Samstag, 17. November 2012

Ich brauche keinen Privatjet denn ich bin auch ohne abgehoben


Ok, wer mir sagt aus welchem Lied diese Zeile stammt, bekommt einen Preis. Ausgenommen sind ehemalige Praktikanten, deren Bacherloarbeit ich betreut habe! Die Überschrift passt aber auch, weil ich wieder gemerkt habe, wie ungern ich Economy fliege. Da zeigt sich eine gewisse Überheblichkeit… aber der Reihe nach. 

Ich hatte in der letzten Woche endlich mal wieder die Gelegenheit ein wenig zu reisen. Dabei lernt man so einiges, z.B. was in Italien so alles schief läuft. Nun ja… in Frankfurt an der Security steht vor mir ein Italiener, der am Ende des Bands um 13:10 eine Mitarbeiterin fragt, ob sie denn denkt, dass er den Flieger um 12:50 noch bekommt. Die Mitarbeiterin fragt etwas verunsichert "boarding or take-off?" woraufhin er sagt "take-off". Ihre zielsichere Antwort "unwahrscheinlich". Dem kann ich zustimmen. Nachdem der Italiener nun aber nicht die Linie für Gäste, die es eilig haben, genommen hat, ist er auch danach ganz gemütlich weitergezogen. So kann man auch das ein oder andere Sparziel verpassen. La dolce Vita. 

Ich habe auch eine mustergültige Amerikanerin getroffen, die ihren Mann an den Schalter geschickt hat, an dem groß London stand. Er sollte nachfragen, ob hier der Flug nach London geht. Sie meinte aber selbst schon "Darling, it might be a stupid question, but in any case they will think that we are stupid Americans… and that's what we are". Chapeau. 

Ansonsten haben Stewardessen in der Economy wohl auch das letzte bisschen Benehmen verloren. Die treten einem echt auf den Fuß ohne nur ein Wort zu sagen. Deswegen fliege ich privat auch lieber Business. Fairer Weise muss ich aber sagen, dass es auf dem Rückflug anstatt der gewohnten "chicken or pasta" in der Economy nur Lachs gab. Spätrömische Dekadenz at its best. Da ich den Lachs nicht essen konnte, wurden mit Früchte aus der Crew-Verpflegung gereicht. Respekt. Habe mich auch drei Mal bedankt und aus Schuldgefühlen sogar die Grapefruit gegessen. Buahahahaha war die eklig. 

Spannender als das international Reisen, war aber das Reisen in Mexiko. So gibt es dort einen Knopf, der die Reisenden den zwei Linien an der Security zuweist. Einer links. Dann einer rechts. Dann einer links. Dann wieder rechts…. und dann? Zum Glück hilft der Knopf, falls man mal die Orientierung verliert. Und nein, den Knopf drückt man nicht selbst, sondern dafür gibt es einen Angestellten. "Halt!" wird der eine oder andere sagen "In Mexiko arbeitet doch keiner alleine". Richtig! Da waren natürlich zwei. 
Ich sehe da durchaus noch Möglichkeiten für die Vollbeschäftigung in Deutschland. Für meinen Anschlussflug innerhalb von Mexiko, stand auch um 22:00 Uhr noch nicht das Gate für einen Flug fest, der um 22:15 geboardet wurde. Weisen die das Flugzeug dort kurzfristig nach Lust und Laune zu? "Jungs, die Maschine an Gate 29 ist frei. Schickt doch die Gäste für Mexicali rüber!"
Auf dem Rückflug von Mexicali nach Mexiko City bin ich dann mit der mexikanischen Ryan Air geflogen. Die haben meinen Koffer gewogen und gesagt, dass es zu viel sei. Ich könnte aber gerne noch etwas ins Handgepäck packen. Ich packe also alles vor deren Augen um, woraufhin sie mich erst mal wieder durch die Security schicken… die beim zweiten Mal natürlich auch nicht mehr findet, als beim ersten Mal. Aber alles zu meiner Sicherheit... wie auch immer. Nachdem der Koffer dann in Ordnung war, wiegen sie mein Handgepäck, um mir dann zu sagen, dass das Handgepäck zu schwer sei. Auf die Frage, warum sie mir das nicht vor dem Umpacken sagen, wussten sie auch keine Antwort. Ich bin aber gewichtstechnisch optimiert mit kurzen Baggy-Hosen + Anzugssocken und Anzugsschuhen geflogen. So und nicht anders entstehen Trends…

Warum war ich noch in Mexicali? Dort hat ein Freund aus der Bosch-Welt geheiratet. Und ich muss sagen, dass eine mexikanische Hochzeit zu gefallen weiß. Kurzprogramm: Hochzeit, Cocktailempfang, Abendessen, Party, Disko und dann Nachfeier am nächsten Tag mit Pool und Tacos. Mein Highlight waren die Mariachis, die die Ode an die Freude in der Kirche spielen. Das will ich auch! Außerdem war die Tanzfläche mit dem ersten Lied des DJs sofort randvoll, anstatt dass alle noch rumsitzen. 
Gut… ich saß trotzdem rum und habe noch den durchaus angenehmen Tequila mit einem anderen Verweigerer genossen. War er auch Deutscher? Ja! Aber zu meiner Verteidigung... ich habe mit dem Bräutigam das Lied aus Desperados angestimmt und nachdem auch der andere Deutsche meinte, dass ihm vom Tequila langsam übel wird, haben wir dann noch die Tanzfläche gerockt... aber auch so richtig.
Die Braut hat dabei auch (gefühlt) versucht, für jeden ausländischen Gast ein(e) lokalen Tanzpartner(in) zu finden. Ich habe erst dankend abgelehnt, habe bis zur Mariachi-Musik dann aber noch selbst wen gefunden. An die heißeste Brautjungfer hat sich von den Deutschen keiner so richtig angetraut, da es das Gerücht gab, dass sie zweifache Mutter ist und ernährungstechnisch sehr alternativ unterwegs ist. Das stellte sich aber am nächsten Tag als falsch heraus. Mit der zweifachen Mutter hatte ich getanzt… und das obwohl sie zumindest jünger als ich aussah. Diese Falschinformation stieß natürlich den männlichen Brautjungfern (wie heißen die denn???) auf. Keiner weiß mehr, woher sie denn kam. Die Braut meinte aber, dass man doch bei so etwas sofort bei ihr nachfragen sollte. Sie hätte das noch am Abend geklärt. Kuppeln erscheint mir dort eine Art Volkssport zu sein.
Das hat sich auch im Club gezeigt, in den wir erst so gegen 2 eingefallen sind, der dafür aber schon um 3 wieder geschlossen hat. Dort hat mich ein Mädel angesprochen, dass ihre Freundin doch mit mir tanzen wolle. Ignorieren wir hier ausnahmsweise die umständliche Kommunikation… sowas ist mir noch nie passiert. Nicht einmal in Shanghai, wo sonst jeder behauptet, zumindest von Prosti… eh Freelancern angesprochen worden zu sein. Wie auch immer. Wobei wir thematisch nahe dran sind. Ihr wisst doch alle, was Barney (How I Met your mother) an Halloween mag, oder? "If she is a nurse… she's a slutty nurse. If she is a cat… she is a slutty cat." Ich kann diese Aussage für mexikanische Halloween-Feiern nur bestätigen. Ich denke Mal, dass es der enormen Hitze in der Wüste geschuldet war. 

Kommen wir zu unverfänglicheren Themen: Mein Essensplan (nicht erwähnte Mahlzeiten wurden nicht eingenommen). Der lautete: 
Ankunft Mexiko: Tacos
Frühstück: Quesadilla (naja… fast Tacos)
Abendessen: Wurde von der Hochzeit vorgegeben
Mittagessen: Tacos
Frühstück: Hotelbuffet
Mittag: Durch Schulung vorgegeben
Abend: Tacos (2 Mal… gab noch einen Mitternachtssnack)
Mittag: Sandwich
Abend: Tacos Chipotle
Frühstück: Hotelbuffet
Mittags: Bei der Schulung gab es Tacos (die kannten mich scheinbar!)
Abends: Chipotle Halloween Special… daher ein Burrito anstatt Tacos
Ab da gab es dann tatsächlich keine Tacos mehr… und es waren noch 4 Mahlzeiten. Ich denke es wären mehr Tacos möglich gewesen, aber der Burrito hat an Halloween nur 2$ gekostet. Eigentlich sollte es diesen Preis nur für verkleidete Leute geben, aber scheinbar wurde mir die Verkleidung als deutscher Geschäftsmann abgenommen. Habe sogar meine Perücke mit den Geheimratsecken aufgesetzt. Der Unterschied war kaum zu erkennen...

Wo wir schon bei Halloween sind. Sind die 10 Gebote ein Kostüm? Und kann man das für 10 Kinder nutzen? Man kann… zumindest in den USA. Das ist zwar erschreckend, aber nicht im Sinne von furchterregend. Spannender Weise habe diese Kinder auch Sandalen mit Socken getragen. Das war furchterregend! Nun gut, die Sandale mag keine typisch amerikanische Fußbekleidung sein, aber trotzdem sind wir Deutschen scheinbar nicht die einzigen, die das machen! Yeah! Warum schauen die sich nur immer solche Dinge bei uns ab?