Samstag, 9. März 2013

Heeeeeeey, ab auf die Piste...

... der Sonne hinterher (ey jo was geht?), der Sonne hinterher (ey jo was geht?). Zuerst mal ging gar nichts, bis ich meine Skikleidung gewaschen haben. Und damit meine ich nicht die lange Skiunterwäsche, die Mütze, den Schal, die Handschuhe oder so etwas. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben meine Skijacke in die Wäsche geschmissen und die Hose gleich dazu.
Geht das? Ja, bis 30°! Muss man das machen? Eigentlich nicht; das Verhältnis von 1 Woche Nutzung und 51 Wochen Lüftung hat bisher immer gereicht. Ja und wieso habe ich es dann gemacht? St. Anton macht es möglich bzw. eher nötig. Wir haben noch die ganzen Rückfahrt am Freitag den Geruch vom Apres-Ski vom Donnerstag Abend genießen können und das trotz 3-stündiger Lüftungsfahrt am Morgen. Es war dieser herrliche Geruch nach getrocknetem Bier und Sekt, überzogen mit einer Patina aus altem Frittierfett... aber der Reihe nach.

Eine kleine Gebrauchsanweisung für einen Urlaub in St. Anton. Zu aller erst muss sich die Skigruppe noch vor der Abfahrt ein Kostüm-Thema aussuchen. In St. Anton fällt man nämlich nicht durch ein Kostüm auf, sondern nur, wenn man keines trägt. Dann braucht man ein Wörterbuch. Das benötigt man aber nicht, weil die Tiroler wie die Schweizer klingen, sondern weil die Tiroler lieber die Engländer arbeiten lassen. Deren Deutschkenntnisse umfassen ja meist nur die Worte Sauerkraut, Blitzkrieg und Panzerfaust, was nicht reicht, um meine Bestellung beim Aperes-Ski zu verstehen. Schnell "drei Jägermeister" im Wörterbuch nachgeschlagen und "three jagermysder" bestellt... schon ging es.
Den restlichen Platz im Koffer kann man dann getrost mit Bargeldbündeln auffüllen; man wird die schon los.

Ich dachte ja bei der Abreise nach Österreich noch, dass ich zu viel Bargeld abgehoben hatte. Diese Bedenken waren aber schnell verstreut. Ich zahle ja gerne für Qualität und zitiere immer wieder gerne die Ärzte mit "es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich". In St. Anton gilt aber eher "und ich weiß jeder zweite hier ist genauso doof wie ich". Das zielt jetzt nicht auf meinen Intellekt, sondern auf den eines durchschnittlichen betrunkenen Engländers... also eines Sturzbetrunkenens. Wirklich alles voll mit Engländern. Ihr versteht die Doppeldeutigkeit von voll an dieser Stelle. Nun kann man unseren Freunden und ehemaligen EU-Partnern von der Insel sicher viel vorwerfen, nur nicht, dass sie nicht feiern können.
Ich frage mich, wie der Flughafenmitarbeiter geschaut hat, als der eine Engländer seine Skiausrüstung eingecheckt hat, die aus einem Ski bestand, der zum Getränkehalter umfunktioniert wurde und einem, der eine Trinkrille auf der Rückseite hatte, um das hier zu machen:

Der deutsche Durchschnittsingenieur wird sich fragen, ob da nicht die Hälfte daneben geht? Sie tut es. Der Durchschnittsschwabe wird fragen, ob das nicht verdammt teuer ist, dort ein halbes Bier zu verschütten? Ich als gebürtiger Wiesbadener kann nur sagen: Die Preise kenne ich so auch aus Wiesbaden. Außerdem ist das Bier ja nicht verloren. Es verteilt sich einfach auf die Jacken der anderen Gäste. Das erklärt auch die erste Geruchskomponente der Skijacke. Die zweite Komponente lässt sich auch schnell erklären. Ältere Männer, die jüngere Frauen (oder vielleicht auch sich selbst) beeindrucken wollen, kaufen Sektflaschen, um sie dann in die Menge zu spritzen. 
Wie kann man sich das alles leisten? Z.B. als australischer Klempner. Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht. Aber wir haben definitiv eine Gruppe Australier getroffen, nachdem ich einmal grundlos "Aussi, Aussi,  Aussi, oi, oi, oi" in die Menge gerufen habe. Das "oi, oi, oi" kam dann schon aus mehreren Kehlen. Und der einen von denen hat wirklich behauptet, er sei Klempner und er würde hier halt für zwei Wochen nach St. Anton kommen und Party machen. Er stand dann auch später splitternackt auf der Bar, aber das wollen wir hier nicht vertiefen. 

Was gibt es sonst noch zum Aperes-Ski zu sagen? Man kann dabei interessante neue Shots kennen lernen, man kann Bierbänke zertrümmern und über die Brüstung schmeißen (sehr englisch und nicht empfehlenswert, daher auch nicht ausprobiert!) und als Schwabe kann man auch seinen eigenen Alkohol mitbringen. Halt... nicht immer auf die armen Schwaben... die Berliner hatten auch Jägermeister mitgebracht. Zuletzt kann man von meinen Freunden auch immer wieder lernen, wie man Frauen am effizientesten los wird. Bisher lag ja R. ganz weit vorne, der in Shanghai zu einer Französin meinte "You are French? So where is your funny accent?". Der Akzent war weg und sie gleich mit. Im Skiurlaub meinte nun ein Mädel, sie wäre als stämmig bezeichnet worden (fishing for compliments), worauf hin einer meiner Begleiter doch tatsächlich sagt: "Immerhin hat er nicht gefragt, ob du schwanger bist". Bääääääääm. Bei so Vorbildern habe ich keine Fragen mehr, warum ich single bin.
Der nächste Spruch war dann leider schon so jugendunfrei, dass man ihn hier nicht wiederholen kann. Für alle mit Fantasie; was sollte man eine Frau nicht fragen, die bei Leitz arbeitet? Die mit den Ordner.

