hose nicht unsichtbar ist, sondern blaue Flecken macht.
- Hesse Nummer zwei war Turner "er braucht keinen Spitzname" Tunersson, den die meisten wohl zu genüge kennen. Brau mer garnedd drübber redde! Könnd isch grad verrüggd wedde.
- Bleibt noch der Skipper Johannes "isch so" Binzbescher. Wie man sich schon denken kann ein Schwabe. "Isch so!" Als Seemann hielt er es wohl auch für seine Aufgabe, so viel Seemannsgarn (also Lügengeschichten) wie möglich zu spinnen. Das kann ja lustig sein, nur nicht, wenn nach jedem zweiten Satz ein "isch so!" folgt. So erzählte er uns z.B., dass die Bild-Zeitung sich per Gerichtsurteil nicht mehr Zeitung nennen darf, da der Wahrheitsgehalt kleiner als 30% sei. Ich muss ja bei einem Dummheitsgehalt von größer 30% immer schmuzeln, was mir gerne als Arroganz ausgelegt wird. Johannes fixierte einen dann aber immer und sagte bestärkend: "Ja du lachsch; dess isch so!" Worauf hin ich noch mehr lachen mussten. Ein Teufelskreis! Johannes macht auch jeden Tag 100 Liegestützen (nur nicht, wenn er auf Reisen ist) und schmeißt in Lateinamerika mit einem Messer bewaffnete Einbrecher aus dem Fenster. Do heischd es der oder ich. Isch so! Ich habe ja in meiner Zeit in Lateinamerika gelernt, dass man immer auf den mit dem Messer setzen sollte.
Der Fairness halber muss man aber sagen, dass die anderen eventuell auch meinen, dass wir Hessen uns immer wiederholt haben. So kam bei jedem Mietwagen unweigerlich ein "Pedro Car? Sagtest du Pedro Car?" (habe leider online keine Version von "Badesalz - Mallorca" gefunden, nur den Ausschnitt) oder auch nach den kleinsten Erfolgen ein Mehrstimmiges "Mir habbe ... gewonne!" (12 aus 12) Beliebt sind natürlich auch immer Zitate aus "Gereizt" (Dess gehd dich ei Scheißdregg an!) oder im Sommerurlaub auch "isch binn in de Sonn eigeschlofe, in de Sonn eigeschlofe!" (Link) Eigentlich wollten sie für unsere Aufgaben ja auch Affen nehmen, aber die müssen auch sparen. Naja, was die Spanier nicht im Kopp habbe, dess habbe sie in der Hos. So ging das Tag ein und Tag aus. Will heißen: Wir hatten unseren Spaß.
Jetzt bin ich noch gar nicht zum Segeln gekommen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr.
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