Sonntag, 23. September 2012

Lass uns Wellenreiten gehen

Bei der Überschrift musste ich echt lange nachdenken. Eigentlich finde ich das Lied von den Sportis ja etwas lahm, aber Surfin USA hätte nun nicht so richtig auf Spanien gepasst. Und "die perfekte Welle" ist ja seit den Ereignissen in Indonesien politisch etwas vorbelastet. 

So ist aber wenigstens gleich klar, dass es ums Wellenreiten geht. Die meisten, denen ich gesagt habe, dass ich nach Spanien Surfen gehen, dachten erst mal ich würde Windsurfen meinen. Scheinbar wirke ich nicht wie der typische Surfer. Wieso eigentlich nicht? Meine Haare machen was sie wollen und wenn ich sie wachsen lasse, habe ich auch Locken. Nicht zuletzt sind sie laut Friseur (dunkel)blond. Ich kann auch toll "hang loose" sagen. Trotzdem wird mir das Wellenreiten wohl nicht zugetraut... und das Schlimme ist, dass die Leute Recht haben. Anbei die (natürlich vollkommen zu Unrecht erstellte und grob verzerrte) Darstellung von einem meiner Mitstreiter. 




Ich bin natürlich nur aus dem Wasser, weil mich der Rest der Teilnehmer die ganze Zeit neidisch angestarrt hat und mir das mit der Zeit etwas unangenehm wurde. In China habe ich ja gelernt, dass auch der schlecht da steht, der andere schlecht dastehen lässt. Aber Dank anstatt Spott wäre von den Jungs wohl zu viel erwartet gewesen. 

In Wahrheit habe ich mir an beiden Unterarmen eine Sehnenentzündung geholt, weswegen ich halt ein paar mehr Pausen brauchte. Ehe ihr jetzt aber denkt, dass ich zu weich zum Surfen bin, möchte ich darauf hinweisen, dass es eine Altersfrage ist. Aus unserer Gruppe hat sich einer den Rücken verissen und deswegen ganze Tage ausgesetzt und ein andere noch was am Knie bekommen. Von den blauen Flecken und den Schürfwunden müssen wir gar nicht erst reden. Wobei es wirklich unangenehm ist, wenn man sich die jeden Tag aufs Neue aufscheuert und dann mit einer nässenden Wunde ins Salzwasser geht. Aber wie schrieb ich schon im Abibuch: Life is pain, deal with it!

Man sollte den Schmerz ja eigentlich in Alkohol ertränken und mit dem Kampfpreis von 6 Euro für 1 Liter Sangria, wäre das auch sehr günstig gewesen. Aber es gab eine noch deutlich günstigere Alternative: Ibuprofen. Das Zeug ist dort spottbillig und in jeder Dosierung rezeptfrei. Man kann wirklich sagen, dass die Spanier da schmerzfrei sind. Mir wurde gleich die 800er Variante angeboten. Als ich nach 200 gefragt habe bekam ich nur ein mildes Lächeln... unter 400 geht da gar nichts. 

Aber zurück zu den Bildern. Dort ist auch unser Surf-Vorturner a.k.a Dani zu erkennen. Obwohl er seit vielen Jahren Deutschen das Surfen beibringt, hat er nur ein Wort gelernt. "Kartoffel". Damit war eigentlich jeder Deutsche gemeint. Wobei... es gab auch ein zweites Wort. "Kartoffels". Man kann streiten, ob das wirklich Deutsch ist, aber wir wussten, dass wir damit gemeint waren. Kartoffeln waren an unserem Surfstrand scheinbar generell nicht sehr beliebt...

An einem Tag haben wir uns im Übermut entschieden, noch den Nachmittag zum Surfen zu nutzen. Holger (der Organisator) hat uns daher zu einem kurzen Briefing gebeten. Es begann mit einem freundlichen "ihr seht ziemlich deutsch aus" und endete mit "macht die Deutschen nicht noch unbeliebter". Problem: Zu viele deutsche Anfänger auf "fatboards" paddeln ins "line-up" ohne die Vorfahrtsregeln zu beachten und daher müssen die nicht-Pflaumen dann droppen. Ihr versteht? Die Pflaumen waren übrigens die, die um Welten besser waren als wir. Wir galten wahrscheinlich als Fallobst. 

Ansonsten spielen die Bilder noch darauf an, dass von den 3 Schritten zum Aufstehen Schritt 2 für mich der schwierigste war.


Was gibt es sonst zu erzählen? Unser Surflehrer kannte mehr Märchen als die Gebrüder Grimm. Egal ob über menschenfressende Haie an der Küste (gibt es nicht), über die Herkunft des Surfens (Baskenland... iss klar) oder Holgers Vergangenheit auf der Pro Tour (die es nie gab). Er nutzte die Aufwärmübungen auch gerne um uns Balletübungen durchführen zu lassen und hat sicher mehr Zeit mit der Beobachtung von Surferinnen als mit unserem Training verbracht. Aber wer will ihm das verübeln? Frauen wurden auch "angeschubbst", damit sie nicht so viel paddeln müssen und er dann vielleicht aus Versehen "etwas berührt". Ich zitiere hier wörtlich und natürlich wertfrei. Mich wollte er auf jeden Fall nicht anschubbsen. Er war also genau so, wie ich mir einen Surflehrer vorstelle. 
Ansonsten wurde der Cub Libre in Bilbao im 1-Liter-Eimer auch für 4 Euro verkauft, wenn ein Luxemburger (für mich die neuen Schwaben) lange genug verhandelt und das Guggenheim in Bilbao ist wirklich für die Füße. Also nichts gegen Kunst, aber wenn ein "Künstler" 24 Lichterketten als Kunst verkaufen darf und die dann auch noch ausgestellt werden, dann machen sich die Kuratoren doch echt lächerlich. Vor allem wenn der Audioguide einem noch erklärt, dass die Kunst dadurch entsteht, wie man selbst die Lichterkette drapiert. Wofür brauche ich dann noch den Künstler? Bzw. ist Obi jetzt einer der bedeutendsten Kunsthändler Deutschlands? Mit dieser fast schon philosophischen Frage möchte ich diesen Post dann auch beenden.

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