Nun gut, ich denke das reicht an Erzählungen zum Krazy Kanguruh (schreibt sich wirklich so). Wer wissen will, wie es davor, da drinnen und drum herum abgeht, kann sich das hier anschauen:
Unterwäsche gibt es aber erst der Mitte. 
Wir waren übrigens nicht im Mooserwirt, der nach Eigenreklame wohl schlechtesten Hütte am Arlberg. Ich glaube deren Taktik ist es, durch noch höhere Preise die untersten Schichten der Partygäste auszuschließen. Das hat bei uns schon mal gut geklappt.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema des Urlaubs, der Panoramafunktion meines Handys. Spaaaaß. Natürlich zum Ski bei herrlichstem Königswetter, wie dieses Foto beweisen soll. 

Wir haben wirklich nicht viel Apres-Ski gemacht, sondern sind die meiste Zeit bei genialem Wetter gefahren. Leider aber nicht mehr so viel, wie in den besten Zeiten. Mit dem Alter hat das sicher nichts zu tun. Es muss das Material sein. Wie auch immer, wir haben uns darauf geeinigt, dass wir an einem halben Tag zu dritt immer noch mehr Pistenkilometer fahren, als das halbe Krazy Kanguruh in Summe an einem ganzen Tag. Am letzten Tag sind wir da wirklich schon um 15:00 Uhr aufgeschlagen und die Tische waren schon so voll, dass man keinen Platz mehr bekommen hat.

Ich persönlich möchte versuchen, die nachlassende Kondition voll und ganz auf das Material abzuwälzen, da ich mir neue Ski gekauft habe. Die ersten zwei Tage habe ich zwei Paar Leihski ausprobiert und bin jeweils ein Mal hingefallen. Leider beide Male auf die linke Oberschenkelseite, weswegen ich dort einen handtellergroßen bleuen Fleck habe. Das zieht natürlich auch an der Kondition... oder so. Und natürlich war nur das neue Material Schuld. Bei diesen neuen Löffelski kann man nicht mehr Stiefel an Stiefel fahren... gut, ich hätte auch von mir erwartet, dass ich die intellektuelle Höchstleistung, das zu erkennen, auch ohne zwei Stürze schaffe... aber was soll's? Glücklich wurde ich erst, als der Laden mir dann zwei Jahre alte Ski verkauft hat, die zum Glück noch nicht so tailliert sind und damit für mich viel besser. Waren dann auch gar nicht mehr so teuer und ich bin nicht mehr gefallen.

Ich bin auch froh verkünden zu können, dass ich mit neuen Ski zum ersten Mal Thomas (immerhin mit neuen Skistiefeln) bei der Geschwindigkeitsmessung schlagen konnte. Vielen Dank für dieses frühe (oder späte?) Geburtstagsgeschenk. Ansonsten kam ich an dieser menschlichen Kanonenkugel (bezieht sich rein auf die Geschwindigkeit und nicht auf die Bauform) nie vorbei.
Die Messstrecke befand sich aber nicht St. Anton sondern am xDrive Mountain, der scheinbar in Zürs und Lech liegt, da dort alles mit BMW-Werbung zugepflastert ist. Selbst die Messstrecke wird von BMW gesponsert. Das Konzept haben die Hütten in Lech dann auch gleich aufgegriffen und bieten jetzt nur noch xLunch Mahlzeiten an; x wie in exklusiv. Zum Mittag kurz mal 23,90 für ein Schnitzel und zum Runterspühlen ein Weizen für 6,90. Ich glaube so viel habe ich in meiner Kindheit auch dort bezahlt. Damals aber noch in Schilling. Anscheinend will Lech nun auch ein wenig russischer werden. Schade drum. "Billiges" Essen gab es vor allem auf der Hütte in Stuben, was man auch sofort an dem stark erhöhten Anteil an Holländern merkte. Müssen sich eigentlich alle Klischees immer bestätigen? Und sind es dann noch Klischees?

Kommen wir zum Abschluss aber noch zu der dritten Geruchskomponente meiner Skijacke: Frittierfett.  Das kam daher, dass wir am letzten Abend eventuell einen Schluck über den Durst getrunken haben und mit dem daraus resultierenden Heißhunger gefühlte 2 Stunden in dem Burger- und Pizzaladen auf etwas zum Essen gewartet haben. Wie wir und vor allem die ganzen Engländer es an dem Abend unverletzt ins Dorf geschafft haben, bleibt mir dabei ein Rätsel. Die Apres-Ski-Hütten in St. Anton liegen nämlich nicht im Tal, wo sie hingehören, sondern schon noch am Berg. Dass wir uns nicht selbst verletzt haben, lässt sich noch dadurch erklären, dass wir abgeschnallt haben und mal vor und manchmal auch hinter den Ski hergerutscht sind. Ziemlich viele haben das aber noch auf Ski gemacht und das sah nicht sicher aus, wodurch es auch für Unbeteiligte gefährlich wurde.
Alternativ bietet sich noch ein Taxi an, dass da zwar hoch fährt, für die 3 Minuten aber auch gleich 15 Euro nimmt. Deswegen habe wir auch eine Reservierung in Stuben platzen lassen, zu der wir im ursprünglichen Plan eigentlich selbst mit dem Auto fahren wollten. Apres-Ski war aber irgendwie so lustig, dass wir danach nicht mehr Auto fahren sollten und eine Fahrt nach Stuben im Taxi, hätte schon 63 Euro gekostet. So viel wollten wir dann doch nicht essen, dass sich das noch lohnt